Der Engel des Herrn

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Verkündigungsengel von Fra Angelico

Der Engel des Herrn (Angelus) ist ein Gebet der katholischen Kirche, das morgens, mittags und abends gebetet wird. Es ist benannt nach seinen ersten Worten, Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, lateinisch Angelus Domini nuntiavit Mariae.

Als Gebetseinladung erfolgt in der Regel das wenige Minuten andauernde Angelusläuten. Das Gebet beinhaltet als kurzgefasstes Glaubensbekenntnis die Betrachtung der Menschwerdung des Gottessohnes, vorbereitet durch den Verkündigungs-Dialog zwischen dem Erzengel Gabriel und Maria. Nach jedem der drei Betrachtungsworte aus dem Lukas- und Johannesevangelium wird ein Ave Maria gebetet. Die abschließende Oration beendet das Gebet, es kann aber noch die dreimalige Doxologie Ehre sei dem Vater und das Totengedenken angeschlossen werden.

Der Papst betet es jeden Sonntag und an Hochfesten um 12 Uhr öffentlich vom Fenster der päpstlichen Wohnung im Apostolischen Palast aus und erteilt anschließend den Apostolischen Segen.

Papst Benedikt XIV. veranlasste 1742, dass in der Osterzeit anstelle des Engel des Herrn das Regina caeli gebetet wird. [1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heute übliche Form des Angelus hat sich schrittweise entwickelt. Im 13. Jahrhundert wurde von den Franziskanern der Brauch übernommen, beim abendlichen Läuten zur Komplet die Gottesmutter zu grüßen. Im 14. Jahrhundert wurde das Morgenläuten eingeführt, das zu einem Gebet für das öffentliche Wohl und den Frieden einlud. Im 16. Jahrhundert kam das Mittagsläuten hinzu, um zum Gebet wegen der drohenden Türkengefahr und Islamisierung Europas aufzurufen.

Früher wurde das tägliche dreimalige Läuten so gedeutet, dass das Morgenläuten an die Auferstehung, das Mittagsläuten an den Leidensweg und das Abendläuten an die Menschwerdung Christi erinnern soll. Es wurde nun üblich, morgens die marianische Antiphon Regina caeli, mittags das Responsorium Tenebrae factae sunt, dum crucifixissent Jesum Judaei und abends drei Ave Maria zu beten. Die heutige Form des Angelus wurde 1571 von Papst Pius V. eingeführt.[2] Für Ordensleute, die nicht das lateinische Chorgebet mitbeten konnten, hatte es neben anderen Gebeten die Funktion eines regelmäßige Stundengebets.

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch Latein

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist. (Vgl. Lk 1,28-35 EU)
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort. (Lk 1,38 EU)
Gegrüßet seist du, Maria …
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. (Joh 1,14 EU)
Gegrüßet seist du, Maria …
Bitte für uns, heilige Gottesmutter (heilige Gottesgebärerin), (auf) dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Angelus Domini nuntiavit Mariae et concepit de Spiritu Sancto.

Ave, Maria, gratia plena, Dominus tecum; benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris tui, Iesus. Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.
Ecce ancilla Domini. Fiat mihi secundum verbum tuum.

Ave, Maria …
Et verbum caro factum est et habitavit in nobis.
Ave, Maria …
Ora pro nobis, Sancta Dei Genetrix, ut digni efficiamur promissionibus Christi.


Oremus. Gratiam Tuam, quaesumus, Domine, mentibus nostris infunde, ut, qui angelo nuntiante, Christi, filii Tui, incarnationem cognovimus, per passionem Eius et crucem ad resurrectionis gloriam perducamur. Per eundem Christum, Dominum nostrum. Amen.

Angelusgebet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders bekannt ist das an Sonn- und Feiertagen vom Centro Televisivo Vaticano übertragende Angelusgebet des Papstes, das vom Fenster seiner Privatgemächer oder von Castel Gandolfo aus nicht nur über Satellit, sondern auch auf Großbildschirmen auf dem Petersplatz übertragen wird.

In der Osterzeit, vom Ostersonntag bis Pfingsten, wird seit 1742 anstelle des Angelus das Regina caeli gebetet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alberich M. Altermatt OCist: Rundbrief 6 von Sekretariat OCist für Liturgie. Eschenbach, 2006
  2. Kirche in Not: Angelus „Der Engel des Herrn“, Bedeutung und Geschichte (pdf; 419 kB)