Bitsch (Lothringen)

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Bitche
Bitsch
Wappen von Bitche
Bitche (Frankreich)
Bitche
Region Grand Est
Département Moselle
Arrondissement Sarreguemines
Kanton Bitche (Hauptort)
Gemeindeverband Pays de Bitche
Koordinaten 49° 3′ N, 7° 26′ OKoordinaten: 49° 3′ N, 7° 26′ O
Höhe 249–432 m
Fläche 41,13 km2
Einwohner 5.228 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 127 Einw./km2
Postleitzahl 57230
INSEE-Code
Website www.ville-bitche.fr

Bitsch-Mitte von der Zitadelle aus gesehen

Bitsch (deutsch und lothringisch; französisch Bitche) ist eine französische Gemeinde mit 5228 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie gehört zum Arrondissement Sarreguemines, ist Hauptort des Kantons Bitche und Sitz des Gemeindeverbandes Pays de Bitche (Bitscher Land).

Die Einwohner nennen sich auf Französisch Bitchois und auf Deutsch Bitscher. Spitzname: „Rampartritscher“.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt Bitsch liegt unweit der Grenze zu Rheinland-Pfalz (20 km südlich von Hornbach, 30 km südlich von Zweibrücken und Pirmasens) und zum Saarland (30 km südöstlich von Blieskastel und 50 km von Saarbrücken). Die umliegende waldreiche Region, das Bitscher Land, ist nach ihr benannt. Der Ort wird von einem Sandsteinplateau überragt, auf und in dem die Zitadelle von Bitsch errichtet wurde. Die Zitadelle wurde 1979 als Monument historique eingestuft und ist heute ein Freilichtmuseum. Die Stadt hat auch einen Anteil am Naturpark Nordvogesen.

Nachbargemeinden von Bitsch sind Hottviller und Schorbach im Nordwesten, Hanviller im Norden, Haspelschiedt im Nordosten, Stürzelbronn im Osten, Éguelshardt im Südosten, Mouterhouse im Süden sowie Lemberg und Reyersviller im Südwesten.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Bitsch gehören die Wohnplätze Bitsch-Lager (frz. Bitche-Camp), Freundenbergerhof, Ochsenmühle, Ramsteiner Mühle, Pfaffenberg, Stockbronn, Wolfsgarten und das alte Forsthaus Biesenberg sowie das Forsthaus Wolfsbronn. Ehemalige Wohnplätze sind die Kaltküche, der Rochathof und die Ziegelscheuer.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort entstand aus der Burg Bithis und den zu ihren Füßen liegenden Dörfern Rohr und Kaltenhausen.
Weitere Schreibweisen lauteten: Bitsch/Bitsche (1297), Bitchen (1321), Pitsch (1479), Bisch (1488), Bischt (1494), Bittsch (1592).

Im 12. und 13. Jahrhundert gehörte Bitsch zum Herzogtum Lothringen. 1297 vertauschte Lothringen die Herrschaft an die Grafen von Zweibrücken-Bitsch, und Bitsch wurde somit Hauptort einer eigenständigen Herrschaft, bis die Linie 1570 ausstarb. Bitsch fiel nun im Erbgang an die lutherische Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Jedoch wollte der Herzog von Lothringen als Lehnsherr über Bitsch das Lehen einziehen. Darüber kam es ab 1572 zu einem lange währenden Streit, der erst 1606 mit einem Vergleich beendet wurde. Bitsch fiel an Lothringen zurück und wurde in der Folge rekatholisiert. Im Dreißigjährigen Krieg wurden der Flecken und das Umland völlig verwüstet. 1680 besetzte Frankreich das Land. Der nun folgende Umbau und Neugestaltung der mittelalterlichen Burg zu einer neuzeitlichen Festung durch Vauban und die dauernde Präsenz französischer Truppenteile beeinflussten die Entwicklung des Ortes nachhaltig.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde Bitsch durch Kriege immer wieder schwer in Mitleidenschaft gezogen und wechselte mehrfach die Landeszugehörigkeit zwischen Lothringen und Frankreich, bis es nach dem Tod Stanislaus Leszczynskis, des letzten Herzogs von Lothringen, 1766 mit Lothringen an Frankreich fiel.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verteidigte Kommandant Louis-Casimir Teyssier die Zitadelle, die seit dem 8. August 1870 von bayerischen Truppen belagert wurde. Teyssier kapitulierte erst rund einen Monat nach dem Vorfrieden von Versailles am 25. März 1871. Die deutsche Armee erlaubte den ehrenhaften Abzug der französischen Soldaten unter Waffen.

Bitsch fiel nun an das Deutsche Reich und nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 an Frankreich zurück. In der Folge wurde die Zitadelle als Stützpunkt in die Maginot-Linie integriert. Zu Ende des Zweiten Weltkriegs bot die Zitadelle den Einwohnern von Bitsch Schutz, insbesondere vor Luftangriffen.

Im Dezember 1944 versuchten amerikanische Truppen vergeblich, Bitsch einzunehmen. Sie mussten die südliche Umgebung der Stadt und das gesamte Gebiet ostwärtig davon zwischen Lauter und Moder bei einem taktischen Rückzug im Zuge der deutschen Silvesteroffensiven wieder räumen.

