Diskrimination

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Der Begriff Diskrimination (von lateinisch discriminaretrennen“, „absondern“, „unterscheiden“)[1][2][3] beschreibt die Unterscheidung, den Unterschied oder das Unterscheidungszeichen.[4][5] Die Diskriminationsfähigkeit ist dementsprechend die Fähigkeit zur Unterscheidung.

Abgrenzung zur Diskriminierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Diskriminierung, welches das Wort Diskrimination heute weitgehend verdrängt hat, besitzt die gleiche Wortherkunft, hat aber mit Ausnahme in der Zusammensetzung positive Diskriminierung heute, im Gegensatz zu früher, meist negative Bedeutung. Will man das Wort in neutraler Bedeutung gebrauchen, greift man daher häufig auf das Wort Differenzierung und manchmal auf das Wort Diskrimination zurück.[6] Die englische Entsprechung discrimination bedeutet sowohl Diskriminierung als auch Diskrimination.[7]

Abgeleitete Wörter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort diskriminieren wird sowohl als Verb zum Wort Diskrimination als auch als Verb zum Wort Diskriminierung gebraucht. Das Verb diskriminieren wurde seit dem 16. Jahrhundert in Deutschland zunächst ohne Wertung gebraucht.[8] Die seit dem späteren 19. Jahrhundert kontinuierlich belegte Entlehnung wird heute im Allgemeinen mit negativer Bedeutung verwendet.

Das Adjektiv zum Wort Diskrimination ist diskriminabel[9] und bedeutet so viel wie unterscheidbar.

Verwendung in der Physiologie und Pädagogik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Physiologie versteht man unter Diskriminationsfähigkeit die Fähigkeit, Reize in Bezug auf zeitlichen und örtlichen Abstand zu unterscheiden. Die Diskriminationsfähigkeit auf der Fingerbeere ist z. B. erheblich größer als beispielsweise auf der Haut des Rückens. Unter lautlicher Diskrimination versteht man die Unterscheidung einzelner Laute.

Insbesondere die lautliche Diskrimination bzw. die auditive Diskrimination oder die Diskrimination der Phoneme spielt auch in der Pädagogik eine Rolle, nämlich beim Erlernen des Lesens und Schreibens.

Mitunter betrachtet man in der Psychologie auch die Diskriminationsfähigkeit für komplexere Phänomene. So kann es für jemanden, der von einem Hund gebissen worden ist, der beruflich aber viel mit Hunden zu tun hat, wichtig sein die Fähigkeit zur Diskrimination verschiedener Hunde, zu entwickeln, um seinen Beruf weiter ausüben zu können.[10] Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Diskriminationslernen.[11]

Verwendung in der Ethik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Tugendhat unterscheidet eine primäre von einer sekundären Diskrimination:

„Unter primärer Diskrimination verstehe ich die Vorstellung, daß gewisse Klassen von Menschen mehr oder weniger Wert haben als andere und daß daher bei einer Verteilung den einen Priorität gegenüber den anderen zusteht. Hingegen steht «sekundäre Diskrimination» für Regeln wie z. B. «Wer sich stärker beteiligt hat, muß entsprechend mehr vom Ergebnis erhalten» oder «Wer bedürftiger ist, erhält mehr», und das sind Regeln, durch die eine vorausgehende Ungleichheit kompensiert und so die Berücksichtigung als gleicher wiederhergestellt werden soll.“[12]

Verwendung in den Wirtschaftswissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Terminus Diskrimination findet sich auch in den Wirtschaftswissenschaften. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Verkäufer von verschiedenen Personengruppen unterschiedliche Preise verlangen. Man spricht dann von Diskriminationspreisen.[13] Diese Diskrimination ist möglich, weil Käufer aufgrund ihrer finanziellen Situation oder persönlicher Präferenzen zur Zahlung unterschiedlicher Preise in der Lage oder bereit sind.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Diskrimination – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Schulz, Otto Basler, Gerhard Strauss: Deutsches Fremdwörterbuch. Institut für Deutsche Sprache, 1995, ISBN 3-11-012622-2, S. 666.
  2. Duden Fremdwörterbuch. 1990: „unterscheiden; gegeneinander abgrenzen“.
  3. Meyers Enzyklopädie: Diskriminierung [lateinisch] »(Unter)scheidung«; „Außenwirtschaft: unterschiedliche Behandlung von Partnerstaaten im Außenhandel.“
  4. Friedrich Erdmann Petri (Hrsg.): Gedrängtes Handbuch der Fremdwörter in deutscher Schrift- und Umgangsprache. 10. Auflage. Arnoldsche Buchhandlung, Leipzig 1852, S. 268.
  5. Wilhelm Hoffmann: Allgemeines Fremdwörterbuch zur Verdeutschung und Erklärung der in unserer Sprache vorkommenden fremden Ausdrücke. Louis Zander, Leipzig 1865, S. 228.
  6. Tilmann Altwicker: Menschenrechtlicher Gleichheitsschutz. Springer, Heidelberg u. a. 2011, S. 99 f.
  7. Pons: PONSline – discrimination: dis·crimi·na·tion - Substantiv: 1. Unterscheidungsvermögen |das|, 2. unterschiedliche Behandlung; Diskriminierung; Ungleichbehandlung |die|.
  8. Hans Schulz u. a.: Deutsches Fremdwörterbuch. Walter de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-016235-0, S. 666.
  9. Wilhelm Hoffmann: Allgemeines Fremdwörterbuch zur Verdeutschung und Erklärung der in unserer Sprache vorkommenden fremden Ausdrücke. Louis Zander, Leipzig 1865, S. 228.
  10. Günter Krauthan: Psychologisches Grundwissen für die Polizei. 4. Auflage. Beltz, Weinheim/ Basel 2004, S. 47.
  11. Hartwig Schröder: Didaktisches Wörterbuch. 3. Auflage. Oldenbourg, München/ Wien 2001, S. 80.
  12. Ernst Tugenhat: Anthropologie statt Metaphysik. Beck, München 2010, S. 231.
  13. Ludwig von Mises: Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens. Editions Union, Genf 1940, S. 346 ff.