Calisthenics

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Calisthenics-Übung: Die menschliche Flagge


Calisthenics (griechisch: καλός, kalos „schön“, „gut“ und σθένος, sthenos „Kraft“) ist ein international gebräuchlicher Kulturbegriff, welcher Eigengewichtsübungen integriert. Dreh- und Angelpunkt der Szene sind sogenannte Calisthenics-Parks. Diese umfassen in der Regel Stangen verschiedener Höhe und Position, welche Barren und Reck nachempfunden sind. Calisthenics umfassen das Repertoire des klassischen Geräteturnens und diverse akrobatische Übungen. Externe Gewichte und Zubehör werden selten verwendet.[1][2]

Gegenüber dem klassischen Krafttraining mit isolierten Übungen liegt der Schwerpunkt auf der intermuskulären Koordination. So kooperieren bei Übungen wie der „menschlichen Flagge“ verschiedene Muskelgruppen, um das Gleichgewicht zu halten. Die Stabilität des Körpers verbessert sich.[3]

Trainingsmethoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kniebeugenübung erfordert wenig Platz und keine Ausrüstung.[4]

Mit Ausnahme von Gewichtswesten werden kaum zusätzliche Gewichte verwendet. Das bei den Übungen bewegte Gewicht ist weitestgehend konstant. Um eine progressive Mehrbelastung zu gewährleisten, erschwert man beim Calisthenics das Training durch die Veränderung des Hebelarmes, Übergang zu schwierigeren Übungen (z. B. vom Klimmzug zum einarmigen Klimmzug), explosive Übungsausführung oder Supersätze. Optional können Widerstandsbänder verwendet werden.[5]

Gebräuchliche Übungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinschaftliches Calisthenics[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Körpergewichtsübungen mit einem Partner bzw. allgemein Partnerübungen führen zwei oder mehr Teilnehmer Übungen gemeinsam aus und verwenden sich gleichsam gegenseitig als "Sportgerät". Beispiele:

  • Kniebeuge, springen oder hüpfen, mit geschultertem Partner
  • Knie heben mit jemandem auf Ihrem Knie
  • Tauziehen
  • Crunches, Beine um Hüfte des stehenden Partner geschlungen

Ein Nachteil liegt in der schwierigeren Bestimmung des Kraftaufwands im Vergleich zur Verwendung von freien Gewichten oder Maschinen. Dafür kann auf gängiges Equipment und Fitnessstudios verzichtet werden und das Training wird räumlich flexibel.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roper's Fitnessstudio, Philadelphia, zirka 1831

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden bis dahin verwendete Eigengewichtübungen abgewandelt und mit Elementen aus anderen Sportarten kombiniert. Ausgangspunkt war New York. In den dortigen öffentlichen Sportparks konnten die Menschen auch außerhalb von Fitnessstudios trainieren. Die Sport- oder Workout-Parks halten häufig verschiedene Klimmzugstangen, Barren und Hangelstrecken vor, an welchen mit dem eigenen Körpergewicht trainiert wird. Verschiedene Gruppen entwickelten ihren eigenen Stil, indem sie die klassischen Calisthenics mit Übungen aus dem Turnen, Breakdance und Freerunning kombinierten und sich neue Bewegungen ausdachten.[10] Diese Gruppen stellten Videos der neuartigen Form von Calisthenics ins Internet und lösten damit eine neue Mode aus, unter anderem auch speziell in Osteuropa.

2011 fand die erste Weltmeisterschaft für Calisthenics bzw. Street Workout in Riga statt. Ausrichter ist die WSWCF (World Street Workout and Calisthenics Federation). Die Weltmeisterschaft wird seitdem jährlich wiederholt.[11] Zu den bekanntesten Vertretern der modernen Calisthenics gehören unter anderem die Gruppen Bartendaz, Baristi, Barstarzz, Bar-Barians und Street Workout Ukraine und Einzelpersonen wie unter anderem Hannibal for King und Frank Medrano.

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Calisthenics praktizierende Gruppen formten den Begriff „Street Workout“ oder auch „Ghetto Fitness“. Darüber hinaus wird auch der Begriff „Body Weight Exercises“ (deutsch Eigengewichtübung) für die Umschreibung der Calisthenics benutzt. Diese Begriffe bezeichnen Kombinationen von ursprünglichen Calisthenics mit anderen Elementen.

Calisthenics in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Calisthenics ist in Deutschland nicht sehr verbreitet. Die im Rahmen des Sportunterrichtes an Schulen benutzten Übungen werden weiterhin „Körpergewichtsübungen“ oder „Spannungsübungen“ genannt.

Im Gegensatz zu anderen Ländern besaß Deutschland lange Zeit keine Trainingsparks im Freien. Seit 2011 entstanden dennoch in einigen Städten in Deutschland sowie in der Schweiz Mannschaften für diese Sportart.[12] Am 20. Juli 2013 wurde von Baristi Workout und der WSWCF in Offenburg der erste „Street Workout World Cup Deutschland“ organisiert, bei dem sich mehrere Sportler für das World-Cup-Finale in Moskau qualifizierten.[13] 2013 veröffentlichte das Magazin Fit for Fun einen der ersten Beiträge über Calisthenics in Deutschland.[14] Durch eine am 30. August 2013 ausgestrahlte Reportage bei Galileo wurde der Sport auch dem deutschen Fernsehpublikum vorgestellt.[15]

