Communauté de Taizé

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Die Communauté de Taizé [te.ˈze] (Gemeinschaft von Taizé) ist ein internationaler ökumenischer Männerorden in Taizé, ungefähr zehn Kilometer nördlich von Cluny, Saône-et-Loire, Frankreich. Bekannt ist sie vor allem durch die in Taizé und verschiedenen anderen Orten ausgerichteten ökumenischen Jugendtreffen, zu denen jährlich rund 100.000 Besucher [1] vieler Nationalitäten und Konfessionen kommen. Der Gründer und bis zu seiner Ermordung im Jahr 2005 als Prior der Gemeinschaft tätige Roger Schutz trug maßgeblich zu der heutigen Popularität bei, die sich ungebrochen fortsetzt.

Communauté de Taizé
Mittagsgebet in Taizé

Mittagsgebet in Taizé

Ort: Taizé (Saône-et-Loire), Frankreich
Prior: Frère Alois
Mitglieder: ca. 100 Brüder aus 25 Nationen
Gründer: Frère Roger
Gründungsjahr: 1949
Das Taizé-Kreuz
Jugendliche vor dem Glockenturm von Taizé

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frère Roger, der Gründer und langjährige Prior der Communauté
Alte romanische Dorfkirche mit dem Grab von Frère Roger Welt-Icon

Roger Schutz kam am 20. August 1940 nach Taizé. Taizé lag damals nahe der Demarkationslinie zwischen dem im Juni 1940 von der Wehrmacht besetzten Norden und dem bis zum 11. November 1942 unbesetzten Teil Frankreichs (zone libre), und zwar im unbesetzten Teil. Schutz kaufte ein Haus. Er nahm Kriegsflüchtlinge und Juden auf, die auf der Flucht waren. Als die Wehrmacht die zone libre besetzte, war Schutz gerade in der Schweiz. Er blieb bis zum Herbst 1944 dort;[2] nach der Befreiung Frankreichs durch die Westalliierten kehrte er mit drei Freunden nach Taizé zurück.[3] In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten sie oft kriegsgefangene Deutsche eines nahen Gefangenenlagers und konnten mit der Zeit auch das Vertrauen der Wachen so weit gewinnen, dass sie Gefangene zum sonntäglichen Gottesdienst in der kleinen romanischen Dorfkirche Ste-Marie-Madeleine einladen durften.

1949 beschlossen die Brüder, deren Zahl weiter angewachsen war, sich endgültig dem gemeinsamen einfachen Leben in Ehelosigkeit zu verschreiben. Am Ostersonntag, dem 17. April 1949, legten die ersten sieben Brüder, Roger Schutz, Max Thurian, Pierre Souvairan, Daniel de Montmollin, Robert Giscard, Axel Lochen und Albert Lacour ihr Gelübde ab. Die ersten Brüder waren alle evangelische Christen.[4] Beim katholischen Ortsbischof holten sie die Erlaubnis ein, die romanische Dorfkirche mitnutzen zu dürfen. Der Bischof wurde von dem damaligen päpstlichen Nuntius und späteren Papst Johannes XXIII. in dieser Entscheidung bestärkt.[5] Nachdem schon die ersten katholischen Brüder in der Gemeinschaft mitgelebt hatten, legte Ostern 1969 ein junger belgischer Arzt als erster Katholik sein Gelübde ab. François Kardinal Marty, der damalige Erzbischof von Paris, gab dazu sein Einverständnis.[é.f. 1] Damit wurde die Communauté de Taizé „die erste ökumenische Brüdergemeinschaft der Kirchengeschichte“.[6]

2017 zählten etwa 100 Brüder zur Communauté. Die Brüder sind „Katholiken oder Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Sie stammen aus über fünfundzwanzig Ländern. Durch ihr Dasein selbst ist die Communauté ein konkretes Zeichen der Versöhnung unter gespaltenen Christen und getrennten Völkern.“[7]

Geschichte der Jugendtreffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1960er Jahren folgten zunehmend auch Jugendliche der Einladung, den Orden zu besuchen. Die Brüder boten den Jugendlichen eine Möglichkeit des Austausches über biblibsche und spirituelle Themen in internationalen Gruppen. Für einfache Unterkünfte und Verpflegung gegen ein geringes Entgelt war gesorgt. Unterstützung erhielten die Brüder von Ordensschwestern der Gemeinschaft von Saint-André.[7]

Durch die vielen Besucher war die romanische Dorfkirche häufig überfüllt. 1961 begann die Communauté am Rande des Dorfes den Bau der Versöhnungskirche. Der Bau wurde unterstützt durch einen Bauorden und deutsche Freiwillige der Aktion Sühnezeichen.[8] Seither kamen immer mehr Jugendliche nach Taizé, und 1966 fand das erste Jugendtreffen mit 1400 Teilnehmern aus 30 Ländern statt.

