Cronstetten Stiftung

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Ehemaliges Stiftsgebäude in der Frankfurter Lindenstraße
Altenpflegeheim der Cronstetten Stiftung im Frankfurter Westend

Die Cronstetten Stiftung ist eine Wohltätigkeits-Stiftung in Frankfurt am Main unter dem Dach der Gesellschaft und vormaligen Vereinigung örtlicher Patrizier-Familien, Alten Limpurg.

Geschichte und Stiftungstätigkeit[Bearbeiten]

Grabmal der Familie Steffan/von Cronstetten auf dem Kirchhof der Frankfurter Peterskirche

Die Cronstetten Stiftung geht auf die Familie Steffan zurück, die 1451 von Bingen nach Frankfurt einwanderte, dort das Bürgerrecht erwarb und schnell in das Patriziat der Stadt aufstieg. Oberhaupt der Familie war der Tuch-Großhändler Hans Steffan, der 1462 in die Gesellschaft Alten Limpurg aufgenommen wurde. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war die Familie im Tuchhandel aktiv und erwarb ein beträchtliches Vermögen. Zahlreiche Mitglieder waren im Rat der Stadt Frankfurt vertreten. Außerdem stellten die Steffan mehrere Jüngere und Ältere Bürgermeister und Stadtschultheißen. Ab etwa 1600 betrieben sie kaum noch Handel, sondern lebten von den Erträgen ihres Vermögens und ihres Landbesitzes. 1621 wurden vier Brüder aus der Familie von Kaiser Ferdinand II. in den Reichsadelsstand aufgenommen.

Letztes Mitglied der Familie Steffan war Justina von Cronstetten (* 27. Januar 1677, † 1766). In ihrem Testament vermachte sie ihr Vermögen einer Stiftung, die die unverheirateten Töchter und Witwen aus den Mitgliedsfamilien der Alten Limpurg versorgen sollte. Weiterer Stiftungszweck war von Anfang an die Unterstützung Alter, Kranker, Schüler und Studenten der Stadt Frankfurt. Diese reiche Stiftung wurde 1767 von Kaiser Josef II. privilegiert.

Die Stiftung verfügte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts über ein Stiftsgebäude, das sich auf der Ecke der Kaiserstraße zum Rossmarkt befand. Es handelte sich um den ehemaligen Großen Kranichhof (heute im Wesentlichen die Liegenschaft Kaiserstraße 1). Mit dem Bau der Kaiserstraße 1870 bis 1873 benötigte die Stadt Frankfurt eine Teilfläche des Stiftsgeländes. Nachdem die Stiftung nicht verkaufen wollte, enteignete die Stadt das Grundstück. Mit Urteil vom 31. Januar 1873 bestätigte das königlich preußische Stadtgericht Frankfurt am Main die Enteignung und den Kaufpreis von 104,90 Goldmark je Quadratmeter.

Das ehemalige Gartengelände hinter der enteigneten Straßenfläche blieb im Besitz der Stiftung und zunächst unbebaut, während die Nachbargrundstücke mit repräsentativen Gründerzeithäusern bebaut wurde. 1893 verkaufte die Stiftung dieses Grundstück, um mit dem Kaufpreis das neue Stiftungsgebäude in der Lindenstraße 27 zu finanzieren. Auf dem verkauften Grundstück wurde das Dreikaiserhaus erbaut.[1]

In den Jahren 1896/97 wurde das Stiftsgebäude in der Lindenstraße 27 im Stadtteil Frankfurt-Westend errichtet, das – mit einer Unterbrechung durch Zwangsverkauf in der Zeit des Nationalsozialismus – bis heute im Besitz der Stiftung ist.

Ebenfalls bis in die Gegenwart unterhält die Cronstetten Stiftung ein eigenes Altenpflegeheim im Westend, das 1997 eingerichtete Justina von Cronstetten Stift. Darüber hinaus betreibt es seit 1979 die Johanniter-Cronstetten-Altenpflege, seit 1985 die Mobile Kinderkrankenpflege in Frankfurt-Bornheim und bietet unverschuldet in Not geratenen Menschen Einzelbeihilfen. 1989 beteiligte sich die Cronstetten Stiftung an der Gründung der Frankfurter Bürgerstiftung. Ein weiteres Projekt ist das Cronstetten-Haus, das 2007 im Frankfurter Westhafen eröffnete.

Bekannte Stiftsfrauen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Schomann: Das Frankfurter Bahnhofsviertel und die Kaiserstraße. Ein Beitrag zu Städtebau und Baukunst des Historismus. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-02876-1, S. 40 (Zum Verkauf des Cronstättschen Grundstücks), S. 48–49 (Umfangreiche Darstellung des Dreikaiserhauses).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz Schomann: Das Frankfurter Bahnhofsviertel und die Kaiserstraße. 1988, S. 40, 48.