Seit einigen Jahren steigt auch in Deutschland die Verfügbarkeit sogenannter Calisthenics Parks.[16] Diese Fitness-Geräte im Freien finden sich meist an einem zentralen Platz im urbanen Raum und bieten Trainingsgeräte für Calisthenics-Sportler. Ähnlich einem zentralisierten Trimm-Dich-Pfad befinden sich dort im Wesentlichen funktionelle und vielfach einsetzbare Krafttrainingstationen an einem Platz. Neben Klimmzugstangen (Reckstangen), Parallelbarren, Sprossenwänden und Hangelstrecken finden sich hier häufig horizontale und vertikale Leitern sowie Abwandlungen davon. Die Ausstattung ist in den meisten anderen Ländern jedoch schon fortgeschrittener. Auch die Anzahl der Parks ist bislang recht gering, so gibt es in ganz Deutschland nur rund 785 Parks.[17]

Deutscher Calisthenics und Streetlifting Verband e.V. (DCSV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2019 wurde von sieben Calisthenics-Athleten und Athletinnen der erste und zurzeit einzige Sportverband unter dem Namen Deutscher Calisthenics und Streetlifting Verband e.V. (DCSV) gegründet. Dieser ist der Dachverband aller in der Bundesrepublik Deutschland im Calisthenics- und Streetlifting-Sport organisierten Vereine, informellen Gruppierungen, Organisationen, Initiativen sowie Funktionären und Akteuren.

Der Verband hat sich als grundsätzliches Ziel die Förderung, Verbreitung und Professionalisierung des Calisthenics und Streetlifting Sports unter dem Aspekt der Gemeinnützigkeit in Deutschland angenommen.[18]

Weitere Ziele gemäß der Satzung und des Leitbilds des Verbands lauten wie folgt:

  • Förderung und Verbreitung des Sports
  • Mitgestaltung und Bündelung von Ressourcen
  • Beratung und Aufklärung
  • Vernetzung der Community
  • Stärkung der Calisthenics-Szene auf lokaler Ebene
  • Qualitative Wettkämpfe für Amateure und Profis
  • Mehr Calisthenics Parks in Deutschland
  • Förderung von Bewegung, Gesundheit und Integration
  • Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung
  • Nachwuchsförderung
  • Zugang zu Calisthenics für Jeden
  • Erhaltung der subkulturellen Bewegung Calisthenics und seinen Werten[19]

Zurzeit vereint der Verband die Interessen von über 600 Personen, die entweder direkt Mitglied im Verband sind oder einem der zehn Mitgliedsvereine des Verbands angehören.[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Calisthenics Workout – Das Portal für Calisthenics. In: Calisthenics-Workout.de. Abgerufen am 26. Dezember 2019.
  2. Wade, Paul: Power Calisthenics - Das Bodyweighttraining für maximale Muskelkraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit mit über 100 Übungen. riva Verlag, 2018, ISBN 978-3-7423-0512-1.
  3. Calisthenics. In: TK.de (Techniker Krankenkasse). Abgerufen am 26. Dezember 2019.
  4. Stryker, Krista, 'Squats for a strong lower body' in The 12-Minute Athlete, New York: Tiller Press, 2020, p.43
  5. Monique König; Staenge Leon: Calisthenics X Mobility - Stark Beweglich Schmerzfrei. Meyer & Meyer Sport, 2019, ISBN 978-3-8403-7639-9.
  6. Dips - Tutorial & Tipps | Übungen auf Calisthenics Workout. In: Calisthenics-Workout.de. 30. November 2013, abgerufen am 26. Dezember 2019.
  7. Ludwig v. Geiger: Gesundheitstraining. 2. Auflage. BLV Verlagsgesellschaft mbh, München Wien Zürich 2003, ISBN 3-405-15712-9, S. 73.
  8. Wiktor Diamant: Meistere die einbeinige Kniebeuge / Pistol Squat. In: func-fit.de. 25. Februar 2016, abgerufen am 26. Dezember 2019.
  9. Kraemer, W.J. & Fleck S.J., 'Partner exercises' in Strength Training for Young Athletes, Leeds: Human Kinetics, pp. 83–86
  10. Lisa Gutknecht, Heike Schönegge: Calistenics: die besten Übungen für den Einstieg. In: fitforfun.de. 2. April 2019, abgerufen am 26. Dezember 2019.
  11. About. In: WSWCF.org. Abgerufen am 13. November 2017.
  12. Verzeichnis für deutsche Calisthenics Gruppen
  13. Offizielle Ergebnisse Street Workout World Cup Deutschland 2013
  14. Calisthenics vorgestellt
  15. Galileo Reportage: „Calisthenics – Street Workout“
  16. Liste mit Spots in Deutschland. Abgerufen am 13. November 2017.
  17. Calisthenics Parks - Street Workout Spots Map - Home of the bars. Abgerufen am 22. Juli 2018.
  18. Deutscher Calisthenics und Streetlifting Verband - DCSV: Satzung. (PDF) In: dcs-verband.de. 12. April 2019, abgerufen am 16. November 2019.
  19. Deutscher Calisthenics und Streetlifting Verband - DCSV: Leitbild des Deutschen Calisthenics und Streetlifting Verbands (DCSV). In: dcs-verband.de. Abgerufen am 16. November 2019.
  20. Deutscher Calisthenics und Streetlifting Verband - DCSV: Deutscher Calisthenics und Streetlifting Verband - DCSV. In: dcs-verband.de. Abgerufen am 16. November 2019.