Conrad Haas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Conrad Haas (* 1509 wahrscheinlich in Dornbach bei Wien; † 1576 in Hermannstadt, Siebenbürgen) war ein Militärtechniker und Raketenpionier.

Entwurf mehrerer Raketen von Conrad Haas
Entwurf von Mehrstufenraketen (1529)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conrad Haas kam 1551 mit der Armee des Römisch-deutschen Königs Ferdinand I. als Zeugwart und Büchsenmeister nach Hermannstadt, wo er die Leitung des Kriegsarsenals übernahm.

Zwischen 1529 und 1559 ergänzte er eine geerbte, von seinem Vorfahren Hans Haasenwein („auß dem haasenhoff bey landshut“) zwischen 1450 und Mai 1459 angelegte, im Wesentlichen auf dem im Spätmittelalter weit verbreiteten Feuerwerksbuch von 1420 beruhende kriegstechnische Bilderhandschrift, die er mit dem Titel Kunstbuch (Staatsarchiv Sibiu, Varia II 374) versah, und in der auf 282 Seiten unter anderem die damals zwei bekannten Einsatzgebiete (Feuerwerksträger und Waffe) der Raketentechnik beschrieben werden. Diese Handschrift wurde erst 1961 im Hermannstädter Staatsarchiv gefunden. Das Hermannstädter Kunstbuch, dessen dritter Teilabschnitt von Conrad Haas verfasst bzw. zusammengetragen wurde und auch über die Waffentechnik hinausgehende Inhalte[1] aufweist, geht auf fertigungstechnische Detailfragen des Raketenbaus ein, wobei es auch das Wirkungsprinzip der Rakete erklärt, und beschreibt eine Vielzahl von Raketentypen, beispielsweise die Mehrstufenrakete, die Bündelrakete und die Idee des modernen Raumschiffs. Ferner beschäftigt es sich mit der Anordnung der Treibstoffsätze bei Stufenraketen, verschiedenen Treibstoffgemischen inklusive Flüssigtreibstoff und führt deltaförmige Stabilisierungsflossen und glockenförmigen Düsen ein. Im letzten Absatz des Werkes schreibt Haas: Aber mein Rhat wehr Friedt unnd kein Krieg, die Büchsen do seinn gelassen unnder dem Dach, so würdt die Kugel nit verschossen, das Pulffer nit verbrent oder nass, so behielt der Fürst sein Gelt, der Büchsenmeister sein Leiben; das ist der Rhat, so Conrad Haas thut gebenn. Vor Entdeckung dieser Handschrift wurde die erste Beschreibung der Dreistufen-Rakete dem polnischen Waffenkonstrukteur Casimir Simienowicz in seinem Werk Ars magna artilleriae pars prima von 1650 zugesprochen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kunstbuch zwischen 1529 und 1556, Handschrift im Nationalarchiv Bukarest, Ms. 2286, Faksimile im Nationalarchiv - Filiale Sibiu, Varia II 374.
  • Conrad Haas: Entwurf Wie du solt machen gar schöne Rakette, die da von im selber oben hinauff in die hoch faren, Manuskript von Hermannstadt, Archiv der Bukarester Akademie.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Bergel: Würfelspiele des Lebens: vier Porträts bedeutender Siebenbürger, Conrad Haas, Johann Martin Honigberger, Parul Richter, Arthur Phleps.– München : Meschendörfer, 1972
  • Hans Barth: Conrad Haas – Raketenpionier und Humanist, Johannis Reeg Verlag, Heilbronn 2005, ISBN 3-937320-55-5, 33 Abbildungen, 94 Seiten.
  • Gundolf Keil: Haasenwein, Hans. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, ISBN 3-11-022248-5, Band 3: Gert van der Schüren - Hildegard von Bingen. Berlin/ New York 1981, Sp. 360–363 (zu Hans Haasenwein, Konrad Haas und dem Hermannstädter Kunstbuch).
  • Frieder Schuller – Transsilvania Film GmbH – drehte 1983 für den ORF einen Dokumentarfilm über Conrad Haas, in dem auch Hermann Oberth zu sehen ist.
  • Doru Todericiu: Preistoria Rachetei Moderne. Manuscrisul de la Sibiu 1529–1569, Editura Academiei RSR, Bucursti, 1969
  • Ernst Wagner: Geschichte der Siebenbürger Sachsen. Wort und Welt Verlag, Thaur bei Innsbruck, 1990
  • Doru Todericiu: Preistoria Rachetei Moderne. Manuscrisul de la Sibiu 1529–1569, Editura Academiei, Bucuresti, 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Doru Todericiu: Das Branntweinrezept in Hans Haasenweins Hermannstädter „Kunstbuch“. In: Sudhoffs Archiv. Band 54, 1970, S. 211 f.