Die Okarina

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Filmdaten
OriginaltitelDie Okarina
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1919
Längeca. 82 (1919) Minuten
Stab
RegieUwe Jens Krafft
DrehbuchBobby E. Lüthge nach dem Roman Treu wie Gold von Karin Michaëlis
ProduktionIsidor Fett
Karl Wiesel
KameraMax Lutze
Besetzung

Die Okarina ist ein auf hoher See spielendes deutsches Stummfilmdrama und Drei-Personen-Stück. Unter der Regie von Uwe Jens Krafft spielten Charlotte Böcklin und Conrad Veidt die Hauptrollen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der holländische Kapitän Svarrer ist mit einer Gattin gesegnet, die ihn einerseits über alles liebt, andererseits sich vor Eifersucht verzehrt und glaubt, dass überall auf ihn Versuchungen lauern. Andere Kapitänsfrauen, die mit ihr ihren Geburtstag feiern wollen, verschlimmern ihre schlimmsten Befürchtungen noch. Da steht plötzlich ihr Göttergatte vor der Tür… Eigentlich müsste sich Frau Svarrer über alle Maßen freuen, doch der Stachel der Ungewissheit sitzt derart tief in ihr, dass sie beschließt, bei Jans nächstem Segeltörn Töchterchen Regine (laut anderer Version: Antje) als Aufpasserin mitzuschicken. So geschieht es denn auch, und Regine begleitet bei der nächsten großen Fahrt den Vater, um nach der Rückkehr der Mutter über alles haarklein Auskunft geben zu können. Regine lernt auf dem Segelschiff den wahren Charakter des Vaters kennen. Er selbst leidet am meisten darunter, von seiner Frau so lange getrennt und an Land so vielen Versuchungen ausgesetzt zu sein. Als im nächsten Hafen angelandet wird, möchte Jaap, der Koch, auch an Land gehen, doch der Käpt’n verbietet es ihm streng, weiß er doch, dass Jaap an Land eh nur dummes Zeug anstellt. Um den Koch ruhig zu stellen, kommt Regine auf die glorreiche Idee und lässt ihm eine Pulle Rum zukommen, damit er sein Unglück, an Bord bleiben zumessen, besser betäuben könne.

Derweil gehen Regine und Vater an Land. Tatsächlich muss Regine wie ein Schießhund darauf achten, dass die Verlockungen der Hafenmeile den Vater nicht auf sündige und exzessive Gedanken kommen lassen. Die Anwesenheit seiner jungen Tochter disziplinieren den alten Seebären, der sich mächtig zusammenreißen muss. Mit seinem Anstandswauwau im Genick, entschließt der Vater sich dazu, der Stimme der Vernunft zu gehorchen, und kehrt treu und brav an Bord zurück. Doch ein alter Seemann wie er kann von den Trieben nicht lassen und schleicht sich heimlich, als er Regine schlafend in ihrer Kajüte glaubt, an Land zurück, um dort der Sünde eine Chance zu geben. Diese Gelegenheit lässt wiederum der Koch nicht an sich vorüberziehen, und in der Abwesenheit des schützenden Vaters fällt er über Regine her. Auch als man sich wieder auf hoher See befindet, drangsaliert Jaap fortan das Mädchen, wann und wo immer er kann. Als sich bei der Anlandung im letzten Hafen diese Reise dem Ende nähert, erreicht Kapitän Svarrer ein Telegramm, dass er nicht heimkehren, sondern für eine neue Fahrt wieder in See stechen solle. Svarrer tobt, er wollte zurück zu Heim und Herd. Stattdessen wird die Tochter an Land gebracht, von wo sie allein heimkehren soll.

Der schreckliche Schänder Jaap hat längst seinen Missbrauch Regines vergessen, doch in ihr wächst die Frucht seiner Vergewaltigung. Regine wird seitdem regelrecht von Alpträumen heimgesucht, ihr Erlebnis mit dem brutalen Koch hat tiefe seelische Verwüstungen in ihr hinterlassen. Panik macht sich breit, wenn sie nur daran denkt, dass bald jeder sehen wird, dass ihr der wüste Unhold die Unschuld geraubt hat. Die Mutter hat kein Gespür für das, was Regine umtreibt. Sie löchert ihre Tochter lediglich immer wieder mit der Frage, ob der Vater auch treu gewesen sei. Nur Marikke, Regines Schwester, spürt instinktiv, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Als ein gewisser Herr Cobus um die Hand Regines anhält, lässt sie sich notgedrungen darauf ein, in der Hoffnung darin einen Ausweg aus ihrem Dilemma zu finden. Eine fürchterliche Nachricht erreicht schließlich das traute Heim: Der Vater ist mit seinem Schiff untergegangen, es gibt keine Überlebenden! Nur Regine ahnt, was wirklich geschehen ist. Der Vater hatte ihr einst geschworen, den Segler auf Grund zu setzen, sollte er seiner Gattin untreu werden. Regine entscheidet sich dafür, der Mutter nichts von seiner Fremdgeherei zu sagen und ihr die Illusion von ihrem Mann als treusorgenden Gatten zu wahren. Stattdessen schreibt Regine in einem Abschiedsbrief, dass der Käpt’n von der Gewalttat des Kochs gegen sie erfahren hatte und daraufhin sich, Jaap und das Schiff versenkte, um diese Schmach zu tilgen. Dann springt sie aus dem Fenster in den Tod.

Produktionsnotizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Okarina besaß sechs Akte und war bei seiner Uraufführung 1919 1691 Meter lang. Bei der Neuzensurierung am 29. April 1921 lag die Länge bei 1829 Metern. Ein Jugendverbot wurde ausgesprochen. Der Film wurde am 8. August 1919 in Berlins Kant-Lichtspielen erstmals gezeigt.

Bobby E. Lüthge schrieb für diese Produktion sein erstes Drehbuch. Der Film gilt als verschollen.

Die Okarina ist eine Flötenart.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Holländisches Seemanns-Motiv mit Erotik erfüllt und glänzend dargestellt, wird es jedem Schlager Konkurrenz machen. Charlotten Bücklin und Conrad Veidt geben außerordentliche schauspielerische Leistungen. (…) Starke sinnliche Affekte und leidende Momente wechseln im raschen Geschehen ab, einen starken Eindruck hinterlassend.“

Neue Kino-Rundschau[3]

Der Film-Kurier vom 10. August 1919 lobte in seiner Kritik die gelungene Umsetzung der literarischen Vorlage, die dazu geeignet sei, auch den nicht allzu bekannten Roman von Karin Michaelis lesen zu wollen. Sowohl der gebildete Leser als auch der schlichte Kinogänger werde, so der Film-Kurier weiter, aus diesem Grunde viel Freude an diesem logisch aufgebauten und die psychologischen Komponenten des Stoffes nicht vernachlässigenden Film haben. Besonders herausgestellt wurden die darstellerischen Leistungen der drei Hauptdarsteller, wobei die Conrad Veidts „dämonischer“ Natur sei. Abschließend heißt es dort: „Alles in allem, ein großer Erfolg“.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Name laut German Early Cinema. In der Neuen Kino-Rundschau von 1919 wird sie stets „Antje“ genannt
  2. Name laut zeitgenössischer Quelle. In der Neuen Kino-Rundschau von 1919 wird er stets „Jan Steen“ genannt
  3. Neue Kino-Rundschau vom 4. Oktober 1919. S. 24

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]