Doll & Co.

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Doll & Co. war ein 1898 in Nürnberg gegründeter deutscher Spielzeughersteller. Dampfmaschinen und Modelleisenbahnen prägten die Produktpalette des Unternehmens. 1938 wurde die Firma "arisiert" und von ihrem Konkurrenten Fleischmann übernommen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf das Fabrikgelände am Nürnberger Kirchenweg 13 im März 2012.

1898 gründeten John Sondheim und der Blechschmied Peter Doll in Nürnberg einen Herstellungsbetrieb für Spielzeug. In der Frühphase konzentrierte sich das Unternehmen auf die Produktion von immobilen Dampfmaschinen. Ausländische Absatzmärkte fanden sich in Großbritannien und Irland sowie außerhalb Europas in den Vereinigten Staaten. Die Produktion befand sich zunächst in angemieteten Räumen an der Bergstraße im Burgviertel, später baute das Unternehmen ein eigenes Fabrikgebäude mit Wohnhaus am Kirchenweg 13,[2] das heute noch existiert.[3]

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs schloss sich ein Neffe Sondheims, Max Bein, dem Unternehmen an. Ab diesem Zeitpunkt bekam Doll einen kreativen Schub und entwickelte diverse Marktneuheiten, insbesondere Uhrwerke. Nach dem Krieg, in den 1920er Jahren, wurde die Produktionslinie der Dampfmaschinen wiederbelebt. Zudem wurden Modelleisenbahnen gebaut, ein dampfbetriebener Spielzeugautotyp und ein ebenso betriebener Lastkraftwagen.

Triebwagen der Fa. Doll & Co.; auch als „Fliegender Hamburger“ bekannt

1938 fiel das Unternehmen im Rahmen der Nürnberger Rassegesetze in Ungnade, da die Firmengründer jüdischer Herkunft waren und das Nazi-Regime die „Arisierung“ des Betriebes betrieb. Doll hatte bis zu diesem Zeitpunkt 250 Beschäftigte. Max Bein musste die Firma zu einem Bruchteil ihres Werts verkaufen. Die Familie konnte sich vor dem Holocaust retten. Die Töchter wurden 1939 mit einem Kindertransport nach England geschickt, den Eltern gelang bei Kriegsausbruch im letzten Moment die Flucht über Holland in die Vereinigten Staaten, wo die Familie im Oktober 1940 bei Boston wieder vereint wurde.[4]

Die Firma Fleischmann übernahm Doll und konnte damit die bisherige Produktpalette um Modelleisenbahnen der Spur 0 und Dampfmaschinen ergänzen.[5] Die Marke „Doll“ blieb bis 1949 und damit nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Ein späteres Rückgabeangebot Fleischmanns schlugen die Doll-Firmenbegründer aus und ließen sich stattdessen ihre Aktienanteile ausbezahlen.

Das Signet war "DC" in rot auf einer grünen bzw. weißen ovalen Fläche.[6]

Eisenbahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eisenbahnen wurden nahezu ausschließlich in der Nenngröße 0 und in hochwertiger Qualität hergestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Reder: Mit Uhrwerk, Dampf und Strom. Vom Spielzeug zur Modelleisenbahn. Alba-Buchverlag, Düsseldorf 1970
  • Huber, Rudger: Blechspielzeug. Autos - Motorräder, Weltbild 1995. ISBN 3-8289-0794-6
  • Jim G. Tobias: ... und wir waren Deutsche!. Jüdische Emigranten erinnern sich. ANTOGO Verlag Nürnberg, ISBN 978-3-938286-38-8 (Kapitel "Elizabeth Miller" ab Seite 84)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Train Collectors Association, Western Division, Doll & Cie.
  2. Eintrag zu Doll & Co auf www.albert-gieseler.de, abgerufen am 19. November 2013
  3. Die Gebäude waren von 1938 bis 2008 der Firmensitz der Firma Fleischmann. Bis Ende 2013 wurden die historischen Werksgebäude für Wohnzwecke umgebaut und freie Flächen auf dem Grundstück mit Neubauten versehen.
  4. Zeitzeugeninterwiew mit Beins Tochter Elizabeth Miller im Nürnberger Videoarchiv der Erinnerung, abgerufen am 17. November 2013
  5. Artikel "Fleischmann" in nuernberginfos.de
  6. logo der Firma Doll