Frankophonie

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Die Flagge der Frankophonie symbolisiert die fünf Kontinente
Karte aller Mitgliedstaaten, assoziierter Staaten und Beobachter der Organisation internationale de la Francophonie
Karte der europäischen Mitglieder und Beobachter der Organisation internationale de la Francophonie (2010).
Organigramm der Frankophonie. Nach der Ministerkonferenz (CMF) 2005 in Antananarivo ist die OIF der Hauptakteur der Frankophonie.

Frankophonie (lateinisch; oft auch Francophonie) wird als die Gesamtheit der französischsprachigen (frankophonen) Staaten bezeichnet, also der französische Sprachraum. Darin eingeschlossen sind Verhältnisse ganz unterschiedlicher Natur: Staaten, in denen Französisch offizielle Sprache ist, Staaten, in denen Französisch Muttersprache ist, und solche Staaten, in denen Französisch Lehrsprache ist.

Die Internationale Organisation der Frankophonie (frz. Organisation internationale de la Francophonie, OIF) schließt neben Frankreich auch eine Gruppe ehemaliger französischer Kolonien, die heute noch mehr oder weniger kulturellen, sprachlichen und jedenfalls politischen Kontakt zur ehemaligen Kolonialmacht pflegen (vgl. auch Commonwealth), und andere ein. Mit dem Einschluss von Staaten wie Moldawien oder Bulgarien ist die Organisation längst kein kulturelles Bündnis mehr, sondern auch eine politische Organisation.

Die Frankophonie umfasst etwa 220 Millionen Französisch-Sprecher (darunter etwa 115 Millionen Muttersprachler) in insgesamt 57 Mitgliedsstaaten. Davon sind drei Staaten – Armenien, Ghana und Zypern – assoziierte Mitglieder. Außerdem haben 20 weitere Länder einen Beobachterstatus: Bosnien und Herzegowina, Dominikanische Republik, Estland, Georgien, Kroatien, Lettland, Litauen, Montenegro, Mosambik, Österreich, Polen, Serbien, Slowakei, Slowenien, Thailand, Tschechien, Ungarn, Ukraine, Uruguay, Vereinigte Arabische Emirate.

Entwicklung[Bearbeiten]

Bereits 1871 wurde der Begriff Frankophonie vom Geographen Onésime Reclus (1837–1916) zum ersten Mal verwendet.

Internationalen Durchbruch erreichte die Organisation internationale de la Francophonie (OIF) vor allem unter dem Vorsitz des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Boutros-Ghali 1997 bis 2002.

Die Regierung Chirac/de Villepin hatte den Kampf gegen die Vorherrschaft des Englischen auf ihre Fahne geschrieben. Der damalige Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres trieb zwei Dinge voran: einen französischsprachigen weltweiten Nachrichtensender (nach dem Muster von CNN) und eine spezielle Suchmaschine (allgemein und zur Digitalisierung von Bibliotheken, siehe Google Bücher). Während das erste Projekt zuerst den Anschein machte zu scheitern, ist das sowohl auf Französisch als auch auf Englisch empfangbare France 24 inzwischen auf Sendung gegangen. Aber auch für sein zweites Projekt gewann Kulturminister de Vabres eine (zurückhaltende) Unterstützung anderer Europäer. Es fehlt allerdings an Geld.

Im Jahr 2013 erlaubte die Kultusministerin Geneviève Fioraso den Unterricht auf Englisch in einigen Lehrveranstaltungen von staatlichen Universitäten, nachdem private (Wirtschafts-)Hochschulen sowie die Grandes Écoles schon seit Jahren eine entsprechende Ausnahmegenehmigung nutzten. Der Erlass führte, wie stets bei solchen Anlässen, zu einer mit hohen Tönen geführten Debatte über die Bedeutung der Frankophonie heute. Mitglieder der Académie française sprachen von „beispielloser Verarmung und Marginalisierung“ des Französischen, andere Professoren beschworen das „Ende der französischen Universalkultur“, Frankreich werde zu einer „Provinz unter sprachlicher Vormundschaft“. Eine andere Stimme warnte: „Fioraso will erzwingen, dass in der Sprache der Wall Street gelehrt wird.“ Der Abgeordnete in der Nationalversammlung Pouria Amirshahi, Vertreter der außerhalb Frankreichs wohnenden Franzosen in Nord- und Westafrika, mahnte, es sei Frankreichs Mission, „die französische Sprache in der ganzen Welt zu verteidigen“. Andere meinten, der Plan verstoße gegen das Toubon-Gesetz zum Schutz der Frankophonie von 1994. Fioraso blieb jedoch erfolgreich.[1]

