al-Chamsa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Die folgsamen Stuten Mohammeds)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die folgsamen Stuten Mohammeds, auch arabisch الخمسة al-Chamsa ‚die fünf‘ genannt, sind eine Legende aus dem Islam.

Der Geschichte zufolge gerieten 622 der Prophet Mohammed und seine Begleiter während der Auswanderung Hidschra von Mekka nach Medina in einen Sandsturm. Seine Karawane gelangte am Abend an einen Brunnen, doch als die erschöpften und durstigen Pferde losstürzten, rief sie Mohammed zurück. Nur fünf Stuten kehrten pflichtbewusst um,[1] worauf Mohammed sie segnete und jeder den Daumen in den Nacken legte, wo sich daraufhin kleine Haarwirbel bildeten.

Jene Haarwirbel werden noch heute Daumenzeichen des Propheten genannt und die Pferde, die es besitzen, sollen besonders edel sein. Mohammed begründete mit jenen fünf Pferden eine von religiösen Anschauungen durchsetzte Zucht, von der bei den edelsten Linien gesagt wird, dass sie auf die al-Chamsa („die Fünf“) zurückgehen.[2]

Nach einer Variante der Legende ließ Mohammed absichtlich mit dem gleichen Ergebnis eine Herde von Stuten tagelang dursten, ehe er den Pferch öffnete. Die fünf Stuten, die auf seinen Befehl hörten und nicht zur Wasserstelle galoppierten, erhielten besondere Namen und begründeten der Legende nach die Zuchtlinien der al-Chamsa.[3][4]

Zuchtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Legende zufolge gehen fünf Stutenlinien des Arabischen Vollbluts auf Al Chamsa zurück. Auf arabischen Webseiten sind die Stämme nur als Zuchtlinien verifizierbar, nicht aber als Stuten zur Zeit der Hidschra.[5][6][7]

Für jede Stutenlinie, auch Stamm genannt, gibt es jeweils mehrere Schreibweisen, je nach dem welchen Weg der Name zu uns genommen hat.

Stamm
(arabisch)
Stutenlinie
Synonyme
Herkunft
Merkmale
abstammende
Rassen
Bild
كحيلان Kuhailan Koheilan, Kuhaylah Saudi-Arabien, Iran, eine Stutenlinie heißt Haifi eher groß und kräftig, bis 152 cm, verdankt angeblich ihren Namen ihren Augen, die aufgrund der schwarzen Haut wie mit Kôhl nachgezogen wirken, es kommen jedoch Füchse, Schimmel und Braune vor Shagya, Tersker
Kuhailan-Stutenlinie, 2006
عبيان Abeya ʿAbyan, Abayyah, Obeya, Abéyeh Jemen klein, um 147 cm, meist Schimmel mit Abzeichen
Bestätigung, dass die verkaufte Stute eine Abeya ist
صقلاوي Saqlawiyah Saqlawi, Saglawi, Siglavy, Seglawi, Seglawie, Seklavi, Saklawiyah, сиглави[8] Gezüchtet von den Ruwallah (Stamm aus Nordarabien und der Syrischen Wüste) und den `Anizah, eine wichtige Linie wird Saqlawi-Jedran (auch Gidran) genannt eher klein (147–152 cm), meist braun, sehr edel und ausdauernd Lipizzaner, Shagya, Gidran
Hamrah aus der Linie Saqlawi-Jedran, gezogen von den `Anizah, erworben in der Nähe des Euphrat, vor 1909
حمداني Hamdaniyah Hamdani, Hamdaniyya, Hamdanieh Syrien, heute auch: Tunesien, Iran groß und sportlich, 148 bis 157 cm, gerader Kopf, Schimmel und Braune
هدبان Hadbah Hadba, Hedban, Hadban Gezüchtet von den Ruwallah (Stamm aus Nordarabien und der Syrischen Wüste) und den `Anizah, heute vor allem Iran um 150 cm, starke Knochen, gut bemuskelt, Braune und Schwarzbraune, wenig Abzeichen, ruhiger Charakter

Carl Raswan, Schriftsteller und Förderer des arabischen Pferdes Mitte des 20. Jahrhunderts, war überzeugt, dass es nur drei Stutenstämme gibt: Koheilan, Saglawi und Muniqi. Wobei Raswan den Koheilan-Stamm als maskulin wirkend, Saglawi als feminin wirkend und Muniqi als besonders schnell beschreibt. Es gibt weitere weniger bekannte Linien.[9] Die Linienreinheit wurde von den Beduinen sehr ernst genommen.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henrietta Siksek, The Gallant Five, R. B. Luce 1963

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean Power, Sons of the Desert. The Arab Horse in History, Mythology, Poetry, and Pictures, Delta Books 1980, S. 32
  2. Hedvig Ujvári, Zwischen Bazar und Weltpolitik. Die Wiener Weltausstellung 1873 in Feuilletons von Max Nordau im „Pester Lloyd“, Frank & Timme 2011, ISBN 978-3865963369, S. 230, Anm. 208
  3. Fire in the Heart, Culture Magazine (Memento vom 29. Mai 2013 im Internet Archive)
  4. Carl Reinhard Raswan, Hans Seydel, Der Araber und sein Pferd, Hildesheim (Olms) ³1998, ISBN 3487082349, S. 27
  5. The Horse of the Bedouin, Al Khamsa Organization
  6. Derry Bred for Perfection pp. 104–105
  7. http://www.arabianhorses.org/education/education_history_bedouin.asp Horse of the Desert Bedouin, Arabian Horse Association
  8. Some ways of the English-language horse breeding and equestrian sports terms translation into the Russian language Autoren: Раздуев Алексей Валерьевич und Мамина Анастасия Владимировна, 2015, Wien, S. 15
  9. The Bedouin Concept of Asil, Al Khamsa Organization
  10. The Arabian: War Horse to Show Horse, Gladys Brown Edwards, 1973, Rich Publishing, Covina, Kalifornien