Brandkatastrophe im Nachtclub The Station

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Die Brandkatastrophe im Nachtclub The Station ereignete sich am 20. Februar 2003 kurz nach 23:00 Uhr in der Kleinstadt West Warwick (Rhode Island) an der Nordostküste der USA. Bei einem Auftritt der angekündigten Band Great White verursachte die eingesetzte Pyrotechnik einen folgenschweren Brand. Obwohl Rettungskräfte innerhalb weniger Minuten den Nachtclub The Station erreichten, kamen infolge des sich schnell ausbreitenden Feuers und der örtlichen baulichen Gegebenheiten des Nachtclub-Gebäudes am südlichen Stadtrand West Warwicks 100 Menschen ums Leben, weitere 230 Personen wurden verletzt.

Nach den Bränden im Iroquois Theater (602 Tote), Cocoanut Grove Nightclub (492 Tote), Brooklyn Theater (285 Tote), Rhythm Nightclub (209 Tote), Rhoads Opera House (170 Tote), Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus (168 Tote) und Beverly Hills Supper Club (165 Tote) ist die Katastrophe im The Station bis heute das achtschwerste Brandunglück in der Geschichte der Vereinigten Staaten, das sich während einer öffentlichen Theater- oder Tanz- bzw. Musikveranstaltung ereignet hat.

Im März 2016 erklärte Great-White-Gründungsmitglied und -Gitarrist Mark Kendall, dass an diesem Abend nicht die Band Great White, sondern lediglich Leadsänger Jack Russells Solo-Band (O-Ton: "Jack Russel's version of Great White"[1]) auf Tournee und gebucht gewesen war. Kendall selbst wäre an diesem Abend vor Ort mit dabei gewesen, hätte aber die anderen anwesenden Band-Musiker nicht gekannt. Great White waren jedoch angekündigt worden, um somit mehr Eintrittskarten zu verkaufen. Great White hätten nie Pyrotechnik bei Konzerten eingesetzt.[2]

Brandausbruch und Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für Bühnenfeuerwerk

Das Feuer entstand um 23:07 Uhr im hinteren Bereich der erhöht positionierten Bühne, während die Band Great White ihren Eröffnungssong Desert Moon spielte. Daniel Biechele, der Tourmanager, hatte Pyrotechnik in Form eines sprühenden Funkenregens abgebrannt.[3] Zwei der drei Pyrofontänen waren an den Außenseiten der Bühne angebracht, die innerhalb von 20 Sekunden die aus Polyurethanschaum-Matten bestehende Wand- und Deckenverkleidung des Nachtclubs in Brand setzten.[4]

Obwohl die Flammen bereits von Beginn an deutlich zu sehen waren, wurden diese zunächst nicht als Gefahr, sondern als Teil der Bühnenshow wahrgenommen und so wendeten sich zuerst nur wenige Personen von der Bühne ab und gingen in Richtung Ausgang. Erst als es zu einer starken Feuer- und Rauchentwicklung kam, gab es eine allgemeine Fluchtbewegung, zunächst noch langsam, dann panikartig.

35 Sekunden nach Beginn des 20 sekündigen Bühnenfeuerwerks stoppte die Band und sprang von der Bühne. Bereits 60 Sekunden nach Ende des Feuerwerks stand die Bühne komplett in Flammen und der Feueralarm des Clubs war zu hören. Obwohl insgesamt vier Ausgänge zur Verfügung standen, strömte ein Großteil des Publikums zu dem ihm bekannten Haupteingang, durch den man das Gebäude auch betreten hatte. Der überwiegende Teil der Todesopfer wurde später im schmalen Flur hinter dem Haupteingang aufgefunden. Das Gedränge und die entstandene Panik hatten bereits nach wenigen Sekunden zu einer absoluten Blockade des Ausgangs geführt. Die Gäste steckten verkeilt in der Eingangstür fest, sodass es für die nach ihnen Flüchtenden kein Entrinnen gab. Simulationen und Experimente des NIST zeigten, dass innerhalb einer Minute nach Entflammen der Bühne die Rauchentwicklung alle Räume vollständig ausgefüllt hatte.

Die ersten Feuerwehrkräfte trafen nur fünf Minuten nach dem Entstehen des Brandherdes ein, konnten jedoch den Vollbrand des Gebäudes nicht mehr verhindern, der zu dieser Zeit bereits im Gange war.

Von den 462 im Club anwesenden Personen starben 100 durch Feuer und Rauchgasvergiftung oder wurden von der Menschenmenge während der Massenpanik überrannt, 230 wurden verletzt, die restlichen 132 Gäste gelangten unversehrt ins Freie. Unter den Todesopfern befand sich auch der Gitarrist von Great White, Ty Longley, der laut Augenzeugenberichten noch versuchte, die Scheiben des Clubs mit seinem Instrument einzuschlagen. Jeffrey Rader (ehemaliger Roadie von Great White, Tesla, Poison und Alice Cooper) kam ebenfalls bei dem Brand ums Leben.

Gedenken an die Opfer und Gedenkstätte Station Fire Memorial Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstätte am Platze des ehemaligen Nachtclubs

Am 24. Februar 2003 nahmen mehrere Tausend Trauergäste an einer Zeremonie zum Gedenken an die Opfer in der Kirche von Warwick teil. Die Band Great White startete fünf Monate nach dem verheerenden Unglück eine Benefiztournee, von deren Erlös ein Teil an den Station Family Fund gespendet wurde, eine Stiftung von Angehörigen der Verstorbenen.