Am 15. März 1945, dem ersten Tag der Operation Undertone, rückten US-Truppen nach Bitsch vor und nahmen die Stadt bald darauf ein. Dabei half ihnen ihre absolute Luftüberlegenheit.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2014
Einwohner 4277 5004 5055 5648 5517 5752 5555 5183

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bitscher Rathaus

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1977 bis 1995: Joseph Schaefer (DVD)
  • 1995 bis 1998: Pierre Foeglé (Parteiloser)
  • 1998 bis 2001: Joseph Schaefer (DVD)
  • 2001 bis 2008: Edmond Stenger (DVG)
  • seit 2008: Gérard Humbert (UDI)

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1979 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Bitsch und der deutschen Stadt Lebach im Saarland.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Bitsch (Lothringen)
Blasonierung: „In Silber eine durchbrochene schwarze Raute aus der sich oben nach rechts und unten nach links je eine schwarze Schlange herauswindet“[3]

Nach Lapaix, auf einer offiziellen Abbildung auf der Wiener Weltausstellung waren die Schlangen roth und gekrönt und die Raute blau.

Wappenbegründung: In der Leipziger Illustrirten Zeitung wurde vermutet, dass das Wappen ein redendes sei: die Schlange kaltblütige Geschöpfe, die Raute Grundriss eines Hauses = Kaltenhausen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St.-Katharina-Kirche und das Straßburger Tor

Bitsch liegt innerhalb des Naturparks Nordvogesen und verfügt über eine namhafte Gastronomie. Touristischer Hauptanziehungspunkt ist die ab 1680 von Vauban an Stelle einer mittelalterlichen Burg errichtete Zitadelle.

Die Zitadelle kann besichtigt werden. Mittels einer Video- und Audioführung (französisch, deutsch oder englisch) kommt man durch die im Inneren des Bauwerks gelegenen Gänge und Räume. Es ist den Machern der Ausstellung gelungen, eine wertungsfreie Darstellung des Deutsch-Französischen Krieges zu erstellen, die insbesondere den Schrecken des Krieges hervorhebt. Die kleine Kirche, sowie die anderen Gebäude auf der Zitadelle – welche die Kriege überstanden hatten – wurden restauriert.

4 km westlich der Stadt liegt das Fort Simserhof, eines der 5 wichtigsten Hauptwerke der Maginot-Linie. Die unterirdische Festungsanlage kann besichtigt werden.

Bitsch beteiligt sich an dem internationalen Projekt Gärten ohne Grenzen mit dem Garten des Friedens, der als Verbindung zwischen Stadt und Festung angelegt ist. Die Besichtigung des Gartens ist im Eintrittspreis für die Zitadelle enthalten. Seit 2004 gibt es auch den Meteorischen Garten, der vom Internationalen Zentrum für Glaskunst in Meisenthal realisiert wurde. 2006 kam der Water Glass Garden hinzu, der englische Gartentradition mit modernem Design verbinden soll. Dieser Garten wurde von Künstlern des Hadlow College in Greenwich geschaffen.

Am Fuße der Zitadelle (Südseite) liegt ein sehenswerter kleiner Bahnhof aus wilhelminischer Zeit, dessen Bausubstanz sich noch im Originalzustand befindet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenpersonennahverkehr

Der Bahnhof Bitsch befindet sich am stillgelegten Abschnitt SaargemündNiederbronn der Bahnstrecke Haguenau–Falck-Hargarten. Auf der Strecke zwischen Bitsch und Niederbronn ruht seit 1996 der Schienenverkehr komplett.[4] Daher verkehrten in Bitsch (Endbahnhof) ab 1996 Züge von/nach Saargemünd und Metz. Wegen zu geringer Rentabilität und Oberbauschäden ist der Abschnitt Saargemünd–Bitsch seit Dezember 2011 ebenfalls stillgelegt und im Schienenersatzverkehr durch Busse bedient.

Linienbusverkehr

Von Bitsch aus gibt es Linienbusverkehr weiter nach Niederbronn, Hagenau und Saargemünd.[5]

Linienverlauf Takt
Saargemünd - Wölflingen - Großrederchingen - Rohrbach Bf - Rohrbach Mitte - Kleinrederchingen - Enchenberg - Lemberg - Schwangerbach - Bitsch Stadtweiher - Bitsch Bf 50 min.
Niederbronn Bf - Niederbronn Werk - Philippsburg - Lieschbach - Bannstein - Egelshardt - Bitsch Bf 30 min.

Straßenverkehr

Die Départementstraße D 662 verläuft durch das Stadtgebiet. Von Saargemünd und den Ortsteil Neunkirchen kommend, durchquert sie Gros-Réderching, Rohrbach-lès-Bitche, Siersthal und Reyersviller, führt nach Bitsch, überquert in der Stadt den Hornbach und führt weiter durch Éguelshardt und Philippsbourg nach Niederbronn und Haguenau.[2]

Weitere wichtige Straßen sind:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bitche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Bitsch – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Bitche – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cercle "Die Furbacher", Histoire locale de Forbach, n°62, 2008.
  2. a b IGN-Karte
  3. Johann Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch. Bauer und Raspe, Nürnberg 1885, S. 270 (378 S., uni-heidelberg.de).
  4. Archivlink (Memento des Originals vom 7. Juli 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/viguesse.over-blog.com
  5. Fahrplan der SNCF-Regionalverkehr in Lothringen