Burgruine Federaun
| Burgruine Federaun | ||
|---|---|---|
| Staat | Österreich | |
| Ort | Villach | |
| Burgentyp | Höhenburg | |
| Erhaltungszustand | Ruine | |
| Geographische Lage | 46° 34′ N, 13° 49′ O | |
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Die Burgruine Federaun liegt südwestlich von Villach auf einem Westausläufer der Graschelitzen mit steilen Felsabbrüchen.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ehemalige bambergische Befestigung befindet sich direkt oberhalb der historisch wichtigen Fernverkehrsstraße Villach–Tarvis, die unterhalb des Burgfelsens die Gail überquert. Zur Festung gehört auch ein Brücken-Wachturm, Thurnegg genannt, auf einem Felsen über dem Fluss, der zur Sperre der Straße diente und später zum Wohnturm ausgebaut wurde (Lage). Der urkundlich zweite erwähnte Turm bei Federaun konnte nicht lokalisiert werden. Die Burg ist sowohl von Osten aus über Warmbad/Graschelitzen durch einen teilweise steinigen und steilen Pfad erreichbar, als auch von Westen von Oberfederaun. Die Burg Federaun gehörte im Hochmittelalter zu den mächtigsten Festungen des Bistums Bamberg in Oberkärnten und mit einer geschätzten Grundfläche von etwa 5000 m² zu den großen Burgen in Kärnten. Die Festung schützte das Villacher Becken Richtung Italien und Gailtal.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die älteste urkundliche Erwähnung von Federaun stammt aus dem Jahr 1160. Am 14. Februar 1160 verlieh Kaiser Friedrich I im Feldlager von Pavia dem Bischof Eberhard II von Bamberg Federaun mit der Erlaubnis die Festung zur Sicherung der Reichsstraße und der Brücke über die Gail zu errichten.
Bischof Hermann II urkundete 1174, 1176 und 1177 auf Burg Federaun. Zeugen dieser Urkunden sind eine Reihe Ministerialen und Ritter, die zur Burgmannschaft gehörten oder mit der Verwaltung der Türme betraut waren, darunter der bambergische Ministeriale Cholo I von Ras und Gerbertus von Federaun, außerdem Bernardus, Bruder des Gerbertus.
Im Dezember des Jahres 1212 weilte Bischof Eckbert auf Federaun, wo er eine Schenkung der Ritter Sigfrid und Amelrich von Federaun an das Kloster Arnoldstein beurkundet. Im selben Jahr machte Wisla, die Witwe Rudolfs I von Federaun (Ras) eine Stiftung an die Pfarrkirche St. Katharina zu Ossiach.
Der Bamberger Bischof Eckbert von Andechs-Meranien und Herzog Bernhard von Spanheim gerieten 1232 in Streit. Im Frühjahr 1233 erfolgte die Belagerung und Zerstörung der Burg Federaun durch Heinrich von Findenkstein-Ras, der auf Seiten des Herzogs stand. Im Zuge dieses Konflikts geriet Bischof Eckbert durch „List“ in Gefangenschaft und wurde von Heinrich von Finkenstein und seinen Verbündeten auf seiner eigenen Burg gefangen gehalten.
Im Jahr 1253 bezeichneten die Brüder Rudolf III von Ras (aus Rosegg im Rosental, siehe auch Herren von Ras), Reimbert von Glanegg und Cholo von Leunburg (Wasserleonburg) die Burg Federaun als ihr Eigentum. Ab 1253, vielleicht schon davor, wird die Burg von Rudolf III von Ras widerrechtlich besetzt gehalten. Im Jahr 1255 gelang es Bischof Heinrich I den Ritter gefangen zu setzen. Daraufhin musste Rudolf III von Ras Urfehde schwören und auf die Burg, die Türme, den Hof bei der Brücke und den Geleitschutz verzichten. Da Rudolf von Ras auch auf das „Geleit“ verzichten muss, ist davon auszugehen, dass er den Reisenden unfreiwilligen Begleitschutz gegen Entgelt angedeihen ließ. Diese und andere Geldleistungen, die der Ritter, vermutlich gegen den Willen des Hochstifts Bamberg von Reisenden und der Villacher Bevölkerung einhob, begründeten die Volkssagen über den „Raubritter“ Rudolf von Ras. Er erscheint in den betreffenden Urkunden keineswegs als Verbrecher, sondern als hochgestellter Adeliger mit ausgezeichneten Verbindungen zum Hause Spanheim und dem Kärntner Hochadel. Rudolf von Ras III schwor Bischof Heinrich I den Treueeid und wurde Hauptmann von Villach. 1278 wurden „Hofstätten“ zurückerstellt, die Rudolf IV von seinem Großvater her (vermutlich Rudolf I), auf dem Federauner Burgberg besessen hatte. Rudolf IV musste aber erneut auf Ansprüche an der Burg Federaun verzichten. Offenbar war es Bamberg wichtig, dass dieser Verzicht endgültig war, den Rudolf IV erhält ein Lehen zu Villach als Entschädigung.
