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Kynophobie

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Klassifikation nach ICD-10
F40.2 Spezifische (isolierte) Phobien
Tierphobien
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Kynophobie, (gr. κύων kýon „Hund“ und φόβος phobos „Furcht“, vgl. Phobie) ist eine Angststörung beim Menschen, bei der eine übersteigerte, andauernde und unbegründete Angst vor Hunden besteht. Hunde rufen bei Betroffenen eine sofortige Angstreaktion hervor, die mit körperlichen Angstsymptomen einhergeht. Die Personen entwickeln eine Erwartungsangst und Vermeidungsverhalten und sind in ihrer Lebensqualität beträchtlich eingeschränkt. Sie erkennen, dass ihre Angst übersteigert ist.[1]

Ursachen und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursache für die Entstehung einer Kynophobie ist unklar.[2] Sie beginnt meist im Kindesalter, kann sich aber in jedem Alter entwickeln. Sie kann im Anschluss an eine traumatische Erfahrung mit einem Hund beginnen, kann aber auch ohne solche Auslöser durch den Einfluss von Familienmitgliedern, die Angst vor Hunden haben, oder durch das Beobachten eines Hundeangriffs beginnen.[3]

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diagnose spezifische Phobie, zu der die Kynophobie gehört, wird anhand diagnostischer Kriterien gestellt. Zu deren Einschätzung dienen Interviews, die frei oder standardisiert sein können.

Das DSM-IV enthält folgende Kriterien[4] für eine spezifische Phobie (hier verkürzt wiedergegeben):

  • ausgeprägte, anhaltende Angst, die übertrieben oder unbegründet ist
  • unmittelbare Angstreaktion bei Konfrontation mit dem phobischen Reiz (hier: Hund)
  • die Person erkennt, dass die Angst übertrieben oder unbegründet ist
  • die phobischen Situationen werden gemieden oder nur unter starker Angst ertragen
  • deutliche Einschränkung der normalen Lebensführung, beruflichen Leistung oder sozialen Aktivitäten oder erhebliches Leiden der Person
  • bei Personen unter 18 Jahren hält die Phobie über mindestens 6 Monate an.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der medizinischen Leitlinie Angststörungen zufolge besteht die Therapie bei spezifischen Phobien, zu denen die Kynophobie gehört, vorwiegend in Psychotherapie in Form von Expositionstherapie, bei der eine Konfrontationstherapie im Vordergrund steht.[5] Unterschieden wird dabei zwischen realen Situationen (in vivo), Situationen in der Vorstellung des Patienten[2] (in sensu) und Situationen unter Nutzung virtueller Realität.[6]

Eine Behandlung ist angezeigt, wenn für den Betroffenen ein mittlerer bis hoher Leidensdruck besteht, psychosoziale Einschränkungen bestehen und/oder bei möglichen Komplikationen wie Suchterkrankungen.[5]

Behandlungsziele sind das Reduzieren von Angstsymptomen und Vermeidungsverhalten, reduzierte Rückfallwahrscheinlichkeit, die Einschränkung der Bewegungsfähigkeit zu bessern, die soziale Integration zu verbessern sowie verbesserte berufliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.[5]

In der Therapie von Angststörungen wird der Angstkreis verwendet,[7] um Patienten die Vorgänge beim Auftreten von problematischen Ängsten zu erläutern.

Obwohl die Chancen auf einen Behandlungserfolg durch Verhaltenstherapie gut sind, nehmen nur wenige Betroffene medizinische Hilfe in Anspruch.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Markus T. Gastpar, Siegfried Kasper, Michael Linden: Psychiatrie und Psychotherapie Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-70916-068-8, S. 158–160.
  2. a b T. O. Rentz, M. B. Powers, J. A. Smits, J. R. Cougle, M. J. Telch: Active-imaginal exposure: examination of a new behavioral treatment for cynophobia (dog phobia) In: Behaviour research and therapy. Band 41, Nummer 11, November 2003, S. 1337–1353, PMID 14527532.
  3. Irena Milosevic, Randi E McCabe: Phobias : the psychology of irrational fear. Greenwood, Santa Barbara, California 2015, ISBN 978-1-61069-575-6, S. 103–104.
  4. Hans Morschitzky: Angststörungen: Diagnostik, Erklärungsmodelle, Therapie und Selbsthilfe bei krankhafter Angst. Springer-Verlag Wien 1998, ISBN 978-3-70913-729-1, S. 66–67.
  5. a b c Borwin Bandelow et al: S3-Leitlinie. Behandlung von Angststörungen. (pdf, 3,7 MB)
  6. Clara Suied, George Drettakis, Olivier Warusfel, Isabelle Viaud-Delmon: Auditory-Visual Virtual Reality as a Diagnostic and Therapeutic Tool for Cynophobia. In: Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking. 16, 2013, S. 145, doi:10.1089/cyber.2012.1568.
  7. Siegfried Kasper, Hans-Peter Volz (Hrsg.): Psychiatrie und Psychotherapie compact: Das gesamte Facharztwissen., 6.2.7 Therapie, 3., überarb. Aufl., Thieme, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-13-168233-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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