Cantagalo-Pavão-Pavãozinho

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Cantagalo-Pavão-Pavãozinho ist ein Komplex mehrerer Favelas im Stadtgebiet von Rio de Janeiro, Zona Sul. Sie befinden sich auf den Bergen Morro[1] do Pavão-Pavãozinho und Morro do Cantagalo[2] zwischen den beiden Vierteln Copacabana und Ipanema.

Ansicht der Favela Cantagalo
Der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro Sérgio Cabral Filho und der ehemalige brasilianische Staatspräsident Lula da Silva bei einer Besichtigung der Favelas Cantagalo-Pavão-Pavãozinho im November 2007

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cantagalo-Pavão-Pavãozinho sind drei räumlich ineinander verwachsene, illegale Bergsiedlungen von hoher Armuts- und Arbeitslosenrate, die von ca. 5.000 bis 9.500[3] Menschen bewohnt werden. Die meisten ihrer Bewohner sind afrobrasilianischer Abstammung. Aufgrund seiner exponierten Lage auf dem Berghang und seiner Nähe zum Atlantischen Ozean gehört Cantagalo-Pavão-Pavãozinho mittlerweile zu den „privilegiertesten Gegenden“ der Stadt und hat das Interesse von Grundstücksspekulanten auf sich gezogen.

Über einen längeren Zeitraum gehörte die Favela Cantagalo-Pavão-Pavãozinho zur urbanen Kampfzone der bewaffneten Drogenbanden der Stadt, welche um territoriale Ansprüche um die lukrativen Absatzmärkte in den reichen Stadtvierteln Copacabana und Ipanema kämpften. Cantagalo-Pavão-Pavãozinho war lange Zeit vom Comando Vermelho beherrscht. Drogenhandel galt als einzige Einkommensquelle der in Cantagalo-Pavão-Pavãozinho lebenden Kinder und Jugendlichen. Um die strategisch bedeutsame Favela wurde besonders heftig gekämpft, so dass die zahlreichen Einschusslöcher an den Häuserwänden, die von den Feuergefechten rivalisierender Gangs stammten, teilweise an Bürgerkriegsgebiete im Nahen Osten erinnerten.

Mittlerweile wird durch eine Reihe von Sozialprojekten wie „Cultural Afro Reggae“ oder „Dançando para Não Dançar“[4] versucht, Cantagalo-Pavão-Pavãozinho aus der Marginalisierung und Stigmatisierung durch die Drogenkartelle zu befreien. Betreut werden diese Projekte vom Cirque du Soleil, dem Dokumentarfilmer João Moreira Salles[5] und der Tänzerin Ana Botafogo.[6]

Die Schule Colégio Presidente João Goulart bietet neben Unterricht im Staatsbürgerrecht und Informatik auch zahlreiche Workshops für Capoeira oder Boxtraining an, um die Kinder und Jugendlichen von der Straße zu bekommen. Unterstützt wird diese edukative Einrichtung von Lehrern und der Polizei.

Seit dem Jahr 2007 versucht man, den Tourismus in Cantagalo-Pavão-Pavãozinho voranzutreiben.[7] Der Unternehmer und Fotograf Daniel Plá und die Architektin Mirian Gleitzmann haben das Projekt „Cama e Café da manhã“ (Bed and Breakfast) ins Leben gerufen, um Touristen als Einnahmequelle für die Favela zu erschließen. So erhalten die Touristen für einen Preis von ca. 50 Reais (13 Euro) pro Übernachtung ein Frühstück mit Orangensaft, Papaya, Croissant und Queijo Minas[8] und haben die Möglichkeit, das Leben in der Favela kennenzulernen. Mittlerweile bieten fünf Häuser diesen Service an.

Seit dem 23. Dezember 2009 steht die Favela Cantagalo-Pavão-Pavãozinho mit ca. 176 Polizeibeamten unter der Aufsicht der 5. UPP (Unidade de Polícia Pacificadora).[9] Am 30. Juni 2010 wurde der Komplex „Complexo Rubem Braga“ eingeweiht. Er besteht aus zwei Türmen, einem Aussichtsturm, dem Mirante da Paz, und einem Fahrstuhl, dessen Benutzung gratis ist und die U-Bahn-Station General Osório mit der Spitze des Morros verbindet. Unterhalb des Berges in der Copacabana im Park Praça Eugenio Jardim befindet sich heute die U-Bahn-Station Cantagalo. In Ipanema, in der Rua Saint Roman 76, findet sich auch das Museum Cantagalo/Pavão/Pavãozinho (MUF).[10][11]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch unter dem Eindruck der Drogenkriege spielt eine Episode des Ego-Shooters Call of Duty: Modern Warfare 2 in der Favela Pavão-Pavãozinho. “Pavão-Pavãozinho” ist auch der Titel eines Liedes der brasilianischen Sängerin Fernanda Brum.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Morro – pt. für Berg oder Hügel, spezielle Bergformation typisch für die Landschaft von Rio de Janeiro
  2. pt. cantagalo „Hahnenkrähen“
  3. Radio ORF: Die Favelas von Rio: Cantagalo-Pavão-Pavãozinho
  4. portugiesisch: „tanzen um nicht zu tanzen“
  5. Jahrgang 1962. Vorsitzender des Instituto Moreira Salles. Salles drehte zahlreiche Dokumentarfilme wie „Notícias de uma guerra particular“ oder „Santiago“, die internationale Beachtung fanden.
  6. Jahrgang 1957. Brasilianische Ballett-Tänzerin und Schauspielerin
  7. Tourist Guide Rio de Janeiro, Favela Guides, Cantagalo/Pavão/Pavãozinho
  8. Käsespezialität aus dem Bundesstaat Minas Gerais
  9. Sondereinheit der Polizei von Rio de Janeiro zur Befriedung der Favelas
  10. Museu da Favela.
  11. ONG Museu de Favela (portugiesisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 22° 59′ S, 43° 12′ W