Bizutage

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter Bizutage [bizytaʒ] versteht man in Frankreich und den frankophonen Ländern lokal unterschiedlich ausgestaltete Initiationsriten im Ober- und Hochschulmilieu, die bis in die jüngste Vergangenheit häufig die Grenze zur Misshandlung, Demütigung oder manchmal zur Schutzgelderpressung überschritten haben.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Aufgrund der Missbräuche wurde die Bizutage, die seit den 1920er Jahren offiziell verboten war, 1998 auf Betreiben von Ministerin Ségolène Royal in das französische Strafgesetzbuch aufgenommen. Dieses definiert die Bizutage als „eine Vielzahl von erniedrigenden und traumatisierenden Riten in einem Ausbildungs- oder Hochschul-Milieu“ (Livre II, titre II, Chapitre V, Section 3 bis, Article 225-16-1). Sie wird im Falle einer Verurteilung mit bis zu sechs Monaten Gefängnis oder rund 7.600 € Geldstrafe geahndet. Vor allem an Universitäten und Grandes écoles waren Bizutages gang und gäbe. Mehrere Organisationen setzen sich gegen die Bizutage ein. Das gilt vor allem, seitdem einige Opfer solcher Riten Suizid begangen hatten. In einem Fall aus dem Jahr 2010 hat das Gericht von Draguignan (Südfrankreich) gegen die beiden vorstrafenfreien Anstifter einer Bizutage, bei dem ein Betroffener schwere Verbrennungen erlitten hat, eine Haftstrafe von sechs bzw. zwölf Monaten ausgesprochen.[2]

Zeremonie[Bearbeiten]

Dennoch werden als Bizutage weiterhin mehrere, lokal unterschiedliche Aufnahmezeremonien bezeichnet, die an frisch Beförderten vorgenommen werden. Neuerdings nehmen sie oft eine eher humoristische Tendenz an und geben sich offiziell als Ziel, die Neuen davor zu bewahren, dass ihnen ihre neue Stellung zu Kopfe steige. Ansonsten sollen Bizutages einen „Korpsgeist“ unter den Mitgliedern einer bestimmten sozialen Stellung erzeugen. Die Evolutionäre Psychologie spricht in analogem Zusammenhang von einem Stockholm-Syndrom.

Andere Länder[Bearbeiten]

bizutageähnliche Schiffstaufe an Rekruten

Ähnliche Rituale sind in vielen anderen westlichen Kulturkreisen unter verschiedenen Bezeichnungen verbreitet, so etwa in den USA (hazing), Polen (fala), Portugal (praxe), Italien (nonnismo) und Brasilien (trote).

Literatur[Bearbeiten]

  • Emmanuel Davidenkoff, Pascal Junghans: Du bizutage des grandes écoles et de l'élite. Paris: Plon 1993. ISBN 2-259-02586-2

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NZZ Online: Bizarr barbarisches Ritual vom 14. November 2011, aufgerufen 14. November 2011
  2. Artikel zur Bizutage in der Online-Ausgabe der Westdeutschen Zeitung

Weblinks[Bearbeiten]