Deutsches Zeitungsmuseum

Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen, Saarland, wurde am 16. Mai 2004 wiedereröffnet. Es ist eines von mehreren Zeitungsmuseen in Deutschland.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Deutsche Zeitungsmuseum (DZM) wurde 1989 in Meersburg als privat geführte Kultureinrichtung durch den Pressehistoriker Martin Welke gegründet, der dafür seine feste Anstellung in der universitären Forschung aufgab. Im Geburtsland der Zeitung war es das erste seiner Art, das die Geschichte dieses Mediums umfassend von den Anfängen bis in die Gegenwart präsentierte.[1] Dazu war in jahrelanger Beobachtung des Antiquariatsmarktes ein Fundus von mehreren tausend Museumexponaten entstanden, den die Fachwelt als konkurrenzlos ansah.
Nach einem Jahrzehnt erfolgreichen Wirkens in Meersburg wurde das Museum von Uwe Jacobsen (Geschäftsführung der Saarbrücker Zeitung) und dem designierten saarländischen Ministerpräsidenten Reinhard Klimmt (SPD) mit der Zusage abgeworben, es im Saarland unter Welkes Leitung unter dem Dach der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz fortzuführen. Die Saarbrücker Zeitung erwarb das gesamte Museumsgut und die umfängliche Fachbibliothek zu einem Preis, den Welke um die Hälfte des Realwertes reduzierte und schenkte es an die Stiftung weiter. Für das neue Museumsquartier wurde der Abteihof des ehemaligen Prämonstratenserklosters in Wadgassen restauriert.
Zugleich mit dem Ende der Bauarbeiten erlebte das Saarland einen Regierungswechsel. Die neue CDU-Regierung sah in der Übersiedlung des Museums von Meersburg ins Saarland ein „Sozi-Projekt“ (F.A.Z) und ließ Welkes Vertrag unter Bruch der Vereinbarungen auslaufen. Die Wiedereinrichtung des DZM wurde in fachfremde Hände gelegt; die Gestaltung der Dauerausstellung besorgte ohne einschlägige pressehistorische Expertise eine Berliner Kommunikationswissenschaftlerin. Als das Museum im Mai 2004 auf einer nur geringfügig vergrößerten Ausstellungsfläche, aber mit deutlich weniger Exponate als in Meersburg, wiedereröffnet wurde, reagierte die Fachwelt mit heftiger Kritik, die insbesondere die unglückliche Auswahl der gezeigten Dokumente und deren Interpretation betraf. In einem offenen Brief an die saarländische Landesregierung und die Bundesbeauftragte für Kultur sprachen führende deutsche Pressehistoriker von einer „Vergeudung des in drei Jahrzehnten angesammelten wissenschaftlichen Kapitals“.[2] Die Fachzeitschrift „message“ machte dafür die im „politischen Ränkespiel“ erfolgte bewusste „Ausbootung des Fachverstands“ des Museumsgründers verantwortlich.[3]
Während die Dauerausstellung zur deutschen Zeitungsgeschichte seither nicht grundlegend überarbeitet wurde, konnte das Museum immer wieder mit anspruchsvollen Sonderausstellungen beeindrucken.
Ausstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Abtei Wadgassen werden auf rund 500 Quadratmetern Fläche Exponate zur geschichtlichen Entwicklung, zur technischen Herstellung und zur Distribution der Zeitung gezeigt. Außerdem wird eine Sammlung historischer Zeitungsexemplare von internationaler Bedeutung präsentiert. Der Bestand des DZM, der in einem aufwändig restaurierten ehemaligen Klostergebäude präsentiert wird, besteht aus rund 4000 Exponaten zur Pressegeschichte sowie einer umfangreichen Fachbibliothek und einem Archiv. Das Museum steht in Trägerschaft der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz.
Die Ausstellung ist in drei thematische Bereiche gegliedert:
- Geschichte der Zeitung von den Anfängen bis 1962
- Technikhistorische Aspekte der Zeitungsherstellung
- Unsere Zeitung heute
Neben der klassischen Museumsarbeit will das Museum vor allem auch als außerschulischer erlebnisorientierter Lernort die Bedeutung der Zeitung und anderer Druckmedien auf interessante und lebendige Art vermitteln. Dazu hat das Museum ein neues Konzept erarbeitet, das dem Besucher mit einem Mobiltelefon ermöglicht (Bluetooth-Unterstützung vorausgesetzt) an einer interaktiven Führung und einem Quiz teilzunehmen. Dadurch sollen die Informationen besser vom Besucher aufgenommen, verarbeitet und verstanden werden.
- Wadgassen, Zeitungsmuseum
- Wadgassen, Zeitungsmuseum
- Wadgassen, Zeitungsmuseum
- Wadgassen, Zeitungsmuseum
- Wadgassen, Zeitungsmuseum
- Wadgassen, Zeitungsmuseum
- Wadgassen, Zeitungsmuseum
- Wadgassen, Zeitungsmuseum
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zeitungsmuseum Saarland auf kunst-und-kultur.de
- Literatur zu Deutsches Zeitungsmuseum in der Saarländischen Bibliographie
- Deutsches Zeitungsmuseum bei Stiftung Saarländischer Kulturbesitz
Belege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Das Internationale Zeitungsmuseum der Stadt Aachen beschränkte sich zu dieser Zeit darauf, historische Zeitungen aus aller Welt zu sammeln, bibliographisch zu erfassen und eine Auswahl davon ohne Erläuterung in einigen Vitrinen zu zeigen, wobei die Themen Nachrichtenbeschaffung, Redaktionsarbeit, Satz und Druck, Zensur und Pressefreiheit, Vertrieb und Rezeption ausgeblendet blieben.
- ↑ Abdruck des offenen Briefes in: Museum aktuell. Zeitschrift für Ausstellungspraxis und Museologie im deutschsprachigen Raum. Oktober 2004, S. 23 f.
- ↑ Wilfried Voigt: Ausbootung des Fachverstands. In: message 2/2005, S. 72–74.
Koordinaten: 49° 16′ 15,3″ N, 6° 47′ 30,8″ O
