Donativum

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Donativum (Plural: Donativa) war der Name, der im Römischen Reich den Geldgeschenken gegeben wurde, die die römischen Kaiser unter die Soldaten der Legionen oder der Prätorianergarde verteilten. Der Zweck des donativum variierte, einige waren Ausdruck der Dankbarkeit für die entgegengebrachte Gunst, andere einfach Bestechung für Wohlwollen, das erwartet wurde.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bereits in der Zeit der späten römischen Republik wurden Geldgeschenke an die Berufssoldaten ausgegeben, so beispielsweise von Sulla,[1] Caesar[2] sowie Brutus und Cassius.[3]

Kaiser Augustus hinterließ den Prätorianern noch eine beträchtliche Summe in seinem Testament,[4] aber ab der Regierung des Tiberius wurden die Geldgeschenke quasi zur Pflicht. Die Prätorianer erhielten das Geld, um zuzulassen, dass Sejanus, ihr Präfekt, gestürzt wurde: Jeder Gardist erhielt 10 Goldstücke dafür, dass er davon Abstand nahm, ihn zu verteidigen.[5] Im Jahr 41, nach dem Mord an Caligula, unterstützte die Garde Claudius, und nach einer kurzen Zeit begriff der Senat, dass es die Garde war, die ihn auf den Thron gesetzt hatte. Claudius gab ihnen 150 Aurei, etwa 3.750 Denare[6] – zu denen die Senatoren jährlich 100 Sesterzen hinzutaten, um an Claudius’ Inthronisierung zu erinnern.[7]

Donativa wurden üblicherweise zum Amtsantritt eines neuen Kaisers ausgegeben, aber auch zu anderen bedeutenden Anlässen wie Thronjubiläen,[8] der Verleihung von Ehrentiteln an einen Mitregenten, am Tag des Tirocinium flori des Thronfolgers[9] oder anlässlich der Bekleidung des Kronprinzen mit der Toga virilis,[10], bei bedeutenden Adoptionen[11] oder Heiraten in der Kaiserfamilie.[12] Es sind auch Situationen bezeugt, bei denen ein Kaiser Soldaten mithilfe eines donativums vom Plündern abzuhalten suchte oder aber gegnerische Legionäre für sich gewinnen wollte.[13]

Im 2. und 3. Jahrhundert aber wurde diese Form der Bestechung ein zentraler Punkt für jeden erfolgreichen Regenten, zum Beispiel bei vielen Soldatenkaisern zwischen 235 und 284 – vor allem an die Prätorianergarde, die dem Kaiser wesentlich näher war und daher eine größere Gefahr für seine Sicherheit darstellte. Die in Rom stationierten Kohorten waren schwierig ruhigzuhalten und schnell bei der Hand, wenn es darum ging, einen Mord zu begehen. Das donativum diente also dazu, die Unterstützung und Loyalität der Prätorianer zu erhalten. Umgekehrt hatte keinen Anspruch darauf, wer Kriegsgefangener war[14] oder der Desertion beschuldigt wurde.[15]

Auch nach der Auflösung der Prätorianergarde im Jahr 312 blieben kaiserliche, in der Spätantike oft als largition bezeichneten Donative an die Truppen (wenigstens aus Anlass des Herrschaftsantritts) mindestens bis ins 6. Jahrhundert hinein üblich. Zunehmend löste das regelmäßige donativum die Soldzahlungen ab, bis die Begriffe komplett verschwammen.[16]

Kaiserliche Donativa an die Prätorianergarde 14–193
Jahr Kaiser Anlass Höhe in Denaren und Beleg
014 Augustus Testament 250[4]
031 Tiberius Loyalität beim Sturz des Sejanus 1.000[5]
037 Caligula Thronbesteigung 250[17]
041 Claudius Thronbesteigung 3.750[6]
jährlich Claudius Regierungsjubiläum 25[7]
054 Nero Thronbesteigung 3.750[18]
069 Galba Zusage an Nymphidius Sabinus, aber nicht gezahlt 7.500[19]
069 Otho Zusage 1.250[20]
069 Vitellius Zusage [21]
069 Vespasian normales donativum unbekannt[22]
079 Titus normales donativum unbekannt[23]
081 Domitian Verdoppelung des donativum geplant, aber normale Summe gezahlt unbekannt[24]
098 Trajan normales donativum unbekannt[25]
117 Hadrian normales donativum verdoppelt unbekannt[26]
145 Antoninus Pius Hochzeit der Tochter Faustina mit Mark Aurel unbekannt[12]
161 Mark Aurel Gemeinsame Regierung mit Lucius Verus 5.000[27]
180 Commodus normales donativum; ein zweites versprochen, aber nicht gezahlt unbekannt[28]
193 Pertinax zahlte das von Commodus versprochene Donativ aus 3.000[29]
193 Didius Julianus ersteigerte den Thron 6.250 versprochen, 7.500 gezahlt[30]
193 Septimius Severus donativum anlässlich des Sieges im Bürgerkrieg [31]
203 Septimius Severus zehnjähriges Regierungsjubiläum 250[8]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sallust: Über die Verschwörung des Catilina. 11,5.
  2. Sueton, Iulius Caesar 38.
  3. Appian: Bürgerkrieg. IV,89.
  4. a b Sueton: Augustus. 101; Tacitus: Annalen. I,8; Cassius Dio: Römische Geschichte. LVI,32.
  5. a b Sueton: Tiberius. 48,2.
  6. a b Sueton: Claudius. 10,4; Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. XIX,4,2.
  7. a b Cassius Dio: Römische Geschichte. LX,12.
  8. a b Cassius Dio: Römische Geschichte. LXXVII,1.
  9. Cassius Dio: Römische Geschichte. LV,6.
  10. Sueton, Nero 7.
  11. Hadrian. In: Historia Augusta. 23.
  12. a b Antoninus Pius In: Historia Augusta. 8,1; 10,2.
  13. Alfred Richard Neumann: Donativum. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart 1967, Sp. 139.
  14. Codex Iustinianus. XII.35.1.
  15. Digesten. IL.16.10.
  16. Johannes Wienand: Der Kaiser als Sieger: Metamorphosen triumphaler Herrschaft unter Constantin I. Akademie Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-05-005903-7, S. 74 (online).
  17. Cassius Dio: Römische Geschichte. LIX,2.
  18. Tacitus: Annalen. XII,69.
  19. Plutarch: Galba. 2,2 (Der Begriff „Drachme“ steht hier für den römischen Denar).
  20. Tacitus: Historien. I,82.
  21. Tacitus: Historien. II,94.
  22. Tacitus, Historien II,82.
  23. Cassius Dio: Römische Geschichte. LXVI,26.
  24. Sueton: Domitian. 2; Cassius Dio: Römische Geschichte. LXVI,26.
  25. Plinius der Jüngere: Panegyricus. 25,2.
  26. Hadrian. In: Historia Augusta. 5,7.
  27. Cassius Dio: Römische Geschichte. LXXIV,8; Marcus Aurelius. In: Historia Augusta. 7,9.
  28. Herodian: Geschichte des Kaisertums seit Mark Aurel. I,5.
  29. Cassius Dio: Römische Geschichte. LXXIV,1; Pertinax. In: Historia Augusta. 4,6; ebd. 7,5.
  30. Cassius Dio: Römische Geschichte. LXXIV,11; Didius Julianus In: Historia Augusta. 3,2; Herodian: Geschichte des Kaisertums seit Mark Aurel. II,6.
  31. Herodian: Geschichte des Kaisertums seit Mark Aurel. III,8.