Schwarze Musik

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Dieser Artikel behandelt die Musik der Schwarzen Szene. Der Terminus wird auch für ursprünglich afro-amerikanisch geprägte Musikformen genutzt, siehe hierzu Afroamerikanische Musik

Schwarze Musik, Dark Musik, Dark Alternative Music und Indie-Dancefloor sind seit den 1990er Jahren gebräuchliche Sammelbezeichnungen für die in der Schwarzen Szene rezipierte Musik.

Begriffsentstehung[Bearbeiten]

Die Bezeichnungen entstanden nach der Lösung der Schwarzen Szene aus dem Kontext des Dark Wave und der zunehmenden Bedeutung bis dahin untypischer Musikformen. Nach Nym assimiliert die Schwarze Szene annähernd jede Musikästhetik, wodurch die zuvor identitätsstiftenden Musikstile ihre Bedeutung zur Vergemeinschaftung der Szene verloren.[1] „Die deutlich erkennbare Diversifikation innerhalb des Spektrums 'Schwarzer Musik' ist […] schon früh und ohne eine bewusste Planung eingetreten, schlicht bedingt durch künstlerischen Output und individuelle Hörvorlieben.“ (Judith Platz: Die Schwarze Musik)[2] Innerhalb der Szene führte diese Entwicklung zu einer Spezialisierung und Differenzierung in unterschiedliche Richtungen, die mit Begriffen wie Schwarze Musik oder Dark Musik zusammengefasst wurden.

Begriffe[Bearbeiten]

Trotz der Entstehung unterschiedlicher Sammelbezeichnungen, werden auch bereits bestehende und ausdifferenzierte Begriffe in der Szene umgedeutet und Synonym für weitere rezipierte Musikformen genutzt. Stilbezeichnungen wie Gothic Metal,[3] Gothic, Wave, EBM und Industrial[4] werden so synonym für neuere Musikformen der Szene wie Aggrotech, Rhythm ’n’ Noise, Dark Rock, Synth Rock oder Symphonic Metal genutzt. Lederer spricht in diesem Zusammenhang von einer Tendenz in der Schwarzen Szene „Genrebegriffe wahllos oder falsch zu gebrauchen[.]“ (Stefan Lederer:Industrial)[5] Insbesondere der Terminus Gothic wird häufig von Musikjournalisten als Suprabegriff für die gesamte Szenemusik genutzt.[6]

Zur Abgrenzung derart vereinnahmter Stilbegriffe und zur vereinheitlenden Darstellung des gesamten rezipierten musikalischen Spektrums nutzten Nym,[1] Rutkowski[7] sowie Platz[8] den Begriff Schwarze Musik. Platz fasst es als „nicht möglich“ zusammen jenseits des Terminus Schwarze Musik einen umfassenden Oberbegriff für die Musik festzulegen.[9] Die Bezeichnungen Dark Music und Dark Alternative Music sind verstärkt im englischen Sprachraum für die Musik der Schwarzen Szene verbreitet.[10] Der Ausdruck Indie-Dancefloor hingegen leitete sich vom Ausdruck Independent ab und wurde zu Beginn der 1990er durch die Samplerreihe We Came to Dance zu einem zeitweiligen Synonym Schwarzer Musik.

Entwicklung[Bearbeiten]

Auch die Alternative-Rock-Band Nick Cave and the Bad Seeds, hier 1986 Live in Deinze, gelten als Schwarze Musik, obwohl ihr Stil kaum Berührungspunkte mit der Szenemusik aufweist

In der Entwicklung der Schwarzen Musik bildeten sich zu Beginn der 1990er Jahre „neue musikalische Substile heraus, die sich durch Verwendung klassischer, sakraler oder auch elektronischer Stilmittel von den bisherigen Strömungen (…) unterschieden.“ (Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen: Kinder und Jugendliche an der Schwelle zum 21. Jahrhundert zitiert nach Rutkowski)[11] Der Crossover- und Alternative-Hype der 1990er Jahre bedingte in der Szene zunehmende Umwälzungen und Einflussnahmen. Insbesondere Metal und Techno flossen in die rezipierten Musikstile der Schwarzen Szene ein und verdrängten zum Teil bestehende Genre. Gothic Metal begründete als eine der ersten Stilhybriden aus Dark Wave und Metal eine zunehmende Öffnung gegenüber neuen musikalischen Einflüssen innerhalb der Szene.[12][13] Der Gothic-Metal-Trend war nur von kurzer Dauer und wurde zum Teil von Musikern und Szeneänhängern kritisiert. Er bildete jedoch ab Mitte der 1990er Jahre den Nährboden für eine fließend in den Dark Metal, Dark Rock und Symphonic Metal übergehende Anhängerschaft innerhalb der Schwarzen Szene.[14]

