Couponschneider

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Couponschneider ist eine sozialgeschichtlich verbreitete, wertende Beschreibung für die als Unmoral empfundene leistungslose Gewinnerzielung von Aktien-Besitzern, früher häufig auch „Rentier“ genannt.

Ein Coupon oder Kupon ist ein Schein, der Aktienurkunden und Wertpapieren beigefügt ist. Gegen Einreichung des Coupons zahlt die Bank die jeweils fällige Dividende aus. Coupons sind für einen längeren Zeitraum auf einem Bogen zusammengefasst.

Die negative Konnotation dieses Ausdrucks zielt vor allem auf die Vorstellung ab, dass der Couponschneider nichts leisten muss, als ab und zu einen Coupon vom Bogen abzutrennen, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. In diesem Sinne taucht der Ausdruck bereits in der Literatur des 19. Jahrhunderts auf[1], aber auch heute noch in der aktuellen Wirtschafts- und Tagespresse.[2][3][4][5] Noch negativer wird die Konnotation durch den häufig bestehenden Verdacht, durch anonyme Einlösung des Coupons Steuerhinterziehung zu betreiben.[6]

Couponschneider wurden früher jene Anleger abschätzig genannt, die alljährlich die Schere zur Hand nahmen, nach der Feststellung des Jahresgewinnes einen Coupon abschnitten, einreichten und damit ihren Gewinnanteil für ihr in eine Firma investiertes Kapital ausbezahlt bekamen.[7]

Zu den bekanntesten historischen Beispielen gehört der bekannte Philosoph des 19. Jahrhunderts Arthur Schopenhauer. Als reicher Erbe lebte er als Privatier und Couponschneider ohne wirtschaftliche Sorgen.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Google Books Ngram Viewer Graph zum historischen Vorkommen des Begriffs.@1@2Vorlage:Toter Link/ngrams.googlelabs.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Manager-Magazin vom 16. Oktober 2008: Strüngmann-Brüder "Wir sind keine Couponschneider" Von Sven Böll und Martin Noé.
  3. Handelsblatt vom 25. August 2009: EnBW-Chef: „Ich bin kein Coupon-Schneider“.
  4. Der Tagesspiegel vom 19. September 2010: ALLE MANN AN BORD Reportage über Kreuzschifffahrt
  5. Der Spiegel 18/1988: SPIEGEL-Redakteur Hellmuth Karasek über eine Labiche-Aufführung an der Berliner Schaubühne.
  6. Jürgen Dunsch: Und ewig lockt der Steuertrick. In: FAZ.net. 7. März 2014, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  7. Wirtschaftsblatt.at
  8. Die Zeit vom 22. September 2010: Arthur Schopenhauer Das Sein ist nicht das Gute Seite 4/5: „Seht ihn nur an, niemandem war er untertan“.