Casmin-Klassifikation

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Die CASMIN-Klassifikation entstand in den 1980er Jahren im Rahmen eines Forschungsprojektes zur vergleichenden Analyse der sozialen Mobilität in verschiedenen Industrienationen (Comparative Analysis of Social Mobility in Industrial Nations; siehe König/Lüttinger/Müller 1988).

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Projektes war es, eine international vergleichbare Bildungsklassifikation zu entwickeln, die es ermöglicht, Bildungsstufen so abzubilden, dass diese hinsichtlich ihrer Funktion als Selektionskriterium im Prozess gesellschaftlicher Klassenbildung und sozialer Mobilität größtmögliche Äquivalenz aufweisen[1]. Um funktionale Äquivalenz der einzelnen Bildungsstufen zu erreichen, erfolgte die Konstruktion der einzelnen Bildungsstufen entlang zweier Selektionskriterien: Einerseits sollten die in nationalen Gesellschaften typische Klassenbarrieren des Bildungssystems optimal abgebildet werden und andererseits sollten die im Hinblick auf die Nutzung von Bildung auf dem Arbeitsmarkt bedeutenden Differenzierungen erfasst werden.

Die Klassifikation ist durch zwei Merkmale gekennzeichnet: Zum einen werden sowohl Angaben zur allgemeinen (general education) als auch zur beruflichen (vocational education) Ausbildung berücksichtigt. Zum anderen ist die Klassifikation zertifikatsorientiert, welches die Eigenheiten des deutschen Bildungssystems – ebenso wie die vieler weiterer europäischer Bildungssysteme – gut abbildet. Überdies spiegelt die CASMIN-Klassifikation eine Hierarchie in Bezug auf die notwendigen Investitionen und die Dauer der Bildungserfahrungen wider.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anwendung von CASMIN auf das deutsche Bildungssystem

  • 3b Hochschulabschluss
  • 3a Fachhochschulabschluss
  • 2c_voc Fachhochschulreife/Abitur und berufliche Ausbildung
  • 2c_gen Fachhochschulreife/Abitur ohne berufliche Ausbildung
  • 2a Mittlere Reife und berufliche Ausbildung
  • 2b Mittlere Reife ohne berufliche Ausbildung
  • 1c Hauptschulabschluss und berufliche Ausbildung
  • 1b Hauptschulabschluss ohne berufliche Ausbildung
  • 1a kein Abschluss

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Braun, Michael/Müller, Walter, 1997: Measurement of Education in Comparative Research. Comparative Social Research 16: 163–201.
  • Brauns, Hildegard/Steinmann, Susanne, 1999: Educational Reform in France, West-Germany and the United Kingdom: Updating the CASMIN Educational Classification. In: ZUMA-Nachrichten, Nr. 44., S. 7–44. PID: [2]
  • König, W./Lüttinger P./Müller W., 1988: A Comparative Analysis of the Development and Structure of Educational Systems. Methodological Foundations and the Construction of a Comparative Educational Scale. CASMIN Working Paper No. 12. Mannheim: Universität Mannheim.
  • Lechert, Yvonne/Schroedter, Julia/Lüttinger, Paul, 2006: Die Umsetzung der Bildungsklassifikation CASMIN für die Volkszählung 1970, die Mikrozensus- Zusatzerhebung 1971 und die Mikrozensen 1976–2004. ZUMA-Methodenbericht 2006/12.[3]
  • Lüttinger, Paul/König, Wolfgang, 1988: Die Entwicklung einer international vergleichbaren Klassifikation für Bildungssysteme. In: ZUMA Nachrichten, Nr. 22, S. 1–14. PID: [4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Braun/Müller 1997; Brauns/Steinmann 1999
  2. Educational Reform in France, West-Germany and the United Kingdom
  3. Die Umsetzung der Bildungsklassifikation CASMIN (PDF-Datei; 470 kB)
  4. Die Entwicklung einer international vergleichbaren Klassifikation für Bildungssysteme

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]