Billy (Regalsystem)

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Billy-Regal (106 cm hoch)

Billy ist ein Regalsystem des schwedischen Möbelunternehmens IKEA. Es wurde 1978 von dem schwedischen Designer Gillis Lundgren entwickelt und seither (Stand: 2018) weltweit 77 Millionen Mal verkauft.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regalteile sind aus kunststoffbeschichteten oder furnierten Spanplatten. Die Kanten sind mit Kunststoffstreifen beklebt. Die Regalböden werden auf Metallträger (sog. Fachbodenträger) gelegt, die Bohrungen in den Seitenwänden haben einen Abstand von 32 mm. Die Ausführung des Regals und der Metallträger wurde 2014 geändert.[2] Die Regale sind in mehreren Farben und Oberflächen und einer Breite von 40 bzw. 80 cm, jedoch nicht mehr in 60 cm verfügbar. Sie können miteinander verbunden und durch zusätzliche Elemente (z. B. Türen) ergänzt werden.

1979 wurde erstmals das seinerzeit in der DDR hergestellte Regal in den Breiten 90 und 60 cm bei 202 cm Höhe angeboten. Nach der Wiedervereinigung war das Regal nicht mehr konkurrenzfähig und wurde im September 1990 zunächst aus dem Sortiment entfernt, nach Protesten von Kunden jedoch wieder aufgenommen.[3] Laut Peter Betzel, seit 2011 Geschäftsführer von IKEA Deutschland, soll es das Regalsystem auch weiterhin geben (Aussage 2015).[4]

1992 ließ der Stern das Regal auf den Zusatzstoff Formaldehyd untersuchen. Von 18 Regalbrettern überschritten acht den Grenzwert bis um das Vierfache. Das Ergebnis war die Schlagzeile: »Krank durch Billy«. Ikea stellte den Verkauf für zweieinhalb Wochen ein, bis die Ursache des Problems in einer der produzierenden Fabriken gefunden wurde.[5]

Künstlerische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 eröffnete der Autor und Konzeptkünstler Rafael Horzon auf der Berliner Torstraße das Geschäft Moebel Horzon. Zur Eröffnung fand ein Happening statt, bei dem Gäste Bretter von Billy-Regalen mitbringen und zersägen lassen konnten. Sie bekamen dafür ein von Horzon designtes Regal. Das Motto der Aktion lautete „Umtausch + Zersägung = Zufriedenheit“.[6] 2009 parodierte Harald Schmidt in der Harald Schmidt Show die Veranstaltung Domino Day, indem er 50 Billy-Regale als Domino-Bausteine zum Umfallen brachte.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marc Brétillot: Billy le kit les 30 ans d’une icône du design populaire. Michel, Paris 2009, ISBN 978-2-226-18180-0.
  • Petra Eisele: Do-it-yourself-Design. Die IKEA-Regale IVAR und BILLY. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History. Band 3, 2006, S. 439–448 (zeithistorische-forschungen.de).
  • Tom Ziora: Billy – 30 Jahre alt. Hrsg.: Nina Puri, IKEA Deutschland GmbH & Co. KG. Zweitausendeins / Buch 2000, Frankfurt am Main / Affoltern am Albis 2009, ISBN 978-3-86150-958-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rebekka Knoll: Das beliebte Regal im Laufe der Zeit: „Krank durch Billy“: Wie das „tödliche Bücherregal“ zum Ikea-Liebling wurde. Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 18. April 2018.
  2. Das Billy Regal ist tot – es lebe das Billy Regal! In: new-swedish-design.de. Abgerufen am 23. März 2016.
  3. Simona Heuberger, Alexandra Weigand: Sauber durchdacht. In: Süddeutsche Zeitung Magazin. Nr. 16, 2009 (sz-magazin.sueddeutsche.de [abgerufen am 23. März 2016]).
  4. Nina Luttmer: Wir sind Neugierig. Interview mit Peter Betzel. In: Frankfurter Rundschau. 11. Januar 2015, S. 14 f.
  5. Patrick Junker: ÖKO-TEST Online. In: oekotest.de (Memento vom 11. November 2011 im Internet Archive)
  6. Tobias Rapp: Fit im Kopf für Möbel Horzon. In: Die Tageszeitung: taz. 1. Oktober 1999, ISSN 0931-9085, S. 23 (taz.de [abgerufen am 10. Oktober 2020]).
  7. Wirtschaftswoche: Ikea: Möbel-Riese Ikea stößt an Wachstumsgrenzen. Abgerufen am 22. Juni 2021.