Dom- und Diözesanmuseum (Mainz)

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Der Dom zu Mainz
... und über den Kreuzgang erreicht man das Dom- und Diözesanmuseum

Das 1925 gegründete Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum in Mainz beherbergt in seinen historischen Räumen – den staufischen Gewölbehallen, dem zweigeschossigen spätgotischen Kreuzgang sowie den ehemaligen Kapitelsälen – Kunstwerke aus zwei Jahrtausenden, die einst zur Ausstattung des Mainzer Domes oder der Kirchen des Bistums gehörten. Hinzu kommt die Schatzkammer des Domes, die, erreichbar durch die Kapitelsäle, in der ehemaligen Nikolauskapelle aus der Zeit der Spätgotik eingerichtet ist.

Seit dem 1. November 2011 ist der promovierte Kunsthistoriker Winfried Wilhelmy Direktor des Museums.[1]

Räume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewölbehallen / Untergeschoss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abteilung frühes und hohes Mittelalter ist in den neu erschlossenen Gewölbehallen untergebracht: Einem tonnengewölbten Raum mit einer Spannweite von 8,50 m aus dem 11. Jahrhundert sowie einer zweischiffigen Anlage mit Kreuzgratgewölbe aus der Zeit um 1200. Im älteren Teil der Gewölbehallen sind Werke aus römischer und frühmittelalterlicher Zeit ausgestellt, die aus Mainz oder der näheren Umgebung stammen. Den heidnischen Weihealtären und Viergöttersteinen stehen frühe christliche Denkmäler wie der karolingische „Priesterstein“ (um 800) gegenüber, die die Christianisierung im Mainzer Raum beispielhaft veranschaulichen. Im anschließenden jüngeren Saal ist die Sammlung von Steinskulpturen aus dem 13. Jahrhundert untergebracht, zu der Hauptwerke der deutschen Frühgotik zählen. Hervorzuheben sind die aus dem Dom stammenden Skulpturen und Architekturfragmente des ehemaligen Westlettners (Chorschranke), der um 1240 vom sog. „Naumburger Meister“ und seiner Werkstatt geschaffen wurde. Neben dem „richtenden Christus“ und dem „Zug der Seligen und Verdammten“ ist die berühmteste Figur des Lettners ohne Frage der sogenannte „Kopf mit der Binde“, dessen leidvoller Gesichtsausdruck bis heute beeindruckt. Weitere Skulpturen wie das Relief mit der Steinigung des hl. Stephanus (um 1270), der Kopf eines Erzbischofs (um 1300) oder die hoheitsvolle „Madonna aus der Fuststraße“ (um 1250) vermitteln einen zusätzlichen Eindruck von der künstlerischen Blüte des Mainzer Erzbistums zur Zeit der Hochgotik.

Domkreuzgang / Obergeschoss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bartholomäus Holzhauser (links), im Gespräch mit Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (mitte) und König Karl II. von England (rechts). Gemälde von 1670.

Die Abteilung spätes Mittelalter/Neuzeit, die im Obergeschoss des Kreuzganges untergebracht ist, bietet nicht nur einen beeindruckenden Blick auf die Südseite des Domes; sie präsentiert auch Meisterwerke der Malerei, der Skulptur und des Kunsthandwerkes. Im Westflügel befindet sich die Reihe mittelalterlicher Kruzifixe, die, mit dem salischen Kreuz aus dem Wormser Dom beginnend, in der triumphalen, sechs Meter hohen Kreuzigungsgruppe vom ehemaligen Ignazfriedhof gipfelt (um 1520). Analog dazu besticht der Westflügel mit Mariendarstellungen aus Renaissance und Barock. Weitere Meisterwerke, darunter Gemälde von Lucas Cranach d. Ä, das reich mit Perlmutt und Edelmetallen verzierte Drehtabernakel aus Altmünster (1758) oder das von Ludwig Schwanthaler aus Carrara-Marmor gefertigte „Frauenlobdenkmal“ (1841) vervollständigen den Rundgang durch 1500 Jahre christliche Kunst.

