Bildungsscheck NRW

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Der Bildungsscheck NRW war ein auf das Land Nordrhein-Westfalen beschränkter Bildungsgutschein aus dem staatlichen Förderprogramm des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS). Der Bildungsscheck wurde aus Landesmitteln und Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) für Deutschland finanziert. Gefördert wurden erwerbstätige Mitarbeiter in kleinen und mittelständischen Betrieben mit höchstens 249 Mitarbeitern, Selbständige in den ersten fünf Jahren der Selbständigkeit, Berufsrückkehrer unter bestimmten Voraussetzungen und geringfügig Erwerbstätige. Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sowie Beamte des Bundes, der Länder und Kommunen konnten den Bildungsscheck nicht in Anspruch nehmen.

Die geförderten Zielgruppen erhielten eine Ermäßigung über 50 % der Weiterbildungskosten einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme (Kurs, Seminar, Workshop etc.) bis zu einem Förderhöchstbetrag von 500 €. Ziel der Förderung war es, die berufliche Weiterbildung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Jungunternehmer und Berufsrückkehrer finanziell zu erleichtern und somit zu beruflicher Weiterbildung anzuregen. Seit der Einführung im Jahr 2006 hat es zahlreiche Novellierungen der Förderkriterien gegeben.

Förderkriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen Bildungsscheck erhielt derjenige, der im laufenden und vorangegangenen Kalenderjahr an keiner beruflichen Weiterbildung teilgenommen hat, sei diese nun selbst finanziert gewesen oder aber durch den Arbeitgeber. Der Bildungsscheckempfänger musste entweder seinen Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen haben oder aber in dort beschäftigt sein (Gewerbesitz in Nordrhein-Westfalen).

Gefördert wurden nur berufliche (berufsbezogene oder -orientierte) Weiterbildungen mit mehr als sechs Unterrichtsstunden, die nicht im Einzelunterricht erfolgten und die außerdem nicht persönliches Coaching oder Supervision darstellten. Messen, Informationsveranstaltungen, Tagungen, Erstausbildungen, Studiengänge, die keine weiterbildenden Studiengänge darstellten, waren ebenfalls ausgeschlossen. Fernstudiengänge an zertifizierten Fernstudieninstituten waren förderfähig.

Das Verkaufstraining für spezifische Waren, der Erwerb von Führerscheinen und gesetzlich vom Arbeitgeber zu finanzierende Weiterbildungen waren nicht förderfähig.

Der Weiterbildungsanbieter musste zertifiziert sein nach nationalen Normen (DIN) oder internationalen Normen (ISO), konnte aber auch durch lernerorientierte Qualitätstestierung wie beispielsweise LQW qualifiziert sein, um so die Qualität der Weiterbildung und die Lernerfolge sicherzustellen. Ersatzweise konnte der Anbieter aber auch über eine erwachsenenpädagogische Ausbildung, eine Lehrerlaubnis oder langjährige Ausbildungs- und Weiterbildungserfahrung verfügen, um Bildungsschecks annehmen zu können. Der Anbieter musste seinen Sitz in Deutschland haben.

Andere Förderprogramme wie z. B. die Bildungsprämie des Bundes (Aufstieg durch Bildung) waren für den Bildungsscheck NRW förderunschädlich.

Bildungsscheckberatung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um einen Bildungsscheck des Landes NRW zu erhalten, mussten Antragsteller bei entsprechenden Beratungsstellen vor Ort vorstellig werden. Beratungsstellen fanden sich in kommunalen Weiterbildungseinrichtungen wie der Volkshochschule, aber auch in den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern und den Regionalagenturen für Arbeit. Zum Beratungsgespräch mitzubringen war ein gültiger amtlicher Lichtbildausweis. Ein Berater mit entsprechender pädagogisch/andragogischer Vorbildung führte ein Beratungsgespräch mit dem Interessenten über dessen Weiterbildungsmotivation sowie über Inhalte und Ziele der geplanten Weiterbildung.

Der Bildungsscheckinteressent konnte einen oder mehrere Weiterbildungsanbieter benennen, bei denen die geplante Weiterbildung durchgeführt werden sollte. Zur Gewährleistung der Neutralität der Beratungsstelle und der Bildungsscheckberater wurden mindestens drei Anbieter auf dem Bildungsscheck eingetragen. Der Beratende unterschrieb bestimmte Erklärungen, die den Förderkriterien entsprachen, sowie eine datenschutzrechtliche Erklärung und erhielt vor Ort direkt den Bildungsscheck, der bei einem der auf dem Scheck vermerkten Anbieter eingelöst werden konnte. Jeder Bildungsscheck besaß eine Prüfnummer, war drei Monate lang gültig und war nicht auf andere Personen übertragbar.

Einlösen des Bildungsschecks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bildungsscheck musste vor Beginn einer Weiterbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahme im Rahmen einer persönlichen Beratung beantragt und bei einem der auf dem Bildungsscheck genannten Weiterbildungsanbietern eingereicht werden. Dieser stellte dem Kursteilnehmer die um den Zuschuss geminderten Fortbildungskosten in Rechnung und erhielt die entsprechende Differenz bei der zuständigen Bezirksregierung des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Beantragung der Kosten war mit Verwaltungsaufwand verbunden, dennoch konnten Bildungsanbieter für den Bildungsscheck NRW werben, um somit durch verringerte Kosten der Weiterbildung neue Kunden zu gewinnen. Einige Bildungsanbieter gaben sogar einen zusätzlichen Nachlass auf Weiterbildungskosten, wenn Kursteilnehmende einen Bildungsscheck einlösten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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