Dokumentations- und Gedenkstätte des BStU in der ehemaligen U-Haft der Stasi in Rostock

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Koordinaten: 54° 5′ 5,1″ N, 12° 8′ 4,4″ O

Eingang zur Dokumentations- und Gedenkstätte (2011)

Die Dokumentations- und Gedenkstätte (DuG) in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung der Stasi in Rostock thematisiert das Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR und erinnert an seine Opfer. Sie ist eine der am besten erhaltenen Untersuchungshaftanstalten des MfS. Die DuG ist eingebettet in das Dokumentationszentrum des Landes Mecklenburg-Vorpommern für die Opfer der Diktaturen in Deutschland und wurde bis August 2017 durch die Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) in Kooperation der Universität Rostock betrieben.[1][2] Seit 2017 ist die DuG wegen Sanierung geschlossen.[3]

Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gedenkstätte befindet sich in der Hermannstraße 34b (Zugang über die Auffahrt des Supermarkts oder Augustenstraße/Grüner Weg) nahe dem Stadtzentrum Rostocks auf dem ehemaligen Gelände der Bezirksverwaltung Rostock des MfS, das heute zu großen Teilen vom Landgericht Rostock und von der Universität Rostock genutzt wird.

Ausstellungen und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gedenkstätte sind ehemalige Gefängniszellen, Duschräume, der Freihof mit den sogenannten „Tigerkäfigen“, Dunkelzellen zur Isolierung der Häftlinge im Keller und innerhalb von Führungen ein begehbarer Gefangenen-Transport-Wagen (GTW) der Staatssicherheit vom Typ Barkas B 1000 zu besichtigen.

Im ersten Obergeschoss des Gefängnistrakts befindet sich eine Dauerausstellung des BStU zur Tätigkeit der Stasi, zum Haftalltag und zur Friedlichen Revolution 1989. Gezeigt werden insbesondere die Methoden des MfS, Einzelschicksale der politischen Häftlinge, Fluchtschicksale mit Bezug zur Seegrenze, ein nachgebautes Ein-Mann-U-Boot aus einer versuchten Flucht aus der DDR, Geruchsproben, Abhör- und Beobachtungstechnik, Material zur Fälschung von Briefen der Stasi und anderes mehr. Zudem befinden sich im ersten Obergeschoss ständig wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen geschichtlichen Themen mit DDR-Bezug. Die Dauerausstellung ist zusätzlich durch englischsprachiges Begleitmaterial sowie Audioguides für ausländische Besucher erschließbar.

Zudem finden in der Gedenkstätte regelmäßig Lesungen, Vorträge, Filmvorführung, Führungen und Schülerprojekttage mit Themenbezug statt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Einrichtung der Bezirke in der DDR 1952 unterhielt die Staatssicherheit ihr Hauptquartier im Bezirk Rostock zunächst im Rostocker Hof, heute ein Einkaufszentrum in der Haupteinkaufsstraße Rostocks, der Kröpeliner Straße. Im dahinterliegenden Gelände an der Schwaanschen Straße befand sich damals ein Untersuchungsgefängnis, das bis Ende der 1950er Jahre durch Stasi und Volkspolizei gemeinsam und später nur noch durch die Polizei genutzt wurde.

Ende der 1950er Jahre begann die Stasi in der Nähe ihre neue Bezirksverwaltung zu errichten. Zwischen 1958 und 1960 entstand als Teil dieses Gebäudekomplexes auch die Untersuchungshaftanstalt, die für 110 Häftlinge in rund 50 Zellen ausgelegt war. Hierin saßen zwischen 1960 und 1989 bis zu ihrer Verurteilung mehr als 4800, hauptsächlich politische Häftlinge. Viele von ihnen sollten dafür bestraft werden, dass sie die DDR verlassen wollten.

Am 4. Dezember 1989 besetzten Bürgerrechtler den Gebäudekomplex der Bezirksverwaltung, versiegelten die Räume und beendeten damit die Vernichtungen von Akten. Dabei besichtigte eine Abordnung auch die U-Haft-Anstalt, traf aber kaum noch auf Häftlinge, da diese mit der Amnestie vom Oktober 1989 zum größten Teil entlassen worden waren.

Auch nach der Wiedervereinigung wurde das Gefängnis kurze Zeit als Untersuchungshaftanstalt genutzt. Aus dieser Periode resultierten bedauerliche Umbauten, so zum Beispiel der Abriss der Trennmauern zwischen den Zellen im Freihof und die Installation eines Gitters im Zellengang im ersten Obergeschoss, das Stück für Stück zurückgebaut wurde.

Seit 1998 gehört die Untersuchungshaftanstalt zum Dokumentationszentrum für die Opfer deutscher Diktaturen des Landes Mecklenburg-Vorpommern, zu der auch das ehemalige Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit am Demmlerplatz in Schwerin zu zählen ist. Von Oktober 1999 bis August 2017 war die DuG für den regelmäßigen Besucherverkehr geöffnet. Seit 2010 wird der größte Teil des denkmalgeschützten Komplexes der ehemaligen Bezirksverwaltung Schritt für Schritt saniert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Ammer, Hans-Joachim Memmler (Hrsg.): Staatssicherheit in Rostock: Zielgruppen, Methoden, Auflösung. Köln 1991, ISBN 3-8046-0337-8.
  • Rahel Frank, Martin Klähn, Christoph Wunnicke: Die Auflösung. Das Ende der Staatssicherheit in den drei Nordbezirken. Schwerin 2010, ISBN 978-3-933255-31-0.
  • Volker Höffer: Der Gegner hat Kraft. MfS und SED im Bezirk Rostock. (= Die Entmachtung der Staatssicherheit in den Regionen. Teil 4). Berlin 1997, DNB 952084228.
  • Jenny Schekahn, Tobias Wunschik: Die Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Rostock. Ermittlungsverfahren, Zelleninformatoren und Haftbedingungen in der Ära Honecker. Berlin 2012, ISBN 978-3-942130-74-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stasi Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bstu.de Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock
  2. Heike Engel: Sanierung einer Dokumentations- und Gedenkstätte in Rostock. 3. Dezember 2018, abgerufen am 15. Februar 2019.
  3. Sanierungsarbeiten im ehemaligen Rostocker Stasi-Knast. t-online.de. 6. Dezember 2018. Abgerufen am 25. September 2019.