1970 kündigte Frère Roger ein Konzil der Jugend an, dessen Hauptversammlung 1974 stattfand und an dessen Eröffnung zwischen dem 30. August und 1. September 40.000 Jugendliche teilnahmen[9]. Das Konzil wurde vier Jahre vorbereitet und 1979 vorläufig ausgesetzt. Im Dezember 1982 kündigte Frère Roger während eines Besuchs in Beirut einen „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ an.[10]

Am 16. August 2005 wurde Frère Roger während des Abendgebetes in Taizé von einer psychisch kranken Frau mit einem Messer so schwer verletzt, dass er wenig später im Kreis einiger Brüder seinen Verletzungen erlag. Frère Alois, der während der Tat auf dem Weltjugendtag 2005 in Köln war, reiste sofort nach Taizé zurück und übernahm am 17. August die Aufgaben des Priors.

Die Quellen von Taizé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ordensregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brüder der Communauté leben nach der von Frère Roger verfassten Regel „die Quellen von Taizé“. Sie gehen zurück auf erste Niederschriften aus dem Jahr 1941, ein Jahr nach der Ankunft Frère Rogers in Taizé.[é.f. 2] Zur Abfassung der Regel von Taizé kam es erst zwölf Jahre nach dem Beginn des Lebens in Taizé, im Winter 1952/1953.[11] Gestützt auf das Leben und die Erfahrungen der jungen Communauté, fasst Frère Roger „das Essentielle, das das gemeinsame Leben ermöglicht“ in Worte.[é.f. 3] Diese erste Regel von Taizé erfuhr Veränderungen und Anpassungen in den Jahren 1966, 1975 und 1980.[é.f. 4] Die Ergänzungen des Jahres 1966 waren von den Erfahrungen Rogers als Beobachter des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägt.[é.f. 5] 1980 erschien die Regel unter einem neuen Titel, denn „sie hat nichts von einer Regel im eigentlichen Sinn, sie will einen einfachen Weg aufzeigen, um ein Gleichnis der Gemeinschaft zu leben“: Die Quellen von Taizé.[é.f. 6]

1990 erfuhren die Quellen von Taizé durch Frère Roger eine umfangreiche Überarbeitung. Mit letzten Änderungen im Jahr 2001 gab Frère Roger den Quellen ihre endgültige Version.[é.f. 7]

Der „Geist der Seligpreisungen“ [12] immer wieder durch: Einfachheit, Freude und Barmherzigkeit. Die Einfachheit im Glauben, die Freude an der Gemeinschaft der Menschen mit Jesus und Gott, die Barmherzigkeit im menschlichen Zusammenleben sind auch zentraler Bestandteil der Gebets- und Liedtexte.

Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit stand die Ikone der Barmherzigkeit im Mittelpunkt der Bibeleinführungen

Das Gebet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum des Lebens ins Taizé steht das drei Mal am Tage stattfindende Gebet (außer sonntags: morgens Eucharistiefeier, abends Gebet). Die Brüder sitzen im Mittelgang auf Meditationshocker oder am Boden – nur abgetrennt durch eine Buchsbaumhecke, die Jugendlichen auf dem Boden im restlichen Teil der Kirche, die je nach Teilnehmerzahl vergrößert werden kann. Der Charakter des Gebets ist einfach gehalten: Eine kurze Bibellesungen in den Sprachen der an den Jugendtreffen teilnehmenden Jugendlichen, ein mehrsprachiges kurzes Gebet durch den Prior. Einen großen Teil des Gebets nehmen die Gesänge ein (siehe unten). Zentrum eines jeden Gebets ist die etwa zehnminütige Stille. Das Gebet hat durch das wiederholte Singen der einfachen Verse, die Stille und der ruhigen Atmosphäre einen meditativen Charakter.

Das Gebet morgens und mittags dauert rund eine Dreiviertelstunde – Frühstück und Mittagessen schließen an. Abends gibt es ein offenes Ende: zwar beenden viele der Brüder nach einiger Zeit das Gebet und verlassen die Kirche in die Sakristei, einige andere Brüder bleiben aber sitzen und singen mit den Jugendlichen weiter oder bieten im hinteren Teil der Kirche die Möglichkeit des Gesprächs an. Katholische Priester nehmen zudem das Sakrament der Beichte ab, evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer bieten die Möglichkeit des Gesprächs. Oft singen einige Jugendliche bis spät in die Nacht.