Schatzkammer / Nikolauskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mainzer Domschatz galt über Jahrhunderte hinweg als einer der kostbarsten des Abendlandes. Damit spiegelte er den Rang des Mainzer Erzbistums, das mit seinen zahlreichen Suffraganbistümern die größte und bedeutendste aller mitteleuropäischen Diözesen war. Durch Kriege und Revolutionen wurde der Domschatz immer wieder stark dezimiert, doch durch die Abgabe von liturgischen Gefäßen aus den Pfarrkirchen oder den säkularisierten Klöstern des Bistums konnte der Domschatz auch nach den Verlusten der Zeit um 1800 neu aufgebaut werden, so dass heute wieder eine Vielzahl von herausragenden Goldschmiedearbeiten zu sehen ist.

Bei den ausgestellten Objekten handelt es sich im Wesentlichen um liturgische Gefäße vom 10. bis zum 20. Jahrhundert, aber auch um profane Gegenstände, die zu allen Zeiten ebenfalls in den Domschatz integriert waren. Herausragende Werke aus der mittelalterlichen Zeit ist das sog. „Willigiskreuz“, eine der überaus seltenen ottonischen Goldschmiedearbeiten Mainzer Herkunft, genannt seien auch die hochgotischen Buchdeckel aus St. Stefan (13. Jh.) und die bischöflichen Insignien des Siegfried III. von Eppstein (1230–1249). Unter den Objekten aus der Zeit der Renaissance besticht ein Meßkelch aus dem portugiesischen Königshaus. Aus der Epoche des Barock haben sich die künstlerisch besonders wertvollen Strahlenmonstranzen erhalten, die von namhaften Augsburger Goldschmieden gearbeitet wurden. In der den Bischöfen des 19. Jahrhunderts gewidmeten Abteilung besticht neben den Insignien von Bischof Colmar (1802–1818) das mit Diamanten und Amethysten reich besetze Brustkreuz, das der Großherzog von Hessen-Darmstadt 1830 an Bischof Joseph Vitus Burg (1830–1833) schenkte. Besonders hervorzuheben sind die liturgischen Gegenstände aus dem Besitz von Bischof von Ketteler (1850–1877): Neben Bischofskrümme und Monstranz ist hier erstmals auch sein Primizkelch ausgestellt, den Freifrau von Ketteler dem Sohn zur Priesterweihe 1844 schenkte.

Bildteppiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dommuseum besitzt eine der größten Sammlungen mittelrheinischer Bildteppiche aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert, die jedoch nur zeitweise gezeigt werden können.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dom- und Diözesanmuseum finden in unregelmäßigen Abständen Sonderausstellungen zu kirchenhistorischen und gesellschaftlichen Themen statt (Auswahl):

  • 2016/17: Auf ewig. Moderne Kirchen im Bistum Mainz.
  • 2016: Ziemlich beste Freunde. Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität zu Gast in Mainzer Museen.
  • 2016: Flucht 2.0. - an odyssey to peace
  • 2015/16: Schrei nach Gerechtigkeit. Leben am Mittelrhein am Vorabend der Reformation.
  • 2014 Franz von Kesselstatt. Mainzer Domherr, Diplomat und Dilettant.[2]
  • 2013 Geliebte Stadt. Heinz Leitermann zeichnet das alte Mainz.
  • 2013 Glanz der späten Karolinger. Hatto I., Erzbischof von Mainz (891-913). Von der Reichenau in den Mäuseturm.
  • 2013 Vis-à-vis mit dem Domsgickel. Ein Mainzer Wahrzeichen und seine Geheimnisse
  • 2012 Seliges Lächeln, höllisches Gelächter: Das Lachen in Kunst und Kultur des Mittelalters.
  • 2011 Der verschwundene Dom - Baugeschichte des Doms
  • 2006 Rabanus Maurus – auf den Spuren eines karolingischen Gelehrten
  • 2005 Noch mal leben vor dem Sterben
  • 2004 Kein Krieg ist heilig - Die Kreuzzüge
  • 2000 Drache, Greif und Liebesleut'. Mainzer Bildteppiche aus spätgotischer Zeit.
  • 1998 Hildegard von Bingen 1098–1179

