Drückebergergasse

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Blick von der Residenzstraße aus: links die Viscardigasse, ganz rechts ist die linke, östliche, Seite der Feldherrnhalle zu erkennen, an der die SS-Posten standen

Drückebergergasse (auch Drückeberger-Gassl[1]) ist die volkstümliche Bezeichnung der schmalen, durchgehend mit Kopfsteinen gepflasterten Viscardigasse in München. Offiziell ist sie nach dem Schweizer Barockbaumeister Giovanni Antonio Viscardi benannt. Die Gasse ist nur für Fußgänger freigegeben, an beiden Seiten existieren keine Bordsteinkanten.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die etwas über fünfzig Meter lange Gasse liegt am nördlichen Ende der Fußgängerzone im historischen Kern der Münchner Innenstadt. Sie verbindet Residenzstraße und Theatinerstraße, kurz bevor diese an der östlichen und westlichen Seite der Feldherrnhalle in den Odeonsplatz münden.

Ursprung des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenmal an der Feldherrnhalle

Am 9. November 1923 scheiterte vor der Feldherrnhalle Hitlers Putschversuch, der die Weimarer Republik zu Fall bringen sollte. Dabei kamen 16 der Putschisten („Blutzeugen der Bewegung“) und vier Polizisten ums Leben. Die Feldherrnhalle wurde in der Folgezeit zu einer nationalsozialistischen Weihestätte. 1933 wurde an ihrer Ostseite ein Ehrenmal mit den Namen der getöteten Putschisten unter der Inschrift „Und Ihr habt doch gesiegt“ angebracht, fortan fanden Aufmärsche und Vereidigungen statt. Vor dem Ehrenmal stand während des Dritten Reichs Tag und Nacht eine SS-Ehrenwache („Doppelposten“). Von allen Vorübergehenden wurde an dieser Stelle eine Ehrenbezeugung in Form des Hitlergrußes erwartet. Wer das nicht wollte, konnte die Residenzstraße an dieser Stelle meiden und durch die kleine Viscardigasse gehen oder die Theatinerstraße westlich der Feldherrnhalle benutzen. In Anspielung darauf bezeichneten die Münchner Bürger damals die schmale Gasse an der Rückseite der Feldherrnhalle als Drückebergergassl.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

S-förmige Bronzespur

Nach dem Einmarsch der US-Amerikaner ließ die 7. US-Armee am 3. Mai 1945 das nationalsozialistische Ehrenmal demontieren und einschmelzen. Die Drückebergergasse wird im historischen Kontext gerne noch so genannt – bei Stadtführungen, Fremdenbesuchen oder „stadthistorischen Spaziergängen“, um so den stillen, zivilen Widerstand der Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt gegen das nationalsozialistische Regime zu illustrieren. Um daran zu erinnern, wurde 1995 eine vom Bildhauer und Bronzegießer Bruno Wank gestaltete, s-förmig geschwungene, circa 30 cm breite Bronzespur entlang des damals von einigen eingeschlagenen „Umwegs“ in das Kopfsteinpflaster der Viscardigasse eingelassen.[3]

Kulturelle Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Alfred Anderschs autobiografischer Erzählung Die Inseln unter dem Winde wird die Möglichkeit erwähnt, über die kleine Gasse die Posten zu umgehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gassl = Gässchen (schmaler, gepflasterter Weg zwischen zwei Häusern).
  2. Hans Maier: Gesammelte Schriften. Band 2: Politische Religionen. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-56216-7, S. 111.
  3. Helga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Mahnmale, Gedenkstätten, Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus in München 1933–1945. Band 1: A bis H. Literareron im Utz-Verlag, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 26 (PDF; 1,1 MB (Memento vom 28. April 2014 im Internet Archive)).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Viscardigasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 8′ 29″ N, 11° 34′ 38″ O