Innenraum Kirche der Versöhnung

Das Gebet der Communauté hat sich über die Jahre hinweg stark verändert, es ist immer einfacher geworden. Es ging Frère Roger immer darum, dass im Gebet niemand überfordert wird. Er war überzeugt, dass z.B. ein langer und komplizierter Text Menschen die Liebe vernebelt, die der Heilige Geiste uns im Gebet anbietet. Um das Gebet so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen, entstanden die einfachen und meditativen Gesänge. Es sollte nichts „jugendgemäßes“ entstehen; die Gesänge von Taizé entsprechen keinem populären Musikstil, sondern setzen eine zutiefst monastische Tradition fort. Ihre Texte sind weitgehend den Psalmen und anderen Schrifttexten entnommen; es sind meditative Wiederholgesänge. [...] Durch Gesang und Stille entdecken die Jugendlichen ein neues Herz, ein Herz ohne Falten, ein aufgefaltetes Herz. [...]Ein offenes und lauteres Herz lernt, Entscheidungen und Intuitionen reifen zu lassen, dem Leben eine Richtung zu geben, heikle Situationen und Sackgassen zu erkennen. [13]

Der Osterzyklus in einer Taizé-Woche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In jeder Woche durchleben die Besucher den Zyklus der Ostertage: Am Freitag wird an den Tod Jesu erinnert. Am Samstagabend wird im Lichtergebet die Auferstehung Jesu Christi, Ostern, gefeiert. Während des Gottesdienstes wird an der Osterkerze ein Licht entzündet, das von Kindern, die zu Besuch bei der Gemeinschaft sind, an die Brüder und von dort an die Jugendlichen immer weitergegeben wird.

Eucharistie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Eingangsbereich der Kirche ist folgender Hinweis zur Eucharistie bzw. Abendmahl angebracht:

„Die Eucharistiefeier findet sonntags um 10 Uhr und werktags in der Krypta um 7.30 Uhr statt. Am Ende des Morgengebets besteht die Möglichkeit, die in der Eucharistiefeier konsekrierten Gaben zu empfangen; sie werden von Brüdern ausgeteilt. Der Tabernakel befindet sich neben der Marienikone.

Die Göttliche Liturgie für die Orthodoxen wird zu den Zeiten gefeiert, in denen ein orthodoxer Priester anwesend ist. Es finden regelmäßig evangelische Abendmahlsgottesdienste statt.

Wer aus den Kirchen der Reformation kommt, hat die Gelegenheit, jeden Tag am Ende des Morgengebets das Abendmahl zu empfangen; es wird beim Kreuz rechts neben der Auferstehungsikone von Jugendlichen ausgeteilt. Andere Jugendliche teilen gesegnetes Brot aus. Jeder kann dieses gesegnete Brot zu sich nehmen:

  • wer sich für nicht vorbereitet hält, die Gegenwart Christi in der Eucharistie zu empfangen
  • wer nicht getauft ist
  • die Kinder
  • alle, die aus verschiedenen Gründen nicht die Eucharistie empfangen wollen“

Diese sorgfältige Unterscheidung der verschiedenen Eucharistiefeiern und das zusätzliche Angebot des „gesegneten Brotes“ vor allem für Ungetaufte (nach dem orthodoxen Brauch des Antidoron) gründet auf den unterschiedlichen und einander ausschließenden Lehren und Vollzügen des Abendmahls bzw. der Eucharistie der verschiedenen Konfessionen, die zu den wichtigsten Hindernissen einer ökumenischen Einigung gehören. Eine interkonfessionelle Abendmahlsgemeinschaft ist deshalb nur zwischen den Kirchen möglich, die dies ausdrücklich miteinander vereinbart haben. Aus Rücksicht darauf werden in Taizé keine gemeinsamen Eucharistiefeiern angeboten. Die Sonntagseucharistie in der Versöhnungskirche wird immer von einem römisch-katholischen Priester geleitet. Dabei ist die Zahl der Teilnehmer regelmäßig so groß, dass eine Kontrolle über die Konfessionszugehörigkeit der Kommunionempfänger weder möglich ist noch angestrebt wird. Katholische Bischöfe oder Kardinäle, die in Taizé zu Gast sind, zelebrieren wie selbstverständlich, wissend, dass viele Teilnehmer nicht-katholisch sind.