Zu Ehren des Radio-DJs Michael J. Gonsalves alias „The Metal Doctor“, der ebenfalls in den Flammen starb, wurde eine Totenmesse abgehalten, zu der mehrere Tausend Menschen erschienen.[5] Seine Sendung Metal Zone, die er über 17 Jahre moderierte, war die am längsten existierende Metal-Radioshow in den USA.

Das ehemalige Grundstück der The Station lag lange Zeit brach, aufgestellte Kreuze im hinteren Bereich des Platzes erinnerten an die Opfer der Tragödie, parken war auf dem Gelände nicht mehr gestattet. Auf dem vor dem ehemaligen Gebäude liegenden Parkplatz direkt an der Hauptstraße war die alte Werbetafel immer noch vorhanden, diese verfiel jedoch mehr und mehr, so dass davon letztendlich nur noch der Rahmen und Gestänge vorhanden waren. Angehörige hatten angekündigt, das Grundstück aufzukaufen und ein permanentes Denkmal zu errichten. Im Frühling 2015 wurde das Gelände des ehemaligen Nachtclubs und des Parkplatzes eingezäunt, begradigt und zum größten Teil geräumt und sowohl die Kreuze als auch die Werbetafel entfernt, um die Gedenkstätte Station Fire Memorial Park[6][7] zu errichten. Die offizielle Eröffnungsfeier der Gedenkstätte genau an dem Ort, an dem im Februar 2003 das Feuer im Nachtclub ausbrach, fand am Sonntag, den 21. Mai 2017, statt.[8][9]

Rechtliche Konsequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge des Brandes kam es zu mehreren Gerichtsverhandlungen. Der Tourmanager von Great White, Daniel Biechele, war der Hauptverantwortliche für das Abbrennen des Feuerwerkes. Er bekannte sich schuldig und wurde zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt, von denen er vier im Gefängnis verbringen musste. Er wurde am 19. März 2008 entlassen. Zuvor hatten mehrere Angehörige von Verstorbenen sich für ein Freikommen von Biechele eingesetzt – unter anderem hatte er an die Hinterbliebenen aller 100 Opfer selbst verfasste Briefe geschrieben, in denen er die Verantwortung übernahm.

Die beiden Besitzer des Nachtclubs The Station, Michael und Jeffrey Derderian, wurden unter anderem aufgrund des Einbaus des brennbaren Schalldämmmateriales ebenfalls verurteilt: Michael zur selben Strafe wie Tourmanager Biechele und sein Bruder Jeffrey zu 13 Jahren Bewährung und 500 Stunden sozialer Arbeit. Michael Derderian wurde im Juni 2009 aufgrund guter Führung vorzeitig auf Bewährung entlassen.

Filmaufnahmen von der Brandnacht und Rolle des Reporters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existieren Filmaufnahmen vom Konzert und dem Ausbruch des Feuers, welche von einem anwesenden Reporter des TV-Senders WPRI-TV angefertigt wurden. Die Aufnahmen waren aus Sicht der Brandermittler wertvoll, da sie sowohl die Ursache des Brandes als auch den Brandverlauf dokumentarisch festhielten. Ironischerweise arbeitete der TV-Sender in der Nacht des Brandes an einer Reportage über Unglücke in Discotheken, die Besitzer von "The Station" hatten den Dreharbeiten zugestimmt. Im Februar 2008 zahlte WPRI-TV außergerichtlich 30 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen der Opfer, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, der Reporter habe durch seine Filmaufnahmen den Durchgang behindert und nicht geholfen, Menschen in Sicherheit zu bringen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Great White -- We Didn't Start the Fire (VIDEO). Abgerufen am 21. April 2017.
  2. NBC 10 NEWS: Great White guitarist says band did not perform at Station nightclub. Abgerufen am 29. Juli 2016 (amerikanisches Englisch).
  3. http://www.trbimg.com/img-5107eb39/turbine/hc-fire-starting-in-the-nightclub-20130129/500/500x375
  4. http://2.bp.blogspot.com/-7koFQwV2jZg/ULUhwJniMKI/AAAAAAAABWM/nMMLGUjf4y4/s1600/Station+Nightclub+Fire+%28Daniel+Davidson%29.jpg Das schalldämmende Material ist entzündet
  5. Matthias Breusch: Die Brandkatastrophe von West Warwick, Rhode Island – Szenen aus einem Horrorfilm. In: Rock Hard. 21. Jahrgang, Nr. 192, Mai 2003, S. 66–67.
  6. Station Fire Memorial Foundation. Abgerufen am 3. Mai 2017 (amerikanisches Englisch).
  7. Station Fire Memorial Park. Abgerufen am 27. April 2017.
  8. Shaun Towne: Memorial park dedicated to victims of Station Nightclub Fire. In: WPRI 12 Eyewitness News. 21. Mai 2017, abgerufen am 26. Mai 2017.
  9. John Bender: Offcial Opening Date For Station Nightclub Memorial Park Finalized. (ripr.org [abgerufen am 27. April 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 41° 41′ 4″ N, 71° 30′ 39″ W