Confédération Sportive Internationale du Travail

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Die Confédération Sportive International du Travail (CSIT; deutsch Internationaler Arbeitersportbund) ist ein internationaler Verband des Arbeitersports mit Sitz in Brüssel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste internationale Organisation der Arbeitersportbewegung entstand im Jahre 1913 mit der Gründung der „Association Socialiste Internationale d'Education physique“ (ASIEP), der zunächst Frankreich, Belgien, Großbritannien und Österreich angehörten. Der deutsche Arbeiter-Turnerbund stand dieser Gründung reserviert gegenüber, schloss sich aber letztlich im März 1914 der ASIEP an.[1] Wie die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der internationalen Arbeiterbewegung brach auch die ASIEP mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges zusammen.

Die Wiederbelebung erfolgte 1920 mit der Gründung des „Internationalen Arbeiterverbandes für Sport und Körperkultur“, der wegen seines Gründungsortes auch „Luzerner Sportinternationale“ (LSI) genannt wurde. Gründungsmitglieder waren Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Schweiz, Finnland, die Tschechoslowakei und Italien.[2] Österreich wurde erst 1924 in die LSI aufgenommen, nachdem sich der Arbeiterbund für Sport und Körperkultur Österreich (ASKÖ) unter Ausschluss der Arbeiter-Fußballer, die Beziehungen zum bürgerlichen Fußball-Verband aufrecht erhielten, gegründet hatte.[3] Im Januar 1928 taufe sich die Organisation offiziell um in „Sozialistische Arbeitersport-Internationale“ (SASI). Ziele waren die Hebung der körperlichen Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter, deren internationale Verbrüderung und der Kampf gegen den Missbrauch des Sports für nationalistische und militaristische Zwecke sowie gegen Rekordsucht und Kommerzialisierung. Zunächst war der Dachverband um strikte Neutralität in den nach der russischen Revolution und der Spaltung der internationalen Arbeiterbewegung ausgebrochenen Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten bemüht. 1927 gab er seine politische Neutralität offiziell auf und bekannte sich zur Sozialdemokratie.

Der Verband richtete in der Zwischenkriegszeit internationale Arbeiterolympiaden aus. Sie fanden 1925 in Frankfurt am Main (Sommer) und Schreiberhau (Winter), 1931 in Wien (Sommer) und Mürzzuschlag (Winter) und 1937 in Antwerpen (Sommer) und Janské Lázně (Winter) statt. Der Verband organisierte auch die Arbeiterfußball-Europameisterschaft 1932/34 (die aufgrund der Zerschlagung der Arbeitersportverbände in Deutschland und Österreich abgebrochen wurde) und beteiligte sich am antifaschistischen Arbeitersportleraufmarsch in Paris 1934 und der Volksolympiade 1936 in Barcelona.

Die SASI stand in Konkurrenz zur 1921 in Moskau gegründeten und bis 1937 existierenden "Roten Sportinternationale" (RSI), die den Arbeitersport dem Kommunismus zuzuführen und der Außenpolitik der Sowjetunion nutzbar zu machen trachtete.[4] Die Sozialistische Arbeitersport-Internationale schloss RSI-Athleten von der Teilnahme an den Arbeiterolympiaden 1925 und 1931 aus und untersagte den eigenen Mitgliedern 1928 die Teilnahme an der von der RSI organisierten Internationalen Spartakiade in Moskau. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges brach die SASI zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verband 1946 wiedergegründet. In der Periode des Kalten Krieges konnte er aber nicht mehr an seine Bedeutung der Zwischenkriegszeit anknüpfen.

Die CSIT heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband umfasst heute 43 Organisationen aus 36 Ländern und 4 Kontinenten mit 230 Millionen Mitgliedern. Mitglied in Deutschland ist der Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität (RKB), in Österreich die ASKÖ und in der Schweiz der SATUS. Seit 2008 organisiert die CSIT die "World Sports Games" als internationale Breitensportveranstaltung. Die bisherigen Austragungen fanden in Rimini (2008), Tallinn (2010), Varna (2013), Lignano (2015) und Riga (2017) statt.

Archive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archivbestände zur Geschichte der CSIT befinden sich im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam[5] und im Schweizerischen Sozialarchiv in Zürich.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Dierker: Arbeitersport im Spannungsfeld der Zwanziger Jahre: Sportpolitik und Alltagserfahrungen auf internationaler, deutscher und Berliner Ebene. Klartext, Essen 1990.
  • André Gounot: Les mouvements sportifs ouvriers en Europe (1893-1939). Dimensions transnationales et déclinaisons locales. Presses universitaires de Strasbourg, 2016, ISBN 978-2-86829-935-1
  • Arnd Krüger, James Riordan (Hrsg.): The Story of Worker Sport. Human Kinetics, Champaign IL u. a. 1996, ISBN 0-87322-874-X.
  • Kalevi Olin (Hrsg.): Sport, Peace and Development. International Worker Sport. 1913–2013. A Festschrift Book in Honour of International Workers and Amateurs in Sports Confederation (CSIT). Sportverlag, Wien 2013, ISBN 978-3-9503593-1-2.
  • David Steinberg: Sport under Red Flags! The relations between the Red Sport International and the Socialist Workers' Sport International 1920–1939. Dissertation, Madison 1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arbeiter-Turn-Zeitung (ATZ), 15. und 29. März 1914.
  2. ATZ, 22. September 1920.
  3. Matthias Marschik: ‚Wir spielen nicht zum Vergnügen’. Arbeiterfußball in der Ersten Republik, Verlag zur Gesellschaftsgeschichte, Wien 1994, S. 69–90.
  4. André Gounot: Die Rote Sportinternationale, 1921-1937. Kommunistische Massenpolitik im europäischen Arbeitersport. LIT, Münster 2002.
  5. Labour and Socialist International Archives
  6. Schweizerisches Sozialarchiv: Archivfindmittel, Schweizerischer Arbeiter-Turn- und Sportverband SATUS, Fédération ouvrière suisse de sport et de gymnastique FSSS Stand per: 17. Juli 2012