Seit Sommer 2017 wird montagmorgens im Morgengebet keine Eucharistie ausgegeben, um den Brüdern während der Bibeleinführungen am Montag die Möglichkeit zu geben, den Sinn des eucharistischen Mahls zu erklären. Ab Dienstag sind die Morgenandachtbesucher dann eingeladen, das gewandelte Brot und den gewandelten Wein – in Taizé wird unter „beiderlei Gestalt“ empfangen – zu empfangen.

Ansprache des Priors[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zumeinst an einem Donnerstagabend spricht der Prior im Rahmen des Abendgebets zu den Besuchern. Dabei geht er z.B. auf das aktuelle Weltgeschehen ein, begrüßt Gäste aus fernen Ländern und spricht mit ihnen über ihre Glaubenserfahrungen oder geht auf einen Aspekt aus Frère Rogers Leben und Denken ein. Die Ansprache erfolgt zumeist auf französisch, die Übersetzung findet in verschiedenen Teilen der Kirche entweder über Lautsprecher (für große Gruppen wie die Deutschen) oder über Kopfhörer durch Brüder der Gemeinschaft statt.

Frère Alois bei seiner Donnerstagabendansprache - einige Brüder übersetzen

Die Gemeinschaft der Brüder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Communauté hat heute knapp 100 Mitglieder aus über 25 verschiedenen Ländern. Bekannte Mitglieder waren und sind Denis Aubert (Architekt der Versöhnungskirche), Robert Giscard (Gründungsmitglied), Frère John (Theologe), Daniel de Montmollin (Gründungsmitglied), Éric de Saussure (Künstler und Gestalter der Glasfenster in der Versöhnungskirche), Pierre Souvairan (Gründungsmitglied), Pierre-Yves Emery, An Seon Jae (Professor für englische Sprache und Literatur) und Max Thurian (Gründungsmitglied und Konzilsbeobachter beim Zweiten Vatikanischen Konzil). Derzeit leben in Taizé elf aus dem deutschen Sprachraum entstammende Brüder. Neben Prior Alois sind dies die Frères Bernard, Francis, Kilian, Leo, Norbert, Philip, Rouven, Rudolph, Timothée und Ulrich.

Die evangelischen Räte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Anfangsjahren legten die Brüder kein Gelübde ab. Mit der Zeit erkannte Frère Roger aber, dass eine Gemeinschaft ohne die evangelischen Räte nicht funktioniert: Im Jahre 1949 legten also die ersten sieben Brüder ein lebenslanges Gelübde ab: Gütergemeinschaft, Zölibat und Anerkennung einer Autorität (des Priors).[14]

Habit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Habit der Brüder von Taizé ist in einem schlichten Weiß gehalten. Die Ärmel sind länger ausgearbeitet, zudem besitzt das Gewand eine Kukulle. Ein Gürtel oder einem Zingulum, mit dem das Ordenskleid gebunden wird, ist nicht vorhanden, ebenso gibt es keine Tunika (Untergewand). Die Brüder tragen den Habit üblicherweise nur während der drei Gebete. Frère Roger und der aktuelle Prior Alois tragen den Habit gelegentlich bei öffentlichen Auftritten wie Intervierws [15].

Prioren der Communauté[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frère Roger mochte den Titel „Prior“ nicht: „Während einer Zusammenkunft unseres Bruderrats habe ich meine Brüder daran erinnert, daß ich den Namen Prior innerhalb der Gemeinschaft immer abgelehnt habe. Dieser Begriff ist für die Außenwelt bestimmt und bezeichnet ein Dienstamt. Für die Communauté bin ich nur der Diener der Gemeinschaft“.[16] Große Entscheidungen trifft der Prior im Gespräch mit dem Brüderrat, der jährlich zusammentritt und dem alle Brüder angehören.[17]

Prior Herkunft Amtszeit Bemerkung
Frère Roger Schutz Schweiz 1949–2005 Gründer der ökumenischen Bruderschaft Communauté de Taizé. Im Mai 1940 traf Roger Schutz in Taizé ein, wo er sich in einem verlassenen Haus einrichtete. In seinem Haus fanden Flüchtlinge, vor allem Juden, Schutz vor der Gestapo, denn Taizé lag unweit der damaligen Demarkationslinie zum besetzten Frankreich. Nach Kriegsende kümmerte er sich um deutsche Kriegsgefangene. Geleitet von dem Vorbild seiner Großmutter, die im Ersten Weltkrieg Flüchtlinge aufgenommen hatte und sich bemühte, die durch den Krieg verfeindeten Christen miteinander auszusöhnen, setzte er sich das Ziel, Taizé zu einer Stätte des Gebets, des Friedens und der Aussöhnung zwischen allen Menschen christlichen Glaubens zu machen. Er wurde am 16. August 2005 während des Abendgebetes von einer psychisch kranken Frau in der Versöhnungskirche von Taizé erstochen.
Frère Alois Löser Deutschland seit 2005
Frère Alois