Mitglieder[Bearbeiten]

Die offizielle Liste der Mitgliedsstaaten findet man auf der Webseite der Organisation internationale de la Francophonie.[2]
Liste nach Kontinenten:

Europa[Bearbeiten]

Nord- und Südamerika[Bearbeiten]

Afrika[Bearbeiten]

Asien[Bearbeiten]

Ozeanien[Bearbeiten]

Zur Verbreitung der französischen Sprache[Bearbeiten]

Einige Daten zur Nutzung der französischen Sprache:

  • Über 900.000 Sprachlehrer unterrichten Französisch weltweit.
  • Französisch ist Amtssprache bzw. eine von mehreren offiziellen Amtssprachen in 32 Staaten.
  • Französisch ist die zweithäufigste Muttersprache der EU-Bürger (nach Deutsch).
  • Französisch ist die zweithäufigste angewendete Sprache (19 %) in den Behörden der EU (nach Englisch mit 41 %)
  • Französisch ist die dritthäufigste Internetsprache innerhalb der EU (nach Englisch und Deutsch).

siehe auch Rolle des Französischen in einzelnen Ländern

Französisch ist Amtssprache u.a. bei:

Die 57 OIF-Staaten repräsentieren:

  • 8,1 % der Weltbevölkerung[3]
  • 29 % der UNO-Mitgliedsstaaten
  • 4,2 % der weltweiten Bruttonationaleinkommens (2010)[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Erfurt: Frankophonie: Sprache – Diskurs – Politik (Uni-Taschenbücher UTB M), A. Francke, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2645-X
  • Glasze, Georg (2007): The Discursive Constitution of a World-spanning Region and the Role of Empty Signifiers: the Case of Francophonia. In: Geopolitics (12)4: 656-679. (pdf: [1] (PDF; 884 kB))
  • Georg Glasze (2011): Die diskursive Konstitution der Frankophonie als "internationale Gemeinschaft" und "geokultureller Raum" in: Paul Reuber, Iris Dzudzek und Anke Strüver (Hg.): Die Politik räumlicher Repräsentationen. Beispiele aus der empirischen Forschung. Reihe: Forum Politische Geographie, 6. S. 73 - 108. Online (PDF; 1,6 MB)
  • Kian-Harald Karimi: La dernière ressource de notre grandeur. Die Frankophonie zwischen imperialer Vergangenheit und postkolonialer Zukunft, in Susanne Stemmler, Gesine Müller (Hg.): Raum – Bewegung – Passage. Postkoloniale frankophone Literaturen. Reihe: Edition Lendemains. Gunter Narr, Tübingen 2009 ISBN 3823365150 S. 15–31
  • Kian-Harald Karimi: Une francophonie des cultures comme modèle d’un ordre multipolaire et multilingue, in Ute Fendler, Hans Jürgen Lüsebrink und Christoph Vatter (Hg.): Francophonie et globalisation culturelle. Politique, Médias, Littératures. Reihe: Studien zu den frankophonen Literaturen außerhalb Europas, 30. IKO-Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt 2008 ISBN 388939888X S. 17 - 38
  • Milhaud, Olivier (2006): Post-Francophonie?. EspacesTemps.net. http://www.espacestemps.net/en/articles/post-francophonie-en/

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Francophonie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FAZ, 22. Mai 2013, von Michaela Wiegel
  2. États et gouvernements membres de l'OIF.
  3. Französisch: eine Sprache für die (Welt-) Wirtschaft, abgerufen am 21. April 2013. Abweichend von dieser Quelle sind hier nur die OIF-Mitgliedsstaaten berücksichtigt.
  4. Mark Davis, GDP by language Damit liegen die frankophonen Länder an sechster Stelle, nach den englisch- (28,2 %), chinesisch- (22,8 %), japanisch- (5,6 %), spanisch- (5,2 %) und deutschsprachigen (4,9 %) Ländern.