Bischof Wulfing verpfändete 1311 mehrere bambergische Herrschaften in Kärnten – darunter Federaun – für 15 Jahre an König Heinrich VII. von Böhmen und Polen für 5000 Mark Silber. Im Jahr 1335 erfolgte eine Verpfändung der Feste Federaun samt den Ämtern Symbichl (Tschinowitsch), Weinzuerle und Reynuczenampt an den Wolfsberger Bürger Otto dem Würe. Im Jahr 1339 löste Graf Ulrich von Pfannberg das Pfand auf Federaun ab. Das Erdbeben von 1348 führte zu großen Schäden an der Burg. Sie wurde kurz darauf wieder aufgebaut und an bambergische Beamte vergeben bzw. als Pfand verliehen. Heinrich von Weißbriach, Burggraf von Federaun, verbaute 1350 50 Mark auf der Burg.
Im Jahr 1383 wurden Bambergische Besitzungen unter königlichen Schutz gestellt, darunter… "in Kernden uff Fedraunn mit den zweyen turnen, dy uff der Geyle liegend…
Bereits 1255 wurden Türme unter Federaun erwähnt. Heinrich Putigler erhielt 1333 vom Hochstift Bamberg ein Burglehen um 10 Mark jährliche Gült verliehen auf Lebenszeit. Im Falle seines Todes sollte "das Burglehen mit sampt dem turn pey Vedrawn", den er auch zu seinem Burglehen hat, an den Bischof zurück fallen. Im Jahr 1353 erbaute Ebringer zu den Thuren den Turm "Thurnegg" und Berthold von Dietrichstein den "Turm bei der Brücke". Diese Türme wurden als Burggesesse verliehen. Heute ist lediglich "Thurnegg" erhalten.
Hans I Khevenhüller erlangte 1416 die Burghut und Pflege über Federaun, zunächst für vier Jahre. Im Gegenzug verpflichtete er sich 500 ungarischer Gulden in das Schloss zu verbauen. Hans I. war in zweiter Ehe mit der Tochter des Ebringer zu den Thuren in Federaun verheiratet. Deren Schwester Gertrud war Ehefrau des Nikel Zamerake (Zamarathe), der 1399 das Burggesess des Ebringer (Thurnegg) unter Federaun innehatte. Getrud Zamarathin verkaufte 1420 ihrem „lieben Schwager“ Hans Khevenhüller das Burgesess. Hans II. Khevenhüller folgte 1429 offiziell seinem Vater in diesem Amt nach. Er lieh dem Hochstift die beträchtliche Summe von 4000 ungarischen Gulden, wovon 2000 auf Federaun verbaut werden sollten. In dieser Zeit wurde die Burg vermutlich ausgebaut. Unter Hans III. von Khevenhüller kam es zu Unstimmigkeiten bezüglich der Pflege. Dem Bistum gelang eine Auszahlung der Familie Khevenhüller. Hans III. wurde 1456 von seiner Pflicht als Burggraf entbunden. Gandolf von Khünburg folgte zwischen 1467 und 1492 als Pfleger nach.
Ende des 15. Jahrhunderts gewann die Festung Federaun erneut an Bedeutung und wurde um 1476 weiter ausgebaut. Im Jahr 1511 kam es zum Konflikt zwischen Kaiser Maximilian I. und der Republik Venedig. Der Pfleger von Federaun und dem Kanaltal erhielt den Auftrag, eine Mannschaft mit einem Unterhauptmann aufzustellen und die Klause bei Malborghet zu sichern. Im Jahr 1556 wurde Federaun von Bamberg noch als wichtige Festung angesehen. Es wurden bauliche Verbesserungen vorgeschlagen und teilweise ausgeführt.
Der Verfall der Burg Federaun dürfte dennoch schon vor dem 17. Jahrhundert eingesetzt haben. Bereits um 1680 wurde Federaun in der Khevenhüller-Chronik als Ruine dargestellt.
Burganlage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von der Hauptburg mit östlich vorgelagertem mächtigen Vorwerk sind nur mehr geringe Reste erhalten. Die Hauptburg aus dem späten 12. Jahrhundert befindet sich am westlichen Teil des Höhenrückens. Die Burganlage wurde später immer wieder nach Osten und Westen erweitert. Das Ergebnis dieser Anbauten ist eine ungewöhnlich große Anlage. Die Burganlage des 12 bis 13. Jahrhunderts bestand aus der Kernburg am westlichen Teil des Gipfelplateaus und einem östlich vorgelagerten Turm. Dieser war mit einer Ringmauer mit der Kernburg verbunden, sodass ein größerer Burghof entstand, der die obere Vorburg bildete. Heute stehen an dieser Stelle die Reste eines dreigeschossiger Schalenturms aus dem 14. Jahrhundert.