Nach der Ermordung Frère Rogers folgte er diesem als Prior nach. Frère Roger hatte ihn bereits acht Jahre vor seinem Tod zu seinem künftigen Nachfolger ab 2005 bestimmt, da laut der Ordensregel die Ernennung des Nachfolgers dem Prior zufällt.[18] Frère Alois hatte in den letzten Jahren Roger Schutz bereits in vielen Veranstaltungen vertreten und gewann einige Bekanntheit, einerseits durch seine zahlreichen Radio- und Fernsehinterviews, andererseits durch seine musikalische Tätigkeit. Viele der aktuellen Taizé-Lieder stammen aus seiner Feder. Auch schreibt Frère Alois die "Jahresbriefe", die als Grundlage für die Kleingruppen bei der Bibelarbeit dienen.

Fraternitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brüder leben nicht nur in Taizé – einige von ihnen leben in kleinen Fraternitäten unter armen Menschen auf den verschiedenen Kontinenten, so z.B. in Senegal, Kenia, Korea, Bangladesch, Brasilien, Kuba und Frankreich [19]. Sie wollen damit versuchen, unter den Ärmsten ein Zeichen der Liebe zu sein und „teilen ihr Leben mit Straßenkindern, Gefangenen, Sterbenden, mit Menschen, die unter zerbrochenen Beziehungen und Verlassenheit leiden“[20]. Die erste Fraternität wurde 1952 im etwa 40 Kilometer von Taizé entfernten Bergarbeiterstädchen Montceau-les-Mines eingerichtet. Oft sind diese Fraternitäten nur Provisoren.

Die „Kleinen provisorischen Gemeinschaften“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Sommer 2014 leben Jugendliche in sog. „Kleinen provisorischen Gemeinschaften“, die in Taizé ebenfalls Fraternitäten genannt werden. In den gastgebenden (Kirchen-)Gemeinden nehmen die Jugendlichen am Leben der christlichen Ortsgemeinden, besuchen einsame und hilfsbedürftige Menschen und gestalten kleine Gebete oder Jugendtreffen [21]. Zudem beten sie die Kleinen provisorischen Gemeinschaften drei Mal am Tag im Stile von Taizé. Im deutschsprachigen Raum gab es solche kleine Gemeinschaften schon z.B. in Aschaffenburg, Berlin-Pankow, Düsseldorf-Gerresheim, Dresden-Cotta, Karlsruhe und Minden (alle Deutschland), Bulle, Delémont und Oberrieden (alle Schweiz) und Amstetten (Österreich). Sowohl weibliche als auch männliche Jugendliche nehmen an diesen zeitlich beschränkten Projekten teil. Die zwei bis fünf Jugendlichen stammen aus verschiedenen Ländern Europas, aber auch von Übersee, Afrika und Asien. Diese temporären Gemeinschaften gibt oder gab es bis in vielen Ländern Europas [22]. Die „kleinen provisorischen Gemeinschaften“ kann man als Fortentwicklung dessen verstehen, was schon beim „Konzil der Jugend“ angedacht war: Junge Frauen und Männer sollten ausgesandt werden, um vor Ort nach Hoffnungszeichen zu suchen [23].

Finanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brüder von Taizé bestreiten ihren Lebensunterhalt aus dem Erlös ihrer Arbeit. Bekannt sind vor allem die Töpferwerkstatt und andere künstlerische Arbeiten wie das emaillierte Taizé-Kreuz, das es in unterschiedlichen Farben und Größen gibt. Zudem verkaufen die Brüder zahlreiche Bücher und Tonträger mit den „Gesängen aus Taizé“. Die Brüder nehmen keine Spenden an; Erbschaften werden an Bedürftige weitergereicht. Auf den verschiedenen Kontinenten unterstützt die Communauté Menschen in Schwierigkeiten, unter anderem bedürftige oder kranke Kinder. Diese sog. „Operation Hoffnung“ unterstütze so in den vergangengen Jahren z.B. Flüchtlinge in Ungarn und Jordanien, den Bau einer Augenklinik im Kongo oder half den Erdbebenopfer in Nepal. Seit 1998 schickt die Communauté von Taizé über die humanitäre Hilfe nach Nordkorea, vor allem medizinisches Material und Kindernahrung. [24] Darüber hinaus muss sie bisweilen Jugendlichen helfen, die für ihre Fahrt und ihren Aufenthalt in Taizé oder zu den Europäischen Jugendtreffen nicht selbst aufkommen können, weil sie aus fernen Ländern mit ungünstiger Wirtschaftslage kommen.

