Blei(II)-hydroxid

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Strukturformel
Allgemeines
Name Blei(II)-hydroxid
Andere Namen
Summenformel Pb(OH)2
Kurzbeschreibung

weißes, amorphes Pulver[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 19783-14-3
EG-Nummer 243-310-3
ECHA-InfoCard 100.039.358
PubChem 9859601
Wikidata Q412573
Eigenschaften
Molare Masse 241,21 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

7,41 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

145 °C (Zersetzung)[1]

Löslichkeit
  • wenig löslich in Wasser[1]
  • unlöslich in Aceton[1]
  • löslich in verdünnten Säuren und Basen[1]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[2]
08 – Gesundheitsgefährdend 07 – Achtung 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 360Df​‐​332​‐​302​‐​373​‐​410
P: ?
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Blei(II)-hydroxid ist eine chemische Verbindung des Bleis aus der Gruppe der Hydroxide.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine chemische Verbindung "Pb(OH)2" existiert laut übereinstimmenden Berichten wahrscheinlich nicht, stattdessen handelt es sich hierbei um hydratisierte Blei(II)-oxide PbO·x H2O (x < 1).[4] Die Bezeichnung Blei(II)-hydroxid wird normalerweise synonym dafür verwendet.

Ein weißer Niederschlag von Blei(II)-hydroxid kann durch Reaktion einer Blei(II)-nitrat-Lösung mit Natriumhydroxid oder Kaliumhydroxid gewonnen werden.[1]

Bei der Fällung aus carbonathaltigen Lösungen wird normalerweise basisches Bleicarbonat (PbCO3·2Pb(OH)2) als Produkt erhalten.

Bei vorsichtiger Hydrolyse von Blei(II)-acetat-Lösungen erhält man ein kristallines Produkt mit der Formel 6PbO·2H2O = Pb6O4(OH)4.[4] Die Substanz besteht aus Clustern in Form eines Rhombendodekaeders, in denen die Blei(II)-Ionen oktaedrisch angeordnet sind und die Dreiecksflächen des Oktaeders von Oxid- und Hydroxid-Ionen überkappt werden.[5][6]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blei(II)-hydroxid ist ein weißes amorphes amphoteres Pulver, welches sich nur wenig in Wasser löst. Es dehydratisiert ab einer Temperatur von 130 °C und zersetzt sich ab 145 °C zu Blei(II)-oxid und Wasser.[1]

Mit Kohlendioxid bildet es Blei(II)-carbonat

und mit Säuren deren Bleisalze: (Beispiel mit Schwefelsäure zu Blei(II)-sulfat)

Bei Auflösung in starken Alkalien löst es sich unter Bildung eines Hydroxo-Komplex-Ions [Pb(OH)3] und der Bildung von Plumbaten.[4][7]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bleihydroxid wird zur Herstellung von porösem Glas sowie in Elektrolyten in verschlossenen Nickel-Cadmium-Batterien verwendet. Es wird weiterhin bei der Rückgewinnung von Uran aus Meerwasser und als Katalysator für die Oxidation von Cyclododecanol eingesetzt.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Pradyot Patnaik: Handbook of Inorganic Chemicals (Memento vom 4. August 2009 im Internet Archive); ISBN 0-07-049439-8
  2. Eintrag zu Bleiverbindungen in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. Januar 2017 (JavaScript erforderlich).
  3. Nicht explizit in Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Gruppeneintrag lead compounds with the exception of those specified elsewhere in this Annex im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  4. a b c A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 916.
  5. R. A. Howie, W. Moser: Structure of Tin(II) “Hydroxide” and Lead(II) “Hydroxide”. In: Nature. Band 219, Nr. 5152, Juli 1968, ISSN 0028-0836, S. 372–373, doi:10.1038/219372a0 (nature.com [abgerufen am 23. Oktober 2018]).
  6. R. J. Hill: Structure of Pb3O2(OH)2 by Rietveld analysis of neutron powder diffraction data. In: Acta Crystallographica Section C Crystal Structure Communications. Band 41, Nr. 7, 15. Juli 1985, ISSN 0108-2701, S. 998–1003, doi:10.1107/s0108270185006345 (iucr.org [abgerufen am 23. Oktober 2018]).
  7. Therald Moeller; Chemistry with inorganic qualitative analysis; ISBN 0125033508