Die romanische Kernburg ist ein unregelmäßiges Quadrat von ca. 26 × 26 m Länge. Sie umschließt einen Innenhof mit Randverbauung. Das Mauerwerk im Norden und Westen der Ringmauer ist noch in beträchtlicher Höhe erhalten und aus Kalkbruchsteinen in deutlichen Einzellagen gemauert. In der Nordostecke ist ein Bergfried anzunehmen. Von diesem Turm sind nur mehr Fundamente vorhanden. Die heute sichtbaren Mauerreste mit dem noch erhaltenen Tonnengewölbe stammen vermutlich aus dem 19. Jahrhundert. Von den Wohngebäuden haben sich nur sehr geringe Mauerreste erhalten. Bemerkenswert ist aber die schön gemauerte konische Zisterne im Burghof.
Die ehemalige Burgkapelle, von der heute keine Überreste mehr sichtbar sind, war den Heiligen Heinrich und Kunigunde geweiht. Sie gehörte ursprünglich zur Pfarre St. Martin bei Villach.
Die ausgedehnte, östlich vorgelagerte, untere Vorburg wurde vermutlich im 14. Jahrhundert errichtet. Der Zugang zur Burg erfolgte über eine Zugbrücke über den mächtigen Halsgraben. Die Toranlagen sind nicht erhalten. Sie befanden sich vermutlich an der Stelle des heutigen Eingangs zur Burg. Ein heute noch sichtbarer Gebäuderest nordwestlich des Zugangs dürfte der Neuzeit zuzuordnen sein.
Im Nordwesten der Burg befindet sich ein weiteres Vorwerk mit zumindest zwei Türmen, von denen einer und einige wenige Mauerreste noch erhalten sind.
Schrotturm und Gartenanlage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Südost-Ecke der unteren Vorburg errichtete Villacher Kaufmann und Industriellen Anton Lorenz Moritsch 1861einen Schrotturm. Den Rest der Burg verwandelte der Industrielle in einen romantischen Lustgarten. Es wurden Gartenbeete, ein Pavillon, sowie eine romantische Grotte errichtet, sowie Bäume gepflanzt. Die Gartenanlagen waren ein beliebtes Ausflugsziel. Bereits acht Jahre später veräußerte Moritsch das Gelände samt Fabrik an die Bleiberger Bergwerksunion. Diese stellte in den Jahren 1886/87 die Bleiproduktion ein und ließ die Gebäude – bis auf einige unbedeutende Überreste – 1889 abtragen. Im Jahr 1905 ging die Ruine in den Besitz der Familien Neuscheller, Teppner und Feldner über. Später gelangte sie in den Besitz der Österreichischen Bundesforste und gehört heute zum Naturpark Dobratsch. Das Turmwärterhaus blieb noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bewohnt.
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Panorama Hauptburg August 2023
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Mauerwerk aus Hauptburg
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Mauerwerk in der ersten Vorburg
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Gewölbe
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Blick von der Burg auf den Verschiebebahnhof Fürnitz
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hugo Henckel-Donnersmarck: Burgen und Schlösser in Kärnten. Leon, Klagenfurt 1964. (2 Bände)
- Franz Xaver Kohla, Gustav Adolf von Metnitz, Gotbert Moro: Kärntner Burgenkunde Erster Teil – Kärntens Burgen, Schlösser Ansitze und wehrhafte Stätten Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
- Gerhard Stenzel: Von Burg zu Burg in Österreich. Kremayr & Scheriau, Wien 1973, ISBN 3-218-00229-X.
- Georg Clam Martinic: Österreichisches Burgenlexikon. Burgen und Ruinen, Ansitze, Schlösser und Palais. 2. Auflage. Landesverlag, Linz 1992, ISBN 3-85214-559-7.
- Michael Leischner, Alois Brandstetter: Burgen und Schlösser in Kärnten. Carinthia, Klagenfurt 2000, ISBN 3-85378-520-4.
- Hermann Wiessner, Margareta Vyoral-Tschapka: Burgen und Schlösser in Kärnten – Hermagor, Spittal/Drau, Villach. 2. erweiterte Auflage. Birken-Verlag, Wien 1986.
- Friedrich W. Leitner, Kärnten und Bamberg – eine bilaterale Landesgeschichte, Klagenfurt, 2024, ISBN 978-3-85454-172-1.
- Monumenta historica Ducatus Carinthiae. Bdd. 3 u. 4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Beschreibung der Burg Federaun auf Martin Aigners Burgenseite