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brüder versorgten sich zunächst mit Landwirtschaft. Daraus ging 1954 eine Molkereigenossenschaft hervor, der nach wenigen Jahren über 1200 Milchbetriebe angehörten. 1964 brachte die Communauté ihren Landbesitz, Tiere sowie Maschinen in eine landwirtschaftliche Produktionsgemeinschaft ein, die sie zusammen mit fünf Familien gründete.[25]

Jugendtreffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pilgerweg des Vertrauens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Zielen der Communauté gehört es, mit jungen Erwachsenen (und für die Jugendarbeit Verantwortlichen) quer durch die Ortskirchen einen „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ zu gehen, der sich der Bergpredigt Jesu von Nazaret in besonderer Weise verpflichtet weiß. Dabei werden gemeinsames Beten, Nachdenken über praktische Umsetzungsmöglichkeiten der Bergpredigt bis hin zu politischem Engagement auf unkomplizierte Weise miteinander verbunden.

Übersichtsplan von Taizé
Eine Gruppe deutscher Jugendlicher beim Europäischen Jugendtreffen in Paris 2002/2003

Dieser Weg hat nicht die Gestalt einer fest organisierten Bewegung; vielmehr werden Jugendliche dazu aufgerufen, sich in ihrem Alltag für Frieden, Versöhnung in der Kirche und Vertrauen auf der Erde zu engagieren. Als Etappe auf diesem Pilgerweg werden seit 1978 zum Jahreswechsel mehrtägige Europäische Jugendtreffen vorbereitet. Waren es in den Anfangsjahre zwischen 15.000 und 20.000 Jugendliche, die „zwischen den Jahren“ in einer europäischen Metropole zusammenkamen, so steigerte sich die Teilnehmerzahl – vor allem nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs – auf über 100.000 Teilnehmer, so 1992 in Wien oder 1994 in Paris [26]. In den vergangenen Jahren gingen die Teilnehmerzahlen wieder zurück, so nahmen rund 15.000 am Treffen 2016/17 in Riga und etwas über 15.000 am Treffen 2017/18 in Basel teil[27]. Das nächste europäische Treffen findet 2018/19 in Madrid statt. Seit den 1980er Jahren finden in unregelmäßigen Abständen Treffen auf anderen Kontinenten statt. Seit 2006 finden auch Treffen außerhalb Europas statt.

Jugendtreffen in Taizé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleichzeitig treffen sich Woche für Woche mehrere Tausend, in den Sommermonaten und an Ostern teilweise bis zu 6000 Jugendliche in Taizé, um dort an den internationalen Jugendtreffen teilzunehmen. Der Gedanke dieser Treffen ist auch wieder in die Herkunftsländer der Besucher zurückgeflossen. Jeder Teilnehmer der Treffen ist eingeladen, im christlichen Glauben einen Sinn für das eigene Leben zu finden und sich darauf vorzubereiten, zu Hause Verantwortung zu übernehmen. Heute finden sich zahlreiche provisorische Gruppen, die auch außerhalb von Taizé in ähnlichem Stil Andachten und Gottesdienste feiern, beispielsweise in Form einer Nacht der Lichter. Frère Roger tat sein Übriges dazu, indem er jedes Jahr einen Brief an die Jugendlichen („Brief aus Taizé“) verfasste und in die ganze Welt hinaus verschickte.

Aufenthalt in Taizé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typischer Tagesablauf
08:15 Morgengebet mit Kommunion oder gesegnetem Brot
anschließend Frühstück
10:00 Bibeleinführung in großen Gruppen
anschließend Kleingruppengespräche
12:20 Mittagsgebet
anschließend Mittagessen
14:00 verschiedene Arbeiten, Chor oder Gespräche
17:00 Tee
17:30 Workshops/Regionaltreffen
19:00 Abendessen
20:30 Abendgebet mit offenem Ende
23:30 Nachtruhe (Kirche bleibt zum Beten und Singen geöffnet)

Grundsätzlich ist ein Aufenthalt in Taizé an wenige feste Regeln gebunden. Es existieren Essenszeiten und gemeinsame Gebete, außerdem wird ein wöchentlicher Turnus eingehalten, der auf die Ankunft am Sonntagnachmittag und Abreise am darauf folgenden Sonntagmittag ausgelegt ist und von den meisten Besuchern eingehalten wird. Anmelden sollte man sich mindestens zwei Wochen vor dem Aufenthalt.

