Bundesrealgymnasium Klagenfurt-Viktring

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BRG Klagenfurt-Viktring
Logo des BRG Klagenfurt-Viktring
Schulform Bundesrealgymnasium
Schulnummer 201076
Gründung 1970 (als Schulversuch)
1977 (als Schule)
Adresse

Stift-Viktring-Straße 25
9073 Viktring

Ort Klagenfurt am Wörthersee
Bundesland Kärnten
Staat Österreich
Koordinaten 46° 35′ 23″ N, 14° 16′ 9″ OKoordinaten: 46° 35′ 23″ N, 14° 16′ 9″ O
Träger Bund
Leitung Gabriele Fenkart
Website www.brg-viktring.at

Das BRG Klagenfurt-Viktring ist das 2. Bundesrealgymnasium in Klagenfurt am Wörthersee und liegt im 13. Klagenfurter Bezirk Viktring.

Die Schule nimmt als „Realgymnasium unter besonderer Berücksichtigung der musischen Bildung“ eine eigens für sie geschaffene Sonderposition im österreichischen Bildungssystem ein. SchülerInnen können zwischen einem Schwerpunkt in der musikalischen Erziehung oder in der Bildnerischen Erziehung (BE) wählen. Außerdem ist auch ein Realzweig vorhanden, welcher wissenschaftliche Themen wie Mathematik, Deutsch, Englisch und Informatik besonders fördert. Früher war dieser Kindern mit Wohnort im 13. Klagenfurter Bezirk vorbehalten, mittlerweile ist er aber allgemein zugänglich. Die Schule wird von ca. 1000 Schülern besucht, von denen ein großer Teil aus dem Kärntner Umland anreist.

Das Schulgebäude ist von einem großen Park umgeben, in dem sich Teiche und viele Baumgruppen befinden. Auf dem Areal befindet sich außerdem die Stiftskirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Viktring sowie die ehemalige Prälatur (d. h. die Residenz des seinerzeitigen Abtes) und der Pfarrkindergarten Viktring.

Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikalischer Zweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den intensiven Musikunterricht, den Instrumentalunterricht und den Chorgesang wird eine fundierte musikalische Ausbildung gewährleistet. Musikunterricht und Instrumentalunterricht sind Pflichtgegenstände, wobei der Instrumentalunterricht nicht an der Schule genommen werden muss, sondern auch am Landeskonservatorium oder an einer Landesmusikschule besucht werden kann.

Die Verteilung der Schulstunden von der 1. bis zur 8. Klasse (entspricht der 5. bis 12. Schulstufe) ist wie folgt:

  • 1. – 2. Klasse: 3 Wochenstunden Musikalische Erziehung, 2 Wochenstunden Chor
  • 3. – 4. Klasse: 4 Wochenstunden Musikalische Erziehung, 2 Wochenstunden Chor
  • 5. – 7. Klasse: 5 Wochenstunden Musikalische Erziehung, 2 Wochenstunden Chor
  • 8. Klasse: 4 Wochenstunden Musikalische Erziehung, 2 Wochenstunden Chor

An der Schule werden folgende Musikinstrumente unterrichtet: Klavier, Cello, Querflöte, Blockflöte, Gitarre, Saxophon, Klarinette und Violine

Um in den musikalischen Zweig aufgenommen zu werden, muss eine Eignungsprüfung abgelegt werden. Rhythmische, melodische, musikalisch-kreative Aufgaben werden bei dieser Prüfung gestellt. Vorkenntnisse im Spielen eines Musikinstrumentes sind nicht Voraussetzung.

Seit 2011 gibt es neben den regulären Musikklassen sogenannte „M-Klassen“, welche in Kooperation mit dem Landeskonservatorium (künftig: Gustav Mahler Privatuniversität) die Schüler spezifisch auf ein Instrumentalstudium/Konzertfachstudium oder eine musikpädagogisches Studium vorbereiten sollen. Die Schüler dieser Klassen können sich gewisse musiktheoretische Teilfächer für ihr Universitätsstudium anrechnen.

Bildnerischer Zweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genaue Bezeichnung dieses Schulzweigs lautet „Realgymnasium unter besonderer Berücksichtigung der bildnerischen Ausbildung“. Dieser Zweig bietet den Schülern eine professionelle bildnerische Ausbildung auf Kosten von naturwissenschaftlichen Fächern wie Physik und Biologie.

Die Verteilung der Schulstunden von der 1. bis zur 8. Klasse (entspricht der 5. bis 12. Schulstufe) ist wie folgt:

  • 1. – 2. Klassen: 5 Wochenstunden Bildnerische Erziehung
  • 3. – 4. Klassen: 6 Wochenstunden Bildnerische Erziehung
  • 5. – 7. Klassen: 7 Wochenstunden Bildnerische Erziehung
  • 8. Klassen: 6 Wochenstunden Bildnerische Erziehung

Auch für diesen Schulzweig ist das Bestehen einer Eignungsprüfung erforderlich. Die praktische Prüfung soll ein Bild von der Fähigkeit des Aufnahmebewerbers zum Anwenden einfacher graphischer und malerischer Techniken ergeben.

Realistischer Zweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der realistische Zweig ist inzwischen nicht mehr nur den Schülern vorbehalten, deren Wohnort im Klagenfurter 13. Bezirk liegt. Hier liegt der Schwerpunkt auf Naturwissenschaften und Informatik. Der Unterricht in den Unterstufenklassen erfolgt nach dem Konzept der integrierten Freiarbeit. Das bedeutet, dass die SchülerInnen für einem Teil der Wochenstunden selbständig mithilfe von Arbeitsplänen lernen. Das dahinterstehende pädagogische Konzept ist Helen Parkhursts Daltonplan,

  • In der 3. Klasse haben die SchülerInnen des realistischen Zweiges statt einer Biologie-Stunde zwei Stunden.
  • In der 4. Klasse gibt es den Kombinationsgegenstand Geometrisch Zeichnen + Informatik.
  • In der 7. Klasse können sich die Schüler zwischen Physik und Biologie oder Darstellende Geometrie als Hauptgegenstand (Schularbeitenfach) entscheiden.

Schwerpunktübergreifende Wahlmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der fünften Klasse können sich die Schüler zwischen den Sprachen Italienisch, Französisch und Latein entscheiden. Seit dem Schuljahr 2001 wird Informatik unter Einbeziehung neuer Medien unterrichtet. Von der dritten bis zur fünften Klasse werden zwei Wochenstunden Informatik unterrichtet.

In der 5. Klasse können sich die Schüler für Wahlpflichtfächer entscheiden, die in der 6., 7. und 8. Klasse unterrichtet werden. Es können alle Fächer, bis auf Turnen, gewählt werden.

Entwicklung der Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der beiden Innenhöfe der Schule
In ein Vorratsgebäude des Klosters eingebauter moderner Keramikraum

Nach der Auflösung des Zisterzienerklosters Viktring durch Joseph II. 1786 errichteten die Gebrüder Christof und Johann Moro in den weitläufigen Gebäuden eine Tuchfabrik. Das Unternehmen war sehr erfolgreich, sodass die Inhaberfamilie in den Adelsstand erhoben wurde. Im 19. Jahrhundert betätigten die Moros sich als Mäzene und scharten dadurch eine Viktringer Künstlerkreis genannte, lose Gruppe von Kulturschaffenden um sich. Zu dieser Gruppe gehörten unter anderem die Maler Markus Pernhart und Josef Willroider, aber auch der Komponist Thomas Koschat, der als Sohn eines Arbeiters der Tuchfabrik in Viktring geboren wurde. 1967 ging das Unternehmen schließlich in Konkurs. Die Republik Österreich erwarb die Anlage 1970, doch gelang es mehrere Jahre lang nicht, eine zufriedenstellende Nutzung für die denkmalgeschützten Bauten zu finden.[1] In den Sommern der Jahre 1972 und 1973 fand das von Friedrich Gulda begründete Musikforum in dem Gebäude statt, wurde dann aber bis zur Neugründung 1987 eingestellt.

Während dieser Jahre herrschte Raumnot in den Klagenfurter Schulen, sodass 1976 bei einer Besprechung zwischen Vertretern des Landesschulrats, des Unterrichtsministeriums und der Bundesgebäudeverwaltung der Gedanke aufkam, sogenannte dislozierte (d. h. aus Raumnot nicht mehr in im eigentlichen Schulgebäude untergebrachte) Klassen im Stiftsgebäude zu sammeln. Unter diesen dislozierten Klassen waren solche eines Schulversuches, der seit 1970 als „Realgymnasium für Studierende der Musik“ unter der Leitung von Rudolf Scherzer am damaligen Bundesgymnasium 2 (dem heutigen Europagymnasium Klagenfurt) stattgefunden hatte. Im Rahmen dieses Schulversuchs wurden musikbegabte Kinder in eigenen Klassen zusammengefasst, das Erlernen eines Instruments am Kärntner Landeskonservatorium wurde verpflichtend und die Anzahl der Unterrichtsstunden in Musik ausgeweitet. SchülerInnen, die ein Instrument lernten, waren nicht mehr als „Streber“ verschrien, die geteilten Interessen sorgten für ein kameradschaftlicheres Verhältnis der SchülerInnen zueinander und ein insgesamt besseres Arbeitsklima in den Klassen. Dies machte sich auch durch allgemein bessere Durchschnittsnoten der Musikklassen im Vergleich zu regulären Gymnasialklassen bemerkbar. Somit lagen die Anmeldezahlen für die Musikklassen, die mangels anderer Räumlichkeiten in der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt untergebracht waren, jedes Jahr deutlich über deren Kapazität. 1976 wurde der vormalige Schulversuch als „Realgymnasium unter besonderer Berücksichtigung der musischen Bildung“ eine offiziell anerkannte Sonderform im österreichischen Bildungssystem. Der Landeschulinspektor Alfred Scherbantin regte an, diese Klassen gemeinsam in Viktring unterzubringen. Mit Unterstützung durch Landeshauptmann Leopold Wagner war es möglich, binnen einen Jahres im Stiftsgebäude Räumlichkeiten für 10 Klassen zu adaptieren, sodass mit Herbst 1977 der Schulbetrieb beginnen konnte.[2]

Entsprechend dem Begriff „musisch“ sollte neben der Musik auch die bildende Kunst einen Schwerpunkt der Schule bilden, sodass 1977 auch Klassen mit einen Schwerpunkt in bildnerischer Erziehung eingerichtet wurden. Um dem lokalen Bedarf nach einer allgemeinbildenden höheren Schule abzudecken wurden auch eigene Klassen mit dem Stundenplan eines regulären Realgymnasiums eingerichtet. So entstanden die drei bis heute existierenden Schwerpunkte der Schule. Da das Landeskonservatorium mit der schnell wachsenden Zahl Viktringer SchülerInnen personell bald überlastet war, wurden in Viktring schulintern Lehrer für den Instrumentalunterricht bereitgestellt. 1980 wurde das BRG Viktring, das bis dahin als eine Expositur des heutigen Europagymnasiums geführt worden war, eine eigenständige Schule mit Rudolf Scherzer als Direktor. Trotz verpflichtender Aufnahmeprüfungen stiegen die Schülerzahlen schnell an: 1977/78 waren 10 Klassen mit 182 SchülernInnen nach Viktring gezogen, seit 1985/86 wurden immer zumindest 900 SchülerInnen in 32 Klassen unterrichtet.[3] Zahlreiche Ausstellungen von SchülerInnen des Bildnerischen Zweiges, Konzerte von Schülern der der Musikklassen und internationale Auftritte des Schulchores Juventus Musica bis hin nach Duschanbe trugen zum guten Ruf der Schule bei. Der internationale Austausch und das Viktringer pädagogische Konzept wurden 1991 mit dem Europtimus-Preis des Europäischen Erzieherbundes ausgezeichnet.[4]

Parallel zum Wachstum der Schule fanden kontinuierlich Renovierungs- und Adaptierungsarbeiten am Klostergebäude statt, welche 1999 mit einer nochmaligen, feierlichen Eröffnung der Schule zum Abschluss kamen. Seit 1987 findet auch das Musikforum Viktring wieder jährlich statt und etablierte sich im Lauf der jahre zu «einem der hochwertigsten und interessantesten Festivals, das Österreich im Sommer zu bieten hat».[5] 2017 feierte die Schule ihr 40-jähriges Bestehen in Viktring.[6]

Schulleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1980–1996: Rudolf Scherzer
  • 1996–2013: Helmut Findenig
  • Seit 2013: Gabriele Fenkart

Schulbibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schulbibliothek wurde 1990 gegründet und übersiedelte 1992 in die heutigen zweigeschossigen Räumlichkeiten. Die Bibliothek verfügt über ca. 8500 Medien (Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs). Seit dem Schuljahr 2016/17 ist die Bestandsdatenbank auch online zu finden. Die Bibliothek versteht sich nicht nur als ein Lehr- und Informationsbereich, sondern auch als ein Ort für Veranstaltungen, als Lese- und als Freizeitzentrum.[7]

Rosenball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alljährliche Maturaball des BRG Viktring ist der Klagenfurter Rosenball. Er findet seit 1977 immer am Rosenmontag statt. Seit 2004 übernimmt „GC – Gösseringer. Agentur für kreative Kommunikation.“ (ehem. The ECS Company) das Licht- und Tondesign, die Technik, die Eventorganisation, das Gastroconsulting, die Bewerbung und das Marketing. Bis zum Jahr 2006 fand der Rosenball im Konzerthaus Klagenfurt statt, seit 2007 wird er in der Messehalle 5 in Klagenfurt abgehalten. Die Veranstaltung wird häufig als größter oder schönster Schulball Kärntens bezeichnet.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marlies Findenig: Erweiterung des Bundesrealgymnasiums Klagenfurt-Viktring, ehemalige Zisterzienserabtei Viktring. Diplomarbeit. Wien 22. Oktober 2017, urn:nbn:at:at-ubtuw:1-104359 (tuwien.ac.at [PDF; 32,8 MB; abgerufen am 21. Juni 2020]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellenangabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Scherzer: Die Bedeutung des Stiftes Viktring als Kulturstätte der Gegenwart - 15 Jahre Bundesrealgymnasium Klagenfurt-Viktring. In: Festausschuß 850 Jahre Stift Viktring (Hrsg.): Stift Viktring 1142 - 1992. Universitätsdruckerei, Klagenfurt 1992, S. 131 f.
  2. Rudolf Scherzer: Die Bedeutung des Stiftes Viktring als Kulturstätte der Gegenwart - 15 Jahre Bundesrealgymnasium Klagenfurt-Viktring. In: Festausschuß 850 Jahre Stift Viktring (Hrsg.): Stift Viktring 1142 - 1992. Universitätsdruckerei, Klagenfurt 1992, S. 133 f.
  3. Rudolf Scherzer: Die Bedeutung des Stiftes Viktring als Kulturstätte der Gegenwart - 15 Jahre Bundesrealgymnasium Klagenfurt-Viktring. In: Festausschuß 850 Jahre Stift Viktring (Hrsg.): Stift Viktring 1142 - 1992. Universitätsdruckerei, Klagenfurt 1992, S. 136.
  4. Rudolf Scherzer: Die Bedeutung des Stiftes Viktring als Kulturstätte der Gegenwart - 15 Jahre Bundesrealgymnasium Klagenfurt-Viktring. In: Festausschuß 850 Jahre Stift Viktring (Hrsg.): Stift Viktring 1142 – 1992. Universitätsdruckerei, Klagenfurt 1992, S. 138.
  5. Ilse Schneider: Überregionales Format. Musikforum Viktring/Klagenfurt. In: Österreichische Musikzeitschrift. 63, Heft 10. Hollitzer, Wien Oktober 2008, S. 64 f.
  6. Jubiläum: 40 Jahre Gymnasium Viktring. In: kaernten.orf.at. 9. Juli 2017, abgerufen am 21. Juni 2020.
  7. Schulbibliotheken: Multimediale Orte des Wissens. In: kleinezeitung.at. 12. Februar 2020, abgerufen am 21. Juni 2020 (Abo).
  8. Alexander Graimann: Rosenball 2019: Maturaball des BRG Klagenfurt-Viktring in der Messe Klagenfurt. In: meinbezirk.at. 22. Februar 2019, abgerufen am 21. Juni 2020.