Blick über den Tellerrand

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Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offen sein für Neues und Ungewohntes, weltoffen sein, neue Eindrücke gewinnen, sehen, wie andere Menschen leben, einen weiten Horizont haben, neue Perspektiven einnehmen, die Konsequenzen des eigenen Tuns bedenken, nicht egozentrisch sein, sich eine umfassende Meinung bilden, neue Sichtweisen ergründen.

Dem Sprachwissenschaftler Heinz Küpper nach soll die Redewendung von Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller geprägt worden sein. In seinem Kündigungsschreiben an Bundeskanzler Willy Brandt schrieb er im Jahr 1972: "Die Regierung hat die Pflicht, über den Tellerrand des Wahltermins hinauszublicken und dem Volke rechtzeitig zu sagen, was zu leisten und was zu fordern ist."[1] Bereits im Jahr 1953 verwendete Arno Scholz in seinem Buch Berlin im Würgegriff den Begriff Tellerand als Metapher für einen zu engen Horizont: "So ist es auch jetzt wieder; ein großer Teil der Deutschen sieht wiederum nur bis zum eigenen Tellerrand."[2]

Das sprachliche Bild ähnelt der Redewendung Scheuklappen tragen.

Redewendung in anderen Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnliche Metaphern beziehungsweise Redensarten mit derselben Aussage finden sich auch in anderen Kulturkreisen und Sprachen.

Die chinesische Redensart Jing Di Zhi Wa, auf deutsch Der Frosch im Brunnen, beschreibt ebenfalls eine eingeschränkte Perspektive.[3] Thinking Outside/Beyond the Box oder Thinking Outside the Square sind englische bzw. amerikanische Redewendungen mit ähnlichem Sprachbild.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache.
  2. Arno Scholz: Berlin im Würgegriff - Mit einer Zeitchronik der Jahre 1945 - 1952. Arani Verlag, Berlin 1953.
  3. Der Frosch im Brunnen – über den Tellerrand hinaus blicken - Radio China International. Abgerufen am 8. April 2018.