Domitia Lepida

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Domitia Lepida (* um 5. n. Chr.[1]; † 54 n. Chr.) war eine römische Patrizierin, deren Schicksal als Mutter von Valeria Messalina, der Ehefrau des Kaisers Claudius, und Großmutter der Octavia und des Britannicus und Tante von Nero eng mit den Machtkämpfen im Kaiserhaus verknüpft war.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domitia Lepida gehörte zur engen Verwandtschaft des julisch-claudischen Kaiserhauses. Sie wurde wohl um 5 n. Chr. als jüngere Tochter von Lucius Domitius Ahenobarbus, der 16 v. Chr. Konsul gewesen war, und Antonia Major geboren. Ihre Mutter war eine Tochter von Marcus Antonius und Augustus’ Schwester Octavia.

Sie hatte zwei ältere Geschwister. Ihr Bruder Gnaeus Domitius Ahenobarbus war mit der jüngeren Agrippina verheiratet und Vater des Kaisers Nero. Ihre Schwester Domitia war die Ehefrau von Gaius Sallustius Crispus Passienus, eines der reichsten Männer des römischen Reiches. Zur Unterscheidung von ihrer älteren Schwester trug sie das Cognomen Lepida, das sonst in der gens Aemilia vorkam und das möglicherweise an ihre Großmutter Aemilia Lepida, die vermutlich die Tochter oder Nichte des Triumvirn Marcus Aemilius Lepidus war, erinnern sollte.

Lepida wurde als schöne und einflussreiche Frau beschrieben[2] und war wie ihre Schwester sehr reich. Sie besaß Ländereien in Kalabrien, Grundstücke in Fundi und Kornspeicher in Puteoli, in denen Getreide aus Ägypten auf seinem Weg nach Rom gelagert wurde. Tacitus beschreibt sie allerdings auch als lasterhaft.

Ehen und Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domitia Lepida war dreimal verheiratet. Von ihrem ersten Mann, ihrem Cousin Marcus Valerius Messala Barbatus[3] hatte sie zwei Kinder: Ein Sohn und eine Tochter, Valeria Messalina, die um 39 n. Chr. den späteren Kaiser Claudius heiratete. Barbatus starb vermutlich noch im Jahr der Geburt seiner Tochter, also um 20 n. Chr.

Wenig später heiratete Domitia Faustus Cornelius Sulla,[4] der 31 n. Chr. Suffektkonsul wurde. Ca. 22 n. Chr. wurde ihr Sohn Faustus Cornelius Sulla Felix[5] geboren.

Anfang des Jahres 37 wurde Domitias Bruder Gnaeus Domitius Ahenobarbus, der Ehemann der jüngeren Agrippina, wegen „sittlichen Fehlverhaltens“ angeklagt. Man warf ihm vor, mit seiner jüngeren Schwester Domitia Lepida Inzest betrieben zu haben. Da Tiberius jedoch schon im März starb, blieb der Fall unbearbeitet. Als Caligula 39 seine Schwester Agrippina verbannte und Ahenobarbus kurz darauf starb, wurde Domitia die Erziehung von deren Sohn, ihrem Neffen, dem späteren Kaiser Nero, anvertraut. Laut Sueton soll sie seine Erziehung einem Tänzer und einem Barbier überlassen haben.[6]

Als ihr Schwiegersohn Claudius im Januar 41 die Regierung übernahm, heiratete Domitia Lepida noch im selben Monat ihren dritten Ehemann Gaius Appius Iunius Silanus, der 28 n. Chr. Konsul gewesen war. Silanus wurde aus Spanien zurückberufen, wo er drei Legionen kommandiert hatte. Er war ebenfalls eng verwandt mit den Claudiern und sollte durch die Hochzeit mit der Mutter der Kaiserin vermutlich noch enger mit dem Kaiser verbunden werden, vielleicht sogar als möglicher Nachfolger, denn Claudius hatte noch keinen Sohn (Britannicus wurde erst einen Monat später geboren). Ob Faustus Cornelius Sulla bereits verstorben war oder ob sie sich scheiden ließen, ist nicht bekannt. Domitias Schwester wurde jedenfalls von dem neuen Kaiser gezwungen, sich scheiden zu lassen, damit die inzwischen verwitwete Agrippina nach der Rückkehr aus dem Exil den reichen Passienus heiraten konnte. Schon 42 n. Chr. ließ Claudius Silanus auf Anregung des Narcissus, seines freigelassenen obersten Kanzleibeamten und Vertrauten der Kaiserin, ohne Gerichtsurteil hinrichten, angeblich weil Narcissus und Messalina beide geträumt hatten, Silanus wolle den Kaiser ermorden.[7] Domitia brach draufhin mit ihrer Tochter.

47 n. Chr. heiratete Domitias Sohn Faustus Cornelius Sulla Felix Claudius’ Tochter Claudia Antonia. Durch diese Ehe wurde Domitias verwandtschaftliche Verbindung zur Kaiserfamilie noch enger, als sie es als Schwiegermutter der Kaisers und Großmutter von Octavia und Britannicus ohnehin schon war.

48 n. Chr. fiel Messalina in Ungnade, nachdem sie in Claudius` Abwesenheit eine zweite Ehe eingegangen war. Auf Betreiben von Narcissus wurde sie hingerichtet. Obwohl Domitia Lepida mit ihrer Tochter wohl kein besonders inniges Verhältnis pflegte, stand sie ihr laut Tacitus[8] in der letzten Stunde zur Seite.

Im folgenden Jahr wurde Domitias frühere, zum zweiten Mal verwitwete Schwägerin Agrippina Claudius’ nächste Frau. Trotz Narcissus` Intervention veranlasste sie 54 n. Chr. Domitias Hinrichtung. Die offizielle Anklage lautete Zauberei und Gefährdung des Friedens in Italien durch die große Menge an Sklaven auf ihren Gütern.[9] Vermutlich sah Agrippina in der Großmutter von Claudius` leiblichem Sohn wie in zahlreichen anderen nahen Verwandten eine Gefahr für den Aufstieg ihres Sohnes, der als Claudius` Adoptiv- und seit 53 auch als Schwiegersohn als Thronfolger galt. Zudem befürchtete sie Domitia Lepidas Einfluss auf Nero, der während Agrippinas Verbannung 39 bis 41 in ihrer Obhut gewesen war. Auch nach Domitias Tod hatte ihr Freigelassener, der Schauspieler Lucius Domitius Paris, großen Einfluss auf Nero.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • E. Klebs, H. Dessau, P. Von Rohden (Hrsg.): Prosopographia Imperii Romani. 3 Bände, Berlin 1897–1898. (PIR1)
  • E. Groag, A. Stein, L. Petersen u. a. (Hrsg.): Prosopographia Imperii Romani saeculi I, II et III. Berlin 1933–2015 (PIR2)
  • E. Groag: Domitius 102. in: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft V,1, Sp. 1511–1513

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nach Groag: Domitius 102, Sp. 1512, war Domitia “einige Jahre älter” als die um 15 n. Chr. geborene jüngere Agrippina.
  2. Tacitus, Annalen, 12, 64.
  3. PIR2 V 141; Sueton, Vita Claudii, 26, 29.
  4. PIR2 C 1459.
  5. PIR2 C 1464; Cassius Dio 60, 30, 6a.
  6. Sueton: Vita Neronis 6
  7. Tacitus, Annalen 6, 9; 11, 29-37; Sueton, Claudius 37, 2; Cassius Dio 31, 4-5; 60, 14; Juvenal, Satire 14, 30-1.
  8. Tacitus, Annalen 11, 37.
  9. Tacitus Annalen 12,64.