Campen (Krummhörn)

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Koordinaten: 53° 24′ 2″ N, 7° 3′ 5″ O

Campen
Gemeinde Krummhörn
Wappen von Campen
Höhe: 1 (0–1) m
Fläche: 6,06 km²
Einwohner: 474 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 26736
Vorwahl: 04927
Karte

Karte der Krummhörn

Campen ist eine Ortschaft der Gemeinde Krummhörn im Landkreis Aurich in Ostfriesland. Die Einwohnerzahl beträgt 536 (Stand: 31. Dezember 2006).

Lage und Gebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Campen ist eine Haufensiedlung. Sie liegt etwa zwölf Kilometer nordwestlich von Emden. Der Ort entstand in einem Kalkmarschgebiet auf einer Höhen zwischen 0,3 und bis 0,6 m ü. NHN. Insgesamt bedeckt die Gemarkung eine Fläche von 6,06 Quadratkilometern.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Campen wird erstmals im 10. Jahrhundert als in Campe maiori. Im 10. und 11. Jahrhundert war die Bezeichnung in Campun geläufig. Spätere Namensvarianten waren in maiori Compum (1395) und Kampen (1424). Der Ortsname ist der Dativ-Plural des altfriesischen Begriffs kamp oder komp (=Feld). Er bedeutet demnach (in den) Feldern.[1] Münzfunde belegen eine Besiedelung von Campen bereits im Frühmittelalter. Im 13. Jahrhundert errichteten die Bewohner des Ortes auf dem höchsten Punkt der Warft eine Kirche.[1]

1744 fiel Campen wie ganz Ostfriesland an Preußen. Die preußischen Beamten erstellten 1756 eine statistische Gewerbeübersicht für Ostfriesland. In jenem Jahr gab es in Campen 15 Kaufleute und Handwerker, womit Campen im Schatten des deutlich stärker mit Handwerkern und Kaufleuten besetzten Nachbarortes Loquard blieb. In Campen fanden sich vier Schneider, jeweils zwei Schmiede, Schuster und Leineweber sowie jeweils ein Böttcher, Bäcker, Maurer und Zimmermann. Der einzige Kaufmann am Ort handelte mit Seife, Gewürzen, Zucker und Tee.[2]

Campen und Heiselhusen zählten in der Hannoverschen Zeit Ostfrieslands zum Amt Emden (1824), darin zur Vogtei Larrelt und darin wiederum zur Untervogtei Loquard, die neben Loquard, Campen und Heiselhusen auch Rysum und Canum umfasste.[3]

Jahrhundertelang waren die natürlichen Tiefs und die Entwässerungskanäle, die die Krummhörn in einem dichten Netz durchziehen, der wichtigste Verkehrsträger. Über Gräben und Kanäle waren nicht nur die Dörfer, sondern auch viele Hofstellen mit der Stadt Emden und dem Hafenort Greetsiel verbunden. Besonders der Bootsverkehr mit Emden war von Bedeutung. Dorfschiffer übernahmen die Versorgung der Orte mit Gütern aus der Stadt und lieferten in der Gegenrichtung landwirtschaftliche Produkte: „Vom Sielhafenort transportierten kleinere Schiffe, sog. Loogschiffe, die umgeschlagene Fracht ins Binnenland und versorgten die Marschdörfer (loog = Dorf). Bis ins 20. Jahrhundert belebten die Loogschiffe aus der Krummhörn die Kanäle der Stadt Emden.“[4] Bereits 1824 schrieb der Kulturhistoriker Fridrich Arends in seiner Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes: „Mit Wasser ist kein Amt reichlicher versehen wie dieses. (…) Im Winter und Frühling geschieht der Transport des Korns und sonstiger Güter sowohl in diesem als im Greetmer Amt immer zu Wasser, welches bei den schlechten Kleiwegen in der Jahreszeit außerordentlichen Nutzen hat.“[5]

Torf, der zumeist in den ostfriesischen Fehnen gewonnen wurde, spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle als Heizmaterial für die Bewohner der Krummhörn. Die Torfschiffe brachten das Material auf dem ostfriesischen Kanalnetz bis in die Dörfer der Krummhörn, darunter auch nach Campen. Auf ihrer Rückfahrt in die Fehnsiedlungen nahmen die Torfschiffer oftmals Kleiboden aus der Marsch sowie den Dung des Viehs mit, mit dem sie zu Hause ihre abgetorften Flächen düngten.[6]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm Campen eine große Anzahl Vertriebener aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches auf. Sie stellten 1946 23,1 Prozent der Dorfbevölkerung, eine Quote, die bis 1950 konstant blieb. Am 1. Juli 1972 wurde Campen in die neue Gemeinde Krummhörn eingegliedert.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Campen steht mit 65,3 m der höchste Leuchtturm Deutschlands. Er wurde 1889 erbaut und ist seit 1891 in Betrieb. Der Leuchtturm kann besichtigt werden, wozu die Besucher 320 Stufen emporsteigen müssen. Bei guter Sicht reicht der Blick zu den ostfriesischen Inseln über die Niederlande bis zur Stadt Emden.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Ostfriesische Landwirtschaftsmuseum, das in zwei Gulfhöfen untergebracht ist. Dort werden alte landwirtschaftliche Geräte der 1930er bis 1950er Jahre ausgestellt. Zudem finden in den Sommermonaten Sonderveranstaltungen statt.

Sehenswert ist unter anderem die Reformierte Kirche, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Die Altreformierte Kirche stammt aus dem Jahr 1905.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist über die Landesstraße 2 mit der Stadt Emden verbunden, wo ein Anschluss an die A 31 besteht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hensman Dreesman: Beschreibung der Gemeinde Campen (Manuskript 1888; hrsg. und mit Erläuterungen versehen von Heinrich Schumacher), Aurich: Ostfriesische Landschaft, 1990, ISBN 3-925365-53-2
  • Jannes Ohling: Campen. Chronik eines Dorfes im Krummhörn/Ostfriesland. Im Selbstverlag des Herausgebers, Campen 1970 keine ISBN

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Campen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft: Campen, Gemeinde Krummhörn, Landkreis Aurich (PDF; 987 kB), abgerufen am 18. April 2013.
  2. Karl Heinrich Kaufhold; Uwe Wallbaum (Hrsg.): Historische Statistik der preußischen Provinz Ostfriesland (Quellen zur Geschichte Ostfrieslands, Band 16), Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1998, ISBN 3-932206-08-8, S. 383.
  3. Curt Heinrich Conrad Friedrich Jansen: Statistisches Handbuch des Königreichs Hannover 1824. S. 166, abgerufen am 21. Mai 2013.
  4. Harm Wiemann/Johannes Engelmann: Alte Straßen und Wege in Ostfriesland. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 169 (Ostfriesland im Schutze des Deiches; 8)
  5. Fridrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden 1824. Online in der Google-Buchsuche, S. 279 ff., abgerufen am 26. Mai 2013.
  6. Gunther Hummerich: Die Torfschifffahrt der Fehntjer in Emden und der Krummhörn im 19. und 20. Jahrhundert. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Band 88/89 (2008/2009), S. 142–173, hier S. 163.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 263 und 264.