Darién Gap

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Darien Gap)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Darién Gap

Der Darién Gap (englisch, wörtlich „Darién-Lücke“), Schreibweise auch Darien Gap, ist eine Region an der Grenze zwischen Nordamerika und Südamerika auf dem Gebiet der Staaten Panama und Kolumbien. Die Provinz Darién in Panama liegt in dieser Region.

In der spanischen Bezeichnung Tapón del Darién bedeutet tapón wörtlich „Pfropf“ oder „Stopfen“. Die Bezeichnung als „Lücke“ oder „Pfropf“ bezieht sich insbesondere auf die Unterbrechung der Panamericana, einer ansonsten durchgängigen Straßenverbindung zwischen Alaska und Feuerland. In dem bergigen und sumpfigen Regenwaldgebiet gibt es keine Straßen.

Lücke in der Panamericana[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte mit den beiden Endpunkten der Panamericana: Yaviza und Turbo

Die Panamericana ist im Gebiet des Darién Gap unterbrochen. In Panama endet die Panamericana in der Kleinstadt Yaviza. Als nördlicher Endpunkt der Panamericana in Südamerika gilt die Hafenstadt Turbo in Kolumbien, die etwa 100 km östlich liegt.

Um die Verbindung zwischen Nord- und Südamerika herzustellen, wäre der Neubau von etwa 110 km Straße erforderlich, von Yaviza aus in südöstlicher Richtung verlaufend. Damit wäre die Verbindung zu einem Ort namens Lomas Aisladas in Kolumbien hergestellt. Ferner müsste ab hier die bestehende Straße ausgebaut werden. Für diese 39 km lange Strecke, die derzeitige Abzweigung von der Panamericana nach Lomas Aisladas, gibt der Routenplaner von Google Maps eine Fahrtdauer von mehr als zwei Stunden an.[1]

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Strecke bisher noch nicht fertiggestellt wurde. Zum einen erfordert die Durchführung des Baus in dieser Gegend einen relativ hohen finanziellen Aufwand, da das Terrain bergig ist und zudem von zahlreichen Wasserläufen und Sumpfgebieten durchzogen wird, wodurch der Bau vieler Brücken notwendig wäre. Außerdem wäre der Bau einer Straßenverbindung schädlich für die Umwelt. Naturschützern fordern, das von Regenwald bedeckte Gebiet weiterhin als Wildnis zu erhalten. Eine Straßenverbindung würde ihrer Meinung nach dazu führen, dass in der Folge mehr Regenwald abgeholzt wird. Zudem wird eine Wiedereinschleppung der dort seit Jahrzehnten ausgerotteten Maul- und Klauenseuche nach Nord- und Mittelamerika befürchtet, wenn durch eine Straßenverbindung unkontrollierte Viehtransporte möglich werden.

Auch die Bewohner des Gebiets, zum großen Teil Chocó- und Kuna-Ureinwohner, lehnen den Bau einer Straße zum Großteil ab. Sie sehen ihre traditionelle Lebensweise gefährdet und befürchten eine „kulturelle Kolonisierung“ der Gegend.

Aktivitäten der Guerillagruppen (ELN und FARC) im Grenzgebiet waren jahrzehntelang ein weiterer Hinderungsgrund. Seit 2016 gibt es einen Friedensvertrag mit der FARC.

Die Regierungen Panamas und Kolumbiens haben mehrfach bekundet, den Bau der Straßenverbindung in Angriff nehmen zu wollen. Anläufe dazu scheiterten jedoch. Zum Beispiel wurde im Jahr 2010 berichtet, die Regierung von Kolumbien habe im Rahmen von Straßenbauprojekten in Nordkolumbien mit Planungen begonnen, die Lücke der Panamericana auf der Seite Kolumbiens zu schließen.[2] Die panamaische Regierung unter Ricardo Martinelli lehnte es daraufhin ab, die Verbindung von Yaviza bis zur Grenze durch eigene Bauaktivitäten herzustellen.[3]

Durch das Fehlen einer Landverbindung zwischen Nordamerika und Südamerika wurde der Golf von Urabá zum Hotspot des Drogenhandels. Mit Flugzeugen, Schnellbooten und U-Booten wird versucht, die Ware zu transportieren.[4]

Durchquerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gegend gibt es zwar keine Straßenverbindung, aber ein weitreichendes Netz von Wegen und Pfaden. Es ist daher beispielsweise möglich, die Lücke zu Fuß zu überwinden, da an jedem Fluss in der Nähe von Ansiedlungen normalerweise Boote zu mieten sind. Die Flüsse können auch schwimmend überwunden werden. Auch mit Motorrädern und mit allradgetriebenen Geländewagen wurde der Darién Gap schon bezwungen, zum ersten Mal im Jahr 1960. Ebenso wurde der Darién Gap bereits mit Fahrrädern durchquert, wobei die Fahrräder über weite Strecken getragen werden mussten. In den 1980er Jahren entwickelte sich der Darién Gap zu einem Ziel von Abenteuertouristen. Seine „Bezwingung“ galt als Herausforderung. Die Durchkreuzung des Gebiets ist jedoch nicht zu empfehlen.

Migration und Verbrechen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2021 durchliefen etwa 10.000 Menschen jährlich den Darién-Urwald in Richtung Norden. Im Jahr 2021 stieg diese Anzahl auf über 90.000 an. Auf ihrer Route werden die Migranten oft Opfer von Banden, die Verbrechen an ihnen begehen (Raub, Vergewaltigung, Mord).[5][6][7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Strecke von El Tigre nach Lomas Aisladas (Abzweigung von der Panamericana in Kolumbien) bei Google Maps.
  2. Kolumbien: Neues großes Infrastrukturprojekt Transversal de las Américas Quetzal Magazin, 5. August 2010.
  3. José Arcia: Los últimos 80 kilómetros de una polémica carretera prensa.com, 8. August 2010 (spanisch).
  4. Georg Ismar und Rodrigo Ruiz-Tovar: Deutsche U-Boote im Anti-Drogen-Kampf. In: Sächsische Zeitung. 8. Dezember 2015, abgerufen am 8. Dezember 2015.
  5. Die wahre Tragödie von El Rio Video auf spiegel.de, 25. September 2021 (6:36 Min.).
  6. Nicola Abé: Der Wald, der Leben zerstört spiegel.de, 2. Oktober 2021.
  7. Nicola Abé: Migration in die USA: Die lebensgefährliche Route durch den Darién Gap spiegel.de, 10. Oktober 2021.

Koordinaten: 8° 9′ 0″ N, 77° 40′ 59″ W