Carl Derossi

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Gedenkblatt für den Gothaer Parteitag 1875. Carl Derossi unten ganz links.

Max Carl Derossi (auch Karl Derossi; * 4. Februar 1844 in Düsseldorf; † 29. Mai 1910 in New York City) war ein Hutmacher und deutscher Politiker der frühen Sozialdemokratie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Derossi war seit 1868/69 Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV). Auf dem Parteitag des ADAV von 1871 wurde er zum Sekretär gewählt. Im Jahr 1873 bestätigte der Parteitag ihn nun als Schriftführer. Auf dem Vereinigungsparteitag von ADAV und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) wurde er neben dem ehemaligen SDAP-Mitglied Ignaz Auer erneut zum Sekretär gewählt und 1876 bestätigt. Carl Derossi wurde 1877 ins Zentralwahlkomitee gewählt. Von 1875 bis 1880 war Mitarbeiter der „Gerichts-Zeitung. Tageblatt für Hamburg-Altona und Umgegend“.[1]

Derossi beschäftigte sich auch mit Karl Marx' Schrift Herr Vogt und der Gegenschrift von Carl Vogt Mein Prozess gegen die Allgemeine Zeitung. Stenographischer Bericht, Dokumente und Erläuterungen, Geneva 1859. Er las aufmerksam dieses Buch und machte zahlreiche Notizen.[2] Überliefert ist auch das Jahrbuch für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Zürich 1879 aus dem Besitz von Derossi.[3]

Später, ab 1878, arbeitete er für den sozialdemokratischen orientierten Finanzier Carl Höchberg. Während des Sozialistengesetzes war er in Zürich im Exil. Auch dort war er an der Herstellung der nach Deutschland geschmuggelten Presseerzeugnisse beteiligt. Er gehörte zu den Mitarbeitern der „Züricher Genossenschaftsdruckerei“. Im Jahr 1884 immigrierte er dann in die USA und arbeitete dort für einige Arbeiterzeitungen, so z.B. als Redakteur der „Kürnscher Zeitung“ und des „Textilarbeiters“. Derossi war auch Sekretär der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in den Vereinigten Staaten.[4] 1896 verteidigte Carl Derossi die klassenkämpferische Position gegen den amerikanischen Gewerkschaftsführer Samuel Gompers im Hamburger Echo.[5] Ein Teil seines Nachlasses kam in die Arbeiterbibliothek der amerikanischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), Sektion New York.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nun hat Derossi in Hamburg - ein alter Gesinnungsgenosse von H(asselmann), aber ein durchaus braver Kerl mit offenem Kopf und "ehrlichem" Herzen - nach Breslau um eine Kandidatur für H geschrieben.“

zitiert Wilhelm Bracke an Friedrich Engels 6. Februar 1877.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferdinand Domela Nieuwenhuis: Capital und Arbeit. Eine gedrängte Darstellung der Marx'schen Lehre. Uebersetzt von C. Derossi. J. Dehler, New-York 1887 [6]
  • Ferdinand Domela Nieuwenhuis: Capital und Arbeit. Eine gedrängte Darstellung der Marx'schen Lehre. Uebersetzt von C. Derossi. Separatabdruck aus dem Buchdruckergehilfen Organ "Vorwärts!". E. Krajk, Wien 1889

Gedichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwach, o Volk, erwache! [7]
  • Der Sozialisten Siegeszug [8]
  • Der Arbeit Jubelfest [9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Marx Friedrich Engels. Briefwechsel mit Wilhelm Bracke (1869–1880). Im Auftrag des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED herausgegeben und eingeleitet von Heinrich Gemkow. Dietz Verlag, Berlin 1963, S. 113 und 115
  • Horst Bartel u.a.: Der Sozialdemokrat 1879 – 1890. Dietz Verlag, Berlin 1974
  • Dieter Fricke: Die deutsche Arbeiterbewegung 1869-1914. Ein Handbuch über ihre Organisation und Tätigkeit im Klassenkampf. Dietz Verlag, Berlin 1976
  • Carol Poore: Deutsch-amerikanische sozialistische Literatur. 1865-1900. Anthologie. Akademie Verlag, Berlin 1987 (= Textausgaben zur frühen sozialistischen Literatur in Deutschland, Bd. 24)
  • Angela Graf: Johann Heinrich Wilhelm Dietz - Verleger der Sozialdemokraten. Biographische Annäherung an ein politisches Leben. Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Bonn 1996

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angela Graf: J. H. W. Dietz, S. 48-54 über die Gerichts-Zeitung.
  2. Das Buch mit den Marginalien wurde 2011 in einem Wiener Antiquariat zum Verkauf angeboten.
  3. Bibliothek der German Socialists in Cleveland, Ohio.
  4. Briefe und Auszüge aus Briefen von Joh. Phil. Becker, Jos. Dietzgen, Friedrich Engels, Karl Marx u.a. an F. A. Sorge und Andere, J. H. W. Dietz Nachfolger, Stuttgart 1906, S. 222.
  5. The Samuel Gompers Papers. A national labor movement takes shape, 1895-98. Vol. 4. University of Illinois 1991 ISBN 0-252-01138-4
  6. SPD-Bibliothek, Sign. 4302, Bundesarchiv SAPMO, Sign. 57/4255.
  7. In Carol Poore.
  8. ebenda.
  9. Manuskript in: Sozialistische Liedertafel archives, Lincoln Center Music Library, New York