Das Angelusläuten

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Das Angelusläuten (Jean-François Millet)
Das Angelusläuten
Jean-François Millet, 1859
Öl auf Leinwand
55,5 × 66 cm
Musée d’Orsay, Paris, Frankreich

Das Angelusläuten (L'Angelus) ist ein 1859 vollendetes Ölgemälde des französischen Malers Jean-François Millet. Das Bild stellt einen Mann und eine Frau dar, die sich in einem Feld über einen Korb mit Kartoffeln beugen, um den Engel des Herrn zu beten. Im Hintergrund des Bildes ist der Turm der Kirche von Chailly-en-Bière zu erkennen. Um die beiden Figuren der Bauern herum sind eine Karre und eine Heugabel abgebildet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schaffung des Bildes wurde vom amerikanischen Kunstsammler Thomas Gold Appleton in Auftrag gegeben, zu einer Übergabe nach Fertigstellung kam es jedoch nicht. Millet verkaufte das Bild im Jahr 1860 für 1000 Franc an den belgischen Landschaftsmaler Victor de Papelen. Erstmals öffentlich ausgestellt wurde das Gemälde im Jahr 1874 in Brüssel, ein Jahr vor dem Tode Millets. Das Gemälde gehörte im Laufe der Zeit zu einer Vielzahl von Sammlungen, seit 1986 der des Musée d’Orsay.[1] Am 11. August 1932 wurde das Bild im Louvre von einem Besucher mit einem Messer beschädigt.[2] Es wurde erst kurz vor einer erwarteten Millet-Ausstellung im Jahr 1976 restauriert.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Darstellung des Angelusgebets war ein beliebtes geistliches Thema des 19. Jahrhunderts. Die Beziehung zwischen den beiden abgebildeten Figuren war im Laufe der Zeit Gegenstand verschiedener Vermutungen, darunter Arbeitskollegen, Ehepaar oder (wie von Léon Gambetta angenommen[4]), Bauer und Magd.

Salvador Dalí, der eine Reproduktion des Bildes in seiner Schule sah, fühlte sich durch das Gemälde inspiriert und beängstigt. Er behauptete, das Gemälde stelle ein Begräbnis dar, bei dem das Paar um sein totes Kind trauere. Auf sein Bestreben hin wurde vom Louvre ein Röntgenbild des Gemäldes erstellt, das tatsächlich an der Stelle des Korbes die verborgene Skizze einer schwarzen Kiste enthüllte. Dali interpretierte diese als Kindersarg und als Gebet am Grab des Kindes.[5] Dalí verarbeitete den Inhalt des Gemäldes in mehreren seiner eigenen Bilder. 1938 veröffentlichte Dalí ein Buch über das Gemälde, in dem er seine Interpretation des Bildes, auch zu der Theorie des Begräbnisses, darlegte.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werksnotizen zu RF 1877 auf der Webseite des Musée d’Orsay.
  2. The Advocate, Ausgabe vom 13. August 1932, Seite 1
  3. Herbert, Robert: , "Millet, Jean-François, Catalogue by" Arts Council of Great Britain, London, 1976, ISBN 0728700786
  4. Foley, Susan: "A Great and Noble Painting": Léon Gambetta and the Visual Arts in the French Third Republic (PDF format).
  5. http://sites.arte.tv/karambolage/de/das-gemalde-das-angeluslauten-millet-karambolage
  6. Dalí, Salvador: Le Mythe tragique de l’Angélus de Millet, Pauvert, 1963, ISBN 2844854184