Broteinheit

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Die Broteinheit (BE) ist eine Berechnungseinheit für den Gehalt bestimmter Kohlenhydrate in Speisen.

Unterschiedliche Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland fand die Broteinheit bis Oktober 2010 im Rahmen einer Ernährung bei Diabetes mellitus Anwendung. Sie bezeichnete in eine Menge von 12 Gramm Kohlenhydrate, in der Schweiz eine Menge von 10 Gramm KH. Eine weitere Einheit bildet die Kohlenhydrateinheit (KE oder KHE), eine Menge von 10 Gramm Kohlenhydrate.

Mit Beschluss des deutschen Bundesrates vom 24. September 2010 und entsprechend den Empfehlungen der Fachgesellschaften (z. B. der DGE)[1] und des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) wurde der Begriff „Broteinheit“ am 9. Oktober 2010 durch Artikel 1 der Sechzehnten Änderung der Diätverordnung aus allen gesetzlichen Regelungen entfernt. Die Übergangszeit für die Deklaration mit Broteinheit oder Kohlenhydrateinheit endete im Oktober 2012.[2]

Es entspricht der wissenschaftlichen Meinung, dass es keiner speziellen Lebensmittel für Diabetiker bedarf.[3][4]

Das Nebeneinander verschieden definierter Einheiten führte immer wieder zu Unsicherheiten. Folgende Definitionen zur Bemessung von Kohlenhydraten liegen vor:

  • Broteinheit (BE): Die deutsche Diätverordnung definierte bis 2010 eine Broteinheit als die Menge eines Nahrungsmittels, die 12 Gramm an verdaulichen und damit blutzuckerwirksamen Kohlenhydraten in unterschiedlicher Zucker- und Stärkeform enthält. 12 Gramm Kohlenhydrate entsprechen einem Energiewert von 200 kJ. Diese Definitionen wurden 2010 ersatzlos gestrichen.
  • In der Schweiz wird eine Broteinheit mit 10 Gramm Kohlenhydraten bemessen.
  • Kohlenhydrateinheit (KE): zur leichteren Berechnung wird auch die Bezeichnung Kohlenhydrateinheit verwendet, die 10 Gramm Kohlenhydraten entspricht.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlenhydrat-Austauschtabellen zeigen, wie viel Gramm eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels einer Broteinheit oder Kohlenhydrateinheit entsprechen. Diese Einschätzung ist für die Bestimmung der Dosis bei Insulintherapie erforderlich.

Kohlenhydrate kommen überwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Aber auch die Kohlenhydratmengen in tierischen Nahrungsmitteln müssen berechnet werden, z. B. Joghurt, Dickmilch, Kefir und Buttermilch. Käse und Quark erfordern keine BE-Berechnung, da der Milchzucker wenig wirksam auf den Blutzucker langsam abgebaut wird.

Nicht berechnet werden die meisten Gemüse und Salat, da sie einen hohen Wassergehalt aufweisen und die hier enthaltenen Kohlenhydrate überwiegend unverdaulich oder langsam verdaulich sind und somit auf den Blutzucker keine bedeutsamen Auswirkungen haben.

Neben der BE-Berechnung muss auch die über das Fett aufgenommene Kalorienmenge berücksichtigt werden. Sie wirkt sich zwar nicht unmittelbar auf den Blutzucker aus, führt aber bei zu hoher Zufuhr zum Übergewicht und damit zur Insulinresistenz. Eine ausgewogene Mischkost setzt sich aus 50–60 % Kohlenhydraten, 10–15 % Eiweiß und 20–30 % Fett zusammen.

Eine übliche Diabetes-Reduktionsdiät beim übergewichtigen Typ-2-Diabetiker enthält beispielsweise 13 BE verteilt auf 5 Mahlzeiten.

  • 3 BE morgens
  • 2 BE Zwischenmahlzeit
  • 3 BE mittags
  • 2 BE Zwischenmahlzeit
  • 3 BE abends

Der normalgewichtige Typ-1-Diabetiker braucht deutlich mehr BE, um eine ausreichende Kohlenhydratversorgung sicherzustellen (z. B. 18–22 BE/Tag)

Bei niedrigen Blutzuckerwerten ist das Essen von kohlenhydratreichen Lebensmitteln sinnvoll, die der Körper schnell zu Blutzucker umwandeln kann ("schnelle BE").

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgenden Beispiele verstehen sich als Schätzwerte. Sie weichen je nachdem, auf welche Kohlenhydrataustauschtabelle man sich bezieht, ab. So wird teilweise für Erdbeeren eine Menge von 200 g für eine BE genannt; dementsprechend für Äpfel 110 g. Fertigprodukte müssen jeweils nach den durchschnittlichen Nährwertangaben des Herstellers auf der Packung pro Portion berechnet werden.

Kritik am BE-Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BE (bzw. KHE) gab beziehungsweise gibt es nur in Deutschland (gesetzlich 1963 bis 2010), Österreich und der Schweiz.
  • Auf modernen Packungsaufdrucken sind selten Angaben in BE zu finden, eher in g KH pro 100 g, also in Prozent. Für Betroffene ist also eine Umrechnung erforderlich.
  • Ein Nachteil der Einheiten "BE" und "KE" besteht darin, dass sich ein untrainierter Betroffener kaum etwas darunter vorstellen kann. Die Definitionen wirken willkürlich. Sie entsprechen nicht etwa einer typischen Menge eines typischen Nahrungsmittels, beispielsweise einer Scheibe Brot.
  • Das korrekte Abschätzen der BE-Gehalte von Nahrungsmitteln kann einige Erfahrung erfordern, die aber mit Hilfe von Waagen und BE-Tabellen schnell gewonnen werden kann.
  • Kohlenhydratangabe in BE, beispielsweise in Nahrungsmitteltabellen, sind oft gerundet, beispielsweise auf 0,5 BE. Ein Rundungsfehler kann bei einer Nahrungsmenge von mehreren hundert Gramm bereits Auswirkungen auf den Insulinbedarf eines Diabetikers haben. Dies kann unerklärliche Schwankungen des Blutzuckers nach sich ziehen.
  • Gelegentlich sind Nahrungsmitteltabellen zu finden, die keine klare Definition einer BE angeben, sondern stattdessen ausdrücklich die unklare Aussage "1 BE entspricht 10 bis 12 g KH" vertreten. Auch dies führt bei Diabetikern zu erheblichen Rechenfehlern.
  • Der Fettgehalt und die Art der Kohlenhydrate in der Nahrung stellen in der Diätologie nicht unbedeutende Größen dar (wegen zeitverzögerter oder beschleunigter Resorption der Kohlenhydrate), die im BE-Konzept nicht erfasst werden, sondern vom Patienten als zusätzliche Faktoren behandelt werden müssen. Deshalb sollte der glykämische Index der Lebensmittel zusätzlich beachtet werden.

Vor allem aus diesem Grund werden andere Systeme propagiert, darunter auch Systeme, die auf der Zählung von Fettkalorien oder Kohlenhydratkalorien basieren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorschriften für Diabetiker-Lebensmittel aufgehoben.
  2. Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung - DiätV).
  3. DGE: Diabetiker-Lebensmittel sind vom Tisch – Vollwertige Ernährung größeres Plus als teure Produkte In: DGE aktuell 10/2012 vom 4. Dezember 2012, abgerufen 2. Dezember 2014.
  4. VDD DiätVerordnung (PDF-Datei; 33 kB).
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