Ähnliche Entwicklungen und Einflussnahmen fanden seit den 1990er Jahren mehrfach statt. Unter dem Einfluss des Metal wurden unter anderem Neue Deutsche Härte, Teile des Alternative-, Dark- und Symphonic-Metal zu Bestandteilen der Schwarzen Musik. Der wachsende Technoeinfluss begründete im Synthie-Pop- und Electroumfeld die Herausbildung des Aggrotech und des Future Pop.[15] Weitere Musikstile folgten dieser Entwicklung nach und neben der stetigen Weiterentwicklung alter und neuer Stile führten die Einflussnahmen auch zur Vereinnahmung Szenefremder Musik im Rahmen szenetypischer Sterotype.[16][17] Unterdessen blieben Interpreten die sich aus den Stilen der Szene heraus entwickelten, Teil der von der Szene konsumierten Musik, wodurch eigentlich szeneuntypische Musik von Interpreten der Szene weiterhin zur Schwarzen Musik gerechnet wird. Die fortlaufende Entwicklung bis in die Gegenwart führte zu einem „heterogenem Eklektizismus“, welcher sich aus einer Fülle unterschiedlicher Musikstile nährt.[15] Gemein blieb den Interpreten der Schwarzen Musik nach Nym die „Vorliebe für das Morbide, Abseitige und Makabre“.[15] Thomas Rainer von L’Âme Immortelle sieht die Gemeinsamkeit der Schwarzen Musik unabhängig von der musikalischen Grundform und ergänzt, dass wenn sich die Untermalung ändere, „die schwarze Musik aller Generationen doch immer eins vereinen [wird]: dunkle Poesie, die von Sehnsucht, Liebe und dem Tod erzählt.“[18] Neben den verschiedenen Musikstilen des Dark Wave und Post-Industrials, welche als Urstile der Szene gelten subsumiert der Begriff Schwarze Musik bis in die Gegenwart die unterschiedlichen Musikgruppen und -genre, welche in der Szene rezipiert werden. Hierunter fallen sowohl Musikstile wie Gothic Metal, Neue Deutsche Härte und Industrial Rock, welche zumindest teilweise der Szene entsprangen, als auch Szeneinterpreten aus gänzlich szenefremden Musikstilen wie Techno, Dark Metal und Alternative. Wobei die Zurechnung zur Szene auf lyrischen, ästhetischen sowie subkulturellen Stereotypen beruht.[19][4]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Schwarze Szene – Alles zur Schwarzen Szene in der Wikipedia

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Alexander Nym: Die Wiedergänger. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel: Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. Plötter Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 142-143, hier 142.
  2.  Judith Platz: Die schwarze Musik. In: Axel Schmidt, Klaus Neumann-Braun (Hrsg.): Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14353-0, S. 253-284, hier 257.
  3.  Stefan Gnad: Gothic Metal. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. 1. Auflage. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 189–199, hier S. 196.
  4. a b  Stefan Lederer: Industrial und andere Irrtümer. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. 1. Auflage. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 242–246, hier S. 242.
  5.  Stefan Lederer: Industrial und andere Irrtümer. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. 1. Auflage. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 242–246, hier S. 244.
  6.  Alexander Nym, Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, Die Gothic-Szene gibt es nicht, S. 13–15.
  7.  Roman Rutkowski: Das Charisma des Grabes. Book on Demand, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-1351-4, S. 68.
  8.  Judith Platz: Die schwarze Musik. In: Axel Schmidt, Klaus Neumann-Braun (Hrsg.): Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14353-0, S. 253-284, hier 253.
  9.  Judith Platz: Die schwarze Musik. In: Axel Schmidt, Klaus Neumann-Braun (Hrsg.): Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14353-0, S. 253-284, hier 261.
  10.  Liisa Ladouceur, Gary Pullin: Encyclopedia Gothica. 2011, S. 239.
  11.  Roman Rutkowski: Das Charisma des Grabes. Book on Demand, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-1351-4, S. 61.
  12.  Thomas Vogel: Interview mit der ehemaligen Gothic-Metal-Band Paradise Lost. In: Sonic Seducer. Sommer-Ausgabe 1995, S. 30.
  13.  Stefan Gnad: Gothic Metal. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. 1. Auflage. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 189–199, hier S. 193ff.
  14.  Stefan Gnad: Gothic Metal. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. 1. Auflage. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 189–199, hier S. 196f.
  15. a b c  Alexander Nym: Die Gothic-Szene gibt es nicht. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel: Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. Plötter Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 13–15, hier S. 13.
  16.  Hans Wanders: The Wonderful and frightening World of…. In: Andreas Speit (Hrsg.): Ästhetische Mobilmachung. Unrast Verlag, Hamburg 2002, S. 23-68, hier S.38.
  17.  Judith Platz: Die schwarze Musik. In: Axel Schmidt, Klaus Neumann-Braun (Hrsg.): Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14353-0, S. 253-284, hier 282.
  18.  Thomas Rainer: Lieder die wie Wunden bluten.. In: Peter Matzke, Tobias Seeliger (Hrsg.): Gothic! Die Szene in Deutschland aus der Sicht ihrer Macher. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, ISBN 3-89602-332-2, S. 73-78, hier S.77.
  19.  Stefan Gnad: Gothic Metal. In: Alexander Nym (Hrsg.): Schillerndes Dunkel. Geschichte, Entwicklung und Themen der Gothic-Szene. 1. Auflage. Plöttner Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86211-006-3, S. 189–199, hier S. 196ff.