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Birgit Kita, Andreas Poschmann: Auf Ewig. Moderne Kirchen im Bistum Mainz, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg, 2016, ISBN 978-3-7954-3193-8
  • Winfried Wilhelmy: Schrei nach Gerechtigkeit. Leben am Mittelrhein am Vorabend der Reformation., Verlag Schnell und Steiner, Regensburg, 2015, ISBN 978-3-7954-2965-2
  • Gerhard Kölsch: Franz von Kesselstatt. Mainzer Domherr, Diplomat und Dilettant, Publikationen des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Mainz, Bd. 5, Mainz 2014, ISBD 978-3-00-046658-8
  • Winfried Wilhelmy: Glanz der späten Karolinger. ERZBISCHOF HATTO I. (891-913) - Von der Reichenau in den Mäuseturm, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg, 2013, ISBN 978-3795427146
  • Winfried Wilhelmy: Seliges Lächeln, höllisches Gelächter: Das Lachen in Kunst und Kultur des Mittelalters, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg, 2012, ISBN 978-3-7954-2583-8
  • Amrei Magdanz: HAP Grieshaber zum 100. Geburtstag. Eine Sonderausstellung des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Mainz, 4. April - 27. September 2009. Herausgegeben von Hans-Jürgen Kotzur. Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Mainz 2009, ISBN 978-3-921606-67-4.
  • Diana Ecker: Das Mainzer Dom-Museum. Geschichte und Geschichten. Verlag der Universitätsdruckerei H. Schmidt, Mainz 2008, ISBN 978-3-935647-42-7.
  • Alexandra König: Dommuseum Mainz. Führer durch die Sammlung. Herausgegeben von Hans-Jürgen Kotzur. von Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3910-0.
  • Winfried Wilhelmy: Rabanus Maurus. Auf den Spuren eines karolingischen Gelehrten. (Katalog zur Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 4. Februar bis 28. Main 2006). Herausgegeben von Hans-Jürgen Kotzur. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3613-6.
  • Brigitte Klein, Winfried Wilhemy: Kein Krieg ist heilig. Die Kreuzzüge. Katalog-Handbuch zur Ausstellung vom 2. April 2005 – Oktober 2005 im Dommuseum Mainz. Herausgegeben von Hans-Jürgen Kotzur. von Zabern, Mainz 2004, ISBN 3-8053-3240-8.
  • Winfried Wilhelmy: Drache, Greif und Liebesleut'. Mainzer Bildteppiche aus spätgotischer Zeit. von Zabern u. a., Mainz 2000, ISBN 3-8053-2654-8 (Schriften des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Mainz 1).
  • Winfried Wilhelmy, Ines Koring: Hildegard von Bingen. 1098–1179. Herausgegeben von Hans-Jürgen Kotzur. von Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2398-0.
  • Winfried Wilhelmy, Mechthild Reinelt: Mainz, 27. Februar 1945. Zeitzeugen berichten. Herausgegeben von Hans-Jürgen Kotzur. Schmidt, Mainz 1995, ISBN 3-87439-344-5.
  • Hans-Jürgen Kotzur (Hrsg.): Hochgotischer Dialog. Die Skulpturen der Hochaltäre von Marienstatt und Oberwesel im Vergleich. Werner, Worms 1993, ISBN 3-88462-106-8.
  • Die Orgel als sakrales Kunstwerk. Band 2: Friedrich W. Riedel: Die Orgel als sakrales Kunstwerk. Katalog der Sonderausstellung des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Mainz vom 9. Oktober 1992 bis 31. Oktober 1993. Herausgegeben von Ingobert Jungnitz. Bischöfliches Ordinariat, Abt. Öffentlichkeitsarbeit, Mainz 1992 (Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz 1991/92, ISSN 0720-2024).
  • Wilhelm Jung: Mainz. Führer durch das Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum. Hans Krach, Mainz, 1971.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dom- und Diözesanmuseum (Mainz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressestelle Bistum Mainz Pressemitteilung vom 26. Mai 2011: Dr. Winfried Wilhelmy wird Direktor des Mainzer Dommuseums tob (MBN), abgerufen am 28. März 2016
  2. Dilettant nach alter Bedeutung in FAZ vom 28. August 2014, Seite 40

Koordinaten: 49° 59′ 54″ N, 8° 16′ 28″ O