Nach der Ankunft werden Besucher wenn möglich in ihrer Muttersprache begrüßt und bekommen einen kurzen Überblick über die Anlagen und Tagesabläufe in Taizé. Die Unterbringung erfolgt für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 29 Jahren in Baracken oder Großraumzelten, das Mitbringen von eigenen Zelten oder Wohnwagen ist ebenfalls möglich und besonders in der Hauptsaison sinnvoll. Bei den 15- bis 16-Jährigen schlafen Betreuer mit in der Unterkunft.

Für Unterbringung und Verpflegung wird von Jugendlichen aus Deutschland ein Kostenbeitrag zwischen 7 € und 10 € pro Person und Tag entrichtet. Der Betrag variiert je nach Herkunftsland, um den verschiedenen wirtschaftlichen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. So können die Teilnehmer nach ihren persönlichen Gegebenheiten beitragen, um finanziell Schwächeren einen verbilligten Aufenthalt zu ermöglichen. Erwachsene ab 30 Jahren haben eine gesonderte Unterbringung und ein eigenes Programm, Familien mit Kindern treffen sich im 600 m entfernten Olinda in Ameugny, wo auch eine Betreuung für Kleinkinder angeboten wird. Die Teilnehmerzahl ist allerdings, aufgrund der starken Überlastung des Ortes, seit 2006 auf bestimmte Kalenderwochen und während dieser Wochen auf 100 Familien pro Woche beschränkt. Die Familien werden weiterhin gebeten, nicht öfter als einmal in zwei Jahren zu kommen.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Zeiträume zwischen den Gebeten und Mahlzeiten ist es möglich, sich für eines von drei Themengebieten, die sich meist mit Bibeltexten oder Auszügen aus dem Brief aus Taizé befassen, zu entscheiden. Diese werden dann täglich vormittags im Rahmen der Bibeleinführung von einem Bruder vorgestellt und anschließend in multinationalen und oft auch multilingualen Kleingruppen besprochen. Nachmittags werden die Gesprächsgruppen fortgesetzt, oder es wird während der Zeit eine gemeinnützige Arbeit verrichtet.

Bibeleinführung in Taizé für 15- und 16-Jährige

Diese Arbeiten werden ebenfalls zu Beginn der Woche verteilt und beinhalten Aufgaben, die im laufenden Betrieb anfallen, beispielsweise Kochen, Abwaschen, Putzen und Aufräumen des großen Geländes. Darüber hinaus werden aber auch Nightwelcome-Helfer (umgangssprachlich auch häufig Nightguards genannt – diese Bezeichnung entspricht jedoch nicht der Vorstellung der Brüder), die für die Nachtruhe sorgen, Helfer für die Gottesdienste, Betreuer für die Kinder in Olinda, Verkäufer für das Oyak, Helfer für die Taizé-eigene Werkstatt genannt Cadole, Helfer für die Ordnung auf dem Gelände, Helfer für den Auf- und Abbau der Großraumzelte und geübte Sänger für den Chor während der Gottesdienste aus den Reihen der Besucher eingeteilt. Vor dem Abendessen besteht die Möglichkeit, an einem Workshop oder einer Diskussion mit täglich wechselnden Themen teilzunehmen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Woche in Taizé ist von der Erfahrung des Lebens in Gemeinschaft geprägt. Jeder und jede übernimmt eine kleine Aufgabe: Empfang und Verteilung von Unterkünften, Abwasch, Toiletten und Duschen putzen. Darüber hinaus gibt es eine größere Anzahl von freiwilligen Helfern, die einen längeren Zeitraum zwischen vier Wochen und einem Jahr in Taizé verbringen. Die Helfer organisieren die einzelnen Arbeitsteams, erledigen Aufgaben wie die Begrüßung neuer Besucher, die Arbeit im Casa oder in La Morada, die Leitung des Küchenteams usw.

Musik aus Taizé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist die Communauté de Taizé auch für ihre charakteristischen Gesänge, die in vielfacher Wiederholung gesungen werden: einstrophig, kurz, in schlichtem Satz, oft vierstimmig oder kanonisch. Die meisten dieser Gesänge wurden von dem frühen Bruder Robert Giscard, ab dem Jahr 1975 von Jacques Berthier, einige von dem französischen Jesuiten Joseph Gelineau und die meisten neuen Lieder von verschiedenen Brüdern der Communauté komponiert. Viele neuere Lieder stammen aus der Feder des Priors Frère Alois. Für viele Gesänge gibt es Instrumentalbegleitstimmen. Im Handel sind Gesangbücher und CDs erhältlich.

Viele Gesänge der Communauté wurden vom Gotteslob und vom Evangelischen Gesangbuch übernommen; man findet sie in den üblichen Gottesdiensten christlicher Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder. Viele bestehende Chöre üben sie, um mit vielen anderen Menschen gemeinsam zu beten und zu singen. Diese Gesänge sind zentraler Bestandteil der in aller Welt gefeierten und an die Gottesdienste in Taizé angelehnten „Nacht der Lichter“ (diese finden beispielsweise auch immer auf Katholikentagen oder evangelischen Kirchentagen statt).

Fast alle Lieder können in mehreren Sprachen gesungen werden. Die Gesangstexte basieren meist auf einer Bibelstelle oder einem kurzen Zitat/Gebet eines großen Theologen (z.B. nimmt „Aber du weißt den Weg für mich“ große Teile von Dietrich Bonhoeffers Gebet „Gott, zu dir rufe ich“ auf). Die Lieder sind in Latein, in den verschiedensten in Europa gesprochenen Sprachen und zuletzt auch in fernöstlichen Sprachen oder arabisch verfasst.

Im jährlich neu erscheinenden Liedheft „Chants de Taizé“ wird der Liedtext des Liedes, dessen Sprache namensgebend ist, mit den Noten abgedruckt. Weitere Sprachen, die auf die Melodie singbar sind, werden am Rande mit einem Notensymbol dargestellt. Ist die Melodie nicht mit der Übersetzung singbar, werden die Übersetzungen in Klammern angegeben. So kommt es, dass z.B. das im deutschen Sprachraum sehr bekannte Taizé-Lied „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht“ im Taizé-Liederheft mit dem katalanischen Titel „El Senyor“ geführt – und in Taizé auch häufig so gesungen – wird. Liedtexte von liturgischen Antwortgesängen („Halleluja“, „Kyrie eleison“, „Agnus Dei“) bleiben hingegen unübersetzt und werden in Latein oder Griechisch gesungen.

Liederhefte
Liederheft beim Lichtergottesdienst

Liste von Taizé-Gesängen, deren Titel in deutscher Sprache ist. (Die angegebenen Nummern entsprechen der Nummerierung der Lieder im Liedheft 2017/2018): [28]

  • Aber du weißt den Weg für mich (139)
  • Behüte mich, Gott (137)
  • Bleib mit deiner Gnade (147)
  • Bleibet hier und wachet mit mir (3)
  • Frieden, Frieden (135)
  • Jubelt und freut euch (107)
  • Singt dem Herrn (24)
  • Vater unser (146)

Liste von Taizé-Gesängen, deren Melodie auch mit deutschem Text singbar ist:[29]. (In Klammern der Titel in der Originalsprache mit Nummer)

  • Bei Gott bin ich geborgen (französisch Mon âme se repose, 32)
  • Christus, dein Geist (schwedisch Kristus, din Ande, 120)
  • Christus, dein Licht (französisch Jésus le Christ, 9)
  • Dein Feuer, Schöpfer Geist (französisch Esprit consolateur, 126)
  • Du bist der Quell des Lebens (italienisch Tu sei sorgente viva, 39)
  • Du bist Verzeihen (lateinisch Christe Salvator, 21)
  • Eines nur ist mein Verlangen (französisch Une soif emplit notre âme, 62)
  • Geist der Zuversicht (italienisch Vieni Spirito creatore [canon], 57)
  • Glücklich sind (französisch Les Béatitudes, 100)
  • Gott aller Liebe (französisch Toi, tu nous aimes, 54)
  • Gott ist nur Liebe (portugiesisch Bóg jest miloscia, 113)
  • Größer kann die Liebe nicht sein (französisch Grande est ta bonté, 64)
  • Im Dunkeln unserer Nacht (französisch De nos obscurités, 1)
  • In dunkler Nacht (spanisch De noche, 12)
  • Lobsingt ihr Völker (lateinisch Lautate omnes gentes, 23)
  • Lobet Gott (polnisch Wysławiajcie Pana, 121)
  • Meine Hