Burg Antonia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Burg Antonia nördlich des Tempelplatzes

Die Burg Antonia ist eine antike Festung in Jerusalem, die von Flavius Josephus eingehend beschrieben worden ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Antonia befand sich an einer für die Verteidigung Jerusalems entscheidenden Stelle, da fast alle Angriffe auf Jerusalem von Norden her kamen. Außerdem ließ sich von der Antonia aus das Geschehen auf dem Tempelplatz kontrollieren.

Bereits in der Zeit des ersten Tempels entstand hier eine Festung, der so genannte Haenaelturm. Nach dem Exil erfolgte unter Nehemia ein Neuaufbau von Stadt und Tempel, in dessen Verlauf auch die inzwischen zerstörte Festung wieder aufgebaut wurde. Im Jahre 167 v. Chr. wurde die Festung durch die Seleukiden zerstört, an gleicher Stelle aber wieder eine neue Festung errichtet. Diese hieß fortan Baris („Burg“). Herodes der Große baute sie zu einer prächtigen Palastfestung aus, in der er bis 23 v. Chr. residierte, bevor er in den neuen Königspalast auf dem Westhügel umzog. Zu Ehren seines Gönners Antonius nannte er die Festung von nun an Burg Antonia. Nach dem Tod des Herodes wurde dort eine Kohorte der X. Legion stationiert. Im Jahr 66 wurde sie während des jüdischen Krieges von Zeloten in Brand gesteckt. Bei der Eroberung der Stadt im Jahr 70 wurde sie von Titus völlig eingeebnet.

Lage und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell der Burg Antonia – Holyland-Modell, seit 2006 im Israel Museum zu besichtigen

Die Burg Antonia erhob sich auf einem 25 Meter hohen Felsplateau von 150 × 90 Metern. Vier wuchtige Türme verstärkten die Ecken. Jeder von ihnen war 25 Meter hoch, der Südostturm sogar 35 Meter. Nach außen hin war die Burg Antonia eine starke Festung, nach innen hin ein Palast mit Repräsentations- und Wohnräumen, Bädern, Kaserne und Arsenalen.

Christliche Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die christliche Tradition sieht in der Burg Antonia den Ort, an dem Jesus Christus durch Pontius Pilatus zum Tode verurteilt worden sein soll. Ob das Urteil tatsächlich in der Burg Antonia gefällt wurde, ist fraglich. Der Begriff Prätorium (Joh 18,28 EU) dürfte sich wohl eher auf den ehemaligen Königspalast auf dem Westhügel beziehen. Angesichts des Passahfestes und des befürchteten Aufruhrs in Jerusalem besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass Pilatus Verhör und Verurteilung in der stark befestigten Burg Antonia durchführte.

Nachdem über 1100 Jahre dieser Ort nicht mit dem Prozess Jesu in Verbindung gebracht wurde, geschah dies erstmals bei Theodericus, der 1172, den Angaben bei Josephus folgend, die Antonia richtig lokalisierte.[1] Ein anonymer Autor identifizierte um 1180 die Antonia mit dem Amtssitz des Pilatus. In der Kreuzfahrerzeit entstand ein Gedächtnisort (ein kleiner Kuppelbau), die „Kapelle der Ruhe“, die Ernoul so erklärte: „Dort, sagt man, habe Christus gerastet, als man ihn zur Kreuzigung führte...“[1] Darum begann hier der Kreuzweg (Via Dolorosa) der Kreuzfahrer, welche über den Tempelberg zur Grabeskirche führte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Antonia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 31° 46′ 48,3″ N, 35° 14′ 2,1″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Max Küchler: Jerusalem. S. 357.