Dritter Orden

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Dritte Orden sind christliche Gemeinschaften, die jeweils gemeinsam mit einem Ordenszweig für Männer (erster Orden) und einem für Nonnen (zweiter Orden) eine Ordensfamilie bilden. Ihre Mitglieder werden auch Terziaren oder Terziarier genannt.

Formen[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Formen von Drittordensgemeinschaften:

  1. regulierte dritte Orden, deren Lebensform klösterlichen Charakter hat, zum Beispiel verschiedene Ordensgemeinschaften der Franziskanerinnen
  2. dritte Orden, deren Mitglieder allein oder in einer Familie in der Welt leben und verschiedenen Ständen und Berufen angehören. Sie orientieren sich an der Spiritualität der jeweiligen Ordensregel und legen nach einer Probezeit (Noviziat) ein Versprechen auf Lebenszeit ab. Diese Art von Drittordensmitgliedern wird bei manchen Ordensgemeinschaften auch Familiaren genannt.

Die ältesten dritten Orden haben die Franziskaner (Ordo Franciscanus Saecularis), die Prämonstratenser, die Dominikaner (Terziaren, in jüngerer Zeit auch Laiendominikaner genannt) und der Karmel (Dritter Orden der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel, heute meist als Karmelitanische Gemeinschaft oder Teresianische Karmelgemeinschaft bezeichnet).

Die Ordensfamilie des heiligen Johannes Bosco umfasst neben den Salesianern Don Boscos und den Don-Bosco-Schwestern als Drittorden die Vereinigung der Salesianischen Mitarbeiter (SMDB, Salesianische Mitarbeiter Don Boscos).

Auch in der evangelischen Kirche gibt es derartige Ordensfamilien, etwa die Communauté de Taizé (erster Orden), die Communauté de Grandchamp (zweiter Orden) und den Dritten Orden der Einheit.

Geschichte[Bearbeiten]

Die sel. Jeanne von Toulouse(* 14. Jhd), die Gründerin des dritten Ordens der Karmelitinnen
Klause der Frankiskaner-Tertiarinnen in Ebingen, 1344–1605

Die Anfänge gehen zurück auf fromme Vereinigungen beiderlei Geschlechts. Die dritten Orden entstanden auch aus der Absicht einzelner Menschen heraus, nach der Regel und Spiritualität eines bestimmen Ordens zu leben, obwohl sie durch ihre Lebensumstände am Eintritt in ein Kloster gehindert waren. Solche dritten Orden gehen auf den heiligen Franziskus zurück, der, als 1221 zahlreiche Männer und Frauen Aufnahme in Klöster verlangten, ihnen eine Regel in 20 Kapiteln gab. Diese Tertiaren trugen meist einen aschgrauen Habit, mit einem Strick umgürtet, die Schwestern außerdem noch einen weißen Schleier.

Kaiser Karl IV. und der französische König Ludwig IX. sowie viele andere fürstliche Personen gehörten dritten Orden an. Zu Ende des 13. Jahrhunderts legten einige Tertiaren die Ordensgelübde ab und wurden Religiosen, wodurch die regulierten Tertiarier (regulierter Bußorden) entstanden. Vor allem im 19. Jahrhundert entstand nach diesem Muster eine Vielzahl von Kongregationen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten (Hrsg.): Unter der Führung des Evangeliums: Handbuch der Benediktineroblaten, Beuron, 5. Auflage 2013
  • Johanna Domek, Ursula Theresa Dippel, Dem benediktinischen Geist nahe sein, Münsterschwarzach 2010
  • Hermine Koller, Drittgeborene Kinder Benedikts. Geschichte und Gegenwart der Benediktineroblaten, EOS Verlag 2009
  • Miltenberger: Der Dritte Orden des heiligen Franz von Assisi. Kuthal & Gesele, Aschaffenburg 1947
  • Matthäus Schneiderwirth (Hrsg.): Der Dritte Orden des heiligen Franziskus. Festschrift zum 700jährigen Jubiläum seiner Gründung. Im Auftrage des Zentralausschusses des Dritten Ordens in Deutschland. Schwann, Düsseldorf 1921
  • Klaus Bornewasser: Dominikanerinnen und Dominikaner „in der Welt“. In: Thomas Eggensperger, Ulrich Engel (Hrsg.): Frauen und Männer im Dominikanerorden – Geschichte – Spiritualität – aktuelle Projekte. Mainz 1992
  • Burkhardt Conrad: Die anderen Prediger Die Dominikanische Gemeinschaft als Teil des Ordo Praedicatorum. In: Ordenskorrespondenz – Zeitschrift für Fragen des Ordenslebens, Jg. 52/2011, Nr. 2, 133-142
  • G. Neu-Yilik, Stilfragen. Einige Reflexionen (nicht nur) über die Laien im Predigerorden. In: W. Hoyer, Hg., Gott loben, segnen, verkündigen. 75 Jahre Dominikanerprovinz des hl. Albert in Süddeutschland und Österreich, Freiburg 2014, 216-249
  • Klaus-Bernward Springer, Predigt in der Welt. Über die Geschichte der dominikanischen Laien. In: kontakt. Freundesgabe der Dominikaner der Provinz Teutonia 2014, 17-20.
  • Johannes Weise (Hrsg.): Jeder ist ein Wort Gottes für den anderen. Grundlagentexte der Dominikanischen Laiengemeinschaften. Leipzig 2009, ISBN 9783746227641 (Dominikanische Quellen und Zeugnisse Bd. 13)

Weblinks[Bearbeiten]