Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko

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Die Grenze zwischen Mexiko und den USA mit ihren 20 Übergängen verläuft entlang vier amerikanischer und sechs mexikanischer Bundesstaaten.
Grenzsicherung zwischen San Diego (links) und Tijuana (rechts)
Spezial-Grenzzaun für Wüstengebiete, der in der Höhe an sich verändernde Dünen angepasst werden kann. In den Algodones-Dünen, Kalifornien

Die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko verläuft zwischen San Diego (Kalifornien) und Tijuana (Baja California) im Westen sowie zwischen Matamoros (Tamaulipas) und Brownsville (Texas) im Osten. Dabei durchläuft sie etwa in Ost-West-Richtung eine Vielzahl an Landschaften, die zwischen Großstädten und unwirtlicher Wüste kontrastieren. Östlich von El Paso (Texas) und Ciudad Juárez (Chihuahua) folgt die Grenze dem Verlauf des Rio Grande bis zum Golf von Mexiko. Westlich dieser Grenzsektion, die in einem binationalen Ballungsgebiet liegt, verläuft die Grenze quer durch die Sonora- und die Chihuahua-Wüsten, das Coloradodelta und den nördlichsten Punkt der niederkalifornischen Halbinsel bis zum Pazifischen Ozean.

Länge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Angaben der International Boundary and Water Commission ist die Grenze insgesamt 3144 Kilometer (1954 Meilen) lang.[1] Auf das Gebiet des US-Bundesstaates Kalifornien entfallen 141 Meilen (227 Kilometer) der Grenze zu Mexiko. Ein 14 Meilen (22,5 Kilometer) langer Teil der Grenze zwischen dem Otay Mesa Border Crossing in San Diego (Kalifornien) und dem Pazifischen Ozean wird umgangssprachlich und meistens eher abfällig auch als „Tortilla Wall“ (Tortilla-Mauer) bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Grenzverlauf ist das Ergebnis des Gadsden-Kaufs von 1853, in dem die USA jene Anteile von Arizona und New Mexico von Mexiko erwarben, die südlich des Gila Rivers liegen.

Kolonialzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vizekönigreich Neuspanien beanspruchte zur Zeit seiner größten Ausdehnung nahezu das gesamte zentrale und westliche Nordamerika. Reale politische Gewalt konnte es aber nur über dessen südlichen Teil ausüben. Zwischen der spanischen Kolonie und den britischen Kolonien, aus denen die USA wurden, lag das französische Louisiana. 1762 trat Frankreich Louisiana an Spanien ab, eine wirkliche Grenze zwischen den spanischen und den britischen Kolonien entstand dadurch aber nicht, weil es keinerlei Kontakte der Kolonisten durch die nur von Indianern bewohnten Great Plains gab. 1803 zwang Napoleon Spanien, Louisiana wieder an Frankreich herauszugeben, er verkaufte es aber bereits 1804 im Louisiana Purchase an die inzwischen selbständigen USA weiter.

USA und Mexiko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Mexiko zwischen 1810 und 1822 seine Unabhängigkeit von Spanien errang, entwickelten sich einerseits Konflikte um Texas und andererseits Handelskontakte zwischen St. Louis und Santa Fe auf dem Santa Fe Trail. Amerikanische Pelzhändler drangen über den Hauptkamm der Rocky Mountains in formal mexikanisches Gebiet vor, das aber weit außerhalb der realen Reichweite der mexikanischen Staatsmacht lag. 1847 gründete die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) auf ebenso formal mexikanischem Gebiet ihre Stadt Salt Lake City und ihr Territorium Deseret, aus dem der spätere US-Bundesstaat Utah hervorgehen sollte. Die Konflikte eskalierten um Texas und Kalifornien im mexikanisch-amerikanischen Krieg von 1846 bis 1848, in dem Mexiko massive Gebietsverluste hinnehmen musste: seine Provinzen Alta California und Santa Fe de Nuevo México gingen an die USA. Die dadurch entstandene Grenzlinie wurde 1853 durch den Gadsden-Kauf nur noch geringfügig zugunsten der USA geändert.

Nach mehreren Grenzverletzungen durch den mexikanischen Milizionär Pancho Villa entsandten die Vereinigten Staaten 1916 ein Expeditionscorps unter der Leitung von John J. Pershing zur später so genannten Mexikanische Expedition. Die Operation erzielte einzelne militärische Erfolge, war aber politisch ein Fiasko. Der Einmarsch von US-Truppen diente den Rebellen um Villa als Motivation und wurde zu einem diplomatischen Konflikt mit Mexico City. Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 wurden die Truppen aus Mexico abgezogen und General Pershing als Oberbefehlshaber der US-Einheiten in Europa ernannt.

Überquerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die intensiven wirtschaftlichen und familiären Verflechtungen zwischen den USA und Mexiko ist die Grenze eine der weltweit am häufigsten überquerten. Im Jahr 2006 wurden knapp 250 Millionen legale Überquerungen gezählt.[2] Der Handel zwischen den beiden Staaten ist durch NAFTA und die durch das Abkommen beschleunigte Verlegung des produzierenden Gewerbes nach Mexiko kontinuierlich gestiegen.

Die Zahl der illegalen Einwanderer aus den Ländern Mexiko, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Ecuador wird auf jährlich 350.000 geschätzt.[3] Illegale Einwanderung in die USA und Waffenschmuggel nach Mexiko sind ständige Themen in den Grenzgebieten, weswegen die Grenze der Vereinigten Staaten zu Mexiko wesentlich stärker bewacht wird als die der USA zu Kanada. Der bestehende Grenzzaun wird aufgrund des Sicherheitszaungesetzes von 2006[4] des Kongresses der Vereinigten Staaten auf eine Länge von 1125 Kilometer erweitert. Bis zum Ende der Bauarbeiten und der Verdopplung der Einsatzstärke der United States Border Patrol (Grenzschutzbehörde des Bundes) übernimmt die Nationalgarde im Rahmen der Operation Jump Start die Sicherung der Grenze mit ungefähr 6000 Mann.

Zwischen 1850 und 2015 wanderten ungefähr 12 Millionen Mexikaner in die USA ein. Die Einwanderung war bis zur Reform des Einwanderungsgesetzes von 1965 legal oder konnte nachträglich leicht legalisiert werden. Vorher galten rassistische Regelungen, die Ende des 19. Jahrhunderts gegenüber Einwanderern aus Asien eingeführt wurden und in den 1920er Jahren modifiziert auch für verschiedene europäische Nationen galten. Mit der Reform von 1965 sollten alle Nationalitäten gleich behandelt werden, es wurde eine Quote von 20.000 Einwanderern pro Nation und Jahr festgelegt. Vorrang hatten Familienangehörige von Einwohnern der USA und Menschen mit besonderen Qualifikationen. Für die meisten Mexikaner und andere Lateinamerikaner war damit die Tür zur legalen Einwanderung geschlossen.[5]

In Folge der Wirtschaftskrise von 2008 kam diese Zuwanderung aus Mexiko bis 2012 jedoch zum Stillstand[6] und bis 2015 kehrte sich die Bewegungsrichtung um. Mehr Mexikaner und ihre Familienangehörige verlassen die USA als neu einreisen.[7] Stattdessen nahm die Zahl der Einwanderer aus Ländern südlich von Mexiko zu. Unter den ohne Papiere Aufgegriffenen überstieg 2014 erstmals die Zahl der Nicht-Mexikaner die der direkten Nachbarn. Sie kommen vor allem aus El Salvador, Guatemala und Honduras.[8]

Ausbau der Grenzsicherung und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die illegale Einwanderung wurde erstmals 1992 im Wahlkampf zwischen Präsident George Bush und Bill Clinton zum hart umstrittenen Politikfeld. Nach der Wahl Clintons machten republikanische Abgeordnete die Einwanderung zum Thema der Kritik am demokratischen Präsidenten. Clinton reagierte darauf mit dem Ausbau der Grenzschutzanlagen.

In Texas gab es 1993 erste Maßnahmen zur Grenzsicherung, von 1994 bis 2000 wurde die Grenze in Kalifornien ausgebaut, ab 1997 folgte eine systematische Befestigung in Texas, ab 1999 auch in Arizona. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde die Grenzsicherung unter dem Aspekt der Terrorabwehr zur Priorität, deshalb wurden bisher unerreichbare Finanzmittel zur Verfügung gestellt. Der kleine Anteil der Grenze in New Mexico ist wegen der schlechten Erreichbarkeit auf beiden Seiten der Grenze bisher kein bedeutender Ort des illegalen Grenzübertritts.

Eine Studie im Auftrag des Council on Foreign Relations von 2013 kommt zum Ergebnis, dass die Grenzschutzbehörden um 2010 etwa die Hälfte der Illegalen aufgegriffen haben.[9]

Kalifornien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste systematische Schritt war die Operation Gatekeeper im Bereich Kaliforniens, die zwischen 1994 und 2000 von San Diego nach Westen Richtung Yuma ausgedehnt wurde.[10]

Die Befestigung der Grenze vor allem in der Nähe der Übergänge führt nach Befürchtungen von Flüchtlingsorganisationen dazu, dass Migranten weiter in die unerschlossenen und klimatisch harscheren Regionen ausweichen. Dort kommen sie aber häufiger ums Leben. So stieg die Zahl der Toten an der kalifornischen Grenze nach dem Ausbau der Sperranlagen zwischen 1994 und 2000 um rund 500 %.[11] Im kalifornischen Grenzabschnitt kommen Migranten typischerweise durch Ertrinken ums Leben. Sie sterben im All American Canal oder dem New River nahe Calexico. Weitere ertrinken im Pazifischen Ozean, wenn sie versuchen, von Tijuana nach San Diego zu schwimmen. Tod durch Hitze ist ein weiterer Faktor, er tritt in den Wüsten und Bergen des Imperial Valleys auf. Seit dem Ausbau der Grenze machen Unfälle von Migranten auf Highways nur noch einen geringen Teil aus. Bis in die 1990er Jahre war der typische Tod ein Autounfall beim Überqueren der stark befahrenen Freeways zu Fuß.

Arizona[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Sicherung der kalifornischen Grenzen wichen die Migranten stärker nach Arizona aus. Der Ausbau der Grenze in Arizona unter dem Namen Safeguard begann etwa 1999. 2002 wurden auf den 14 % die Arizona an der Gesamtlänge der Grenze ausmacht, rund ein Drittel aller Migranten aufgegriffen. Die Zahl der Toten im südlichen Arizona stieg kurz nach 2000 um mehr als das Zehnfache.[12] In Arizona sterben die Migranten weit überwiegend durch Hitze in der Wüste, vor allem in der nahezu unbesiedelten Tohono O'odham Nation Reservation.

Texas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Texas gab es nach ersten Maßnahmen unter den Namen Operation Blockade bzw. Hold the Line 1993 einen systematischen Ausbau unter der Bezeichnung Rio Grande ab 1997.[13] Während in früheren Jahrzehnten Migranten in Texas vorwiegend durch Ertrinken im Rio Grande ums Leben kamen, verschieben sich die Todesfälle seit 2010 tief ins Innere des Staates.

Der unmittelbare Grenzbereich lässt sich kaum kontrollieren, deshalb baut die United States Border Patrol Kontrollpunkte an den großen Verkehrsachsen im Inneren von Süd-Texas auf. Die wichtigsten liegen im Bereich Falfurrias am U.S. Highway 281. Um diese zu umgehen, werden die Migranten von Schmugglern kurz nach der Grenze per Auto aufgenommen aber vor Falfurrias wieder abgesetzt, um weit dahinter wieder aufgenommen zu werden. Die Migranten müssen über weite Strecken durch ungebahntes Gebiet mit Wüstenklima wandern. Sie sterben zumeist auf dem Gebiet privater Ranches, so dass kein direkter Zugang von Behörden besteht und Zahlen nicht genau erhoben werden können.

Mexiko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund der chaotischen und gesetzlosen Verhältnisse in Mexiko ist es kaum möglich, abzuschätzen, wie die Migrationswege in Mexiko verlaufen. Bekannt ist, dass Migranten aus El Salvador, Guatemala und Honduras die größten Zahlen der mittel- und südamerikanischen Migranten in die USA ausmachen. Wenn sie sich auf eigene Faust an die US-Grenze durchschlagen wollen und nicht bereits für die Reise in Mexiko Schmuggler bezahlen, werden sie in der Regel Opfer von Erpressern, gewalttätigen Drogenbanden und korrupten Offiziellen. Zahlen liegen nicht vor, immer wieder werden Massengräber von Opfern gefunden.[14]

Zusammenfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Befestigung der Grenze führte zu einer weiteren Verdrängung der Migration in unerschlossene Gebiete, wo die Risiken wesentlich höher sind. Dies passt dazu, dass das Verhältnis zwischen Toten und an der Grenze Aufgegriffenen seit etwa 2005 deutlich angestiegen ist.[15]

Die US Border Patrol registrierte zwischen 1998 und 2013 insgesamt 6029 Todesfälle von illegalen Migranten an der US-Grenze zu Mexiko. Für die Zeit zwischen 1985 und 1998 werden etwa 3300 Todesfälle angenommen. Vorher gibt es keine Zahlen.[16]

Der mexikanische Präsident Felipe Calderón verglich den Ausbau der Grenzanlagen mit der Berliner Mauer und auch Amnesty International kritisierte den Bau.[17] Organisationen wie No more Deaths versuchen humanitäre Hilfe zu leisten[18] und die Zustände an der Grenze zu dokumentieren.[19]

Tödliche Schüsse der United States Border Patrol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Medien kritisieren, dass durch den schnellen Ausbau der United States Border Patrol weder Mannschaften noch leitende Beamte sorgfältig ausgewählt und ausgebildet worden seien. In den Jahren 2007 bis 2012 hätten trotz entgegenstehender Einsatzrichtlinien Beamte in mindestens zehn Fällen über die Grenze nach Mexiko geschossen und dabei in sechs Fällen unbeteiligte mexikanische Bürger tödlich getroffen. Die verantwortlichen Beamten seien allerdings in keinem der Fälle strafrechtlich verurteilt worden.[20] Im September 2015 wurde erstmals ein Angehöriger der Border Patrol von einem Bundesanwalt wegen Schüssen über die Grenze angeklagt.[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tara Brian and Frank Laczko: Fatal Journeys – Tracking Lifes lost during Migration. International Organization for Migration 2014, ISBN 978-92-9068-698-9

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. International Boundary and Water Commission
  2. Quelle: US Embassy Mexico (Memento vom 9. Dezember 2009 im Internet Archive)
  3. Grenzwertig!, Interview mit Matt Nager, SZ Magazin, 22. Mai 2012
  4. en:Secure Fence Act of 2006
  5. How a 1965 immigration reform created illegal immigration, Washington Post, 25. September 2015
  6. Net Migration from Mexico Falls to Zero—and Perhaps Less, Pew, 23. April 2012
  7. Migration in den USA: Mehr mexikanische Auswanderer als Einwanderer, Spiegel online, 19. November 2015
  8. Who Really Crosses the U.S.-Mexico Border?, Atlantic, 31. Dezember 2014
  9. Study: The U.S. stops about half of illegal border crossings from Mexico, Washington Post, 13. Mai 2013
  10. Fatal Journeys, S. 58
  11. Fatal Journeys, S. 56 f.
  12. Fatal Journeys, S. 61
  13. Fatal Journeys, S. 63 ff.
  14. Fatal Journeys, S. 50, 69 f.
  15. Fatal Journeys, S. 54
  16. Fatal Journeys, S. 53 f.
  17. Geplanter Grenzzaun zwischen USA und Mexiko – „Sperranlage ist ein Fehler wie die Berliner Mauer“ (Memento vom 25. Juli 2009 im Internet Archive), tagesschau.de, 27. Oktober 2007
  18. About, No more Deaths
  19. A Culture of Cruelty, No nore Deaths
  20. John Carlos Frey: Over the Line, Washington Monthly, Mai/Juni 2013 (Englisch)
  21. Curbing the Unchecked Power of the U.S. Border Patrol, citylab, 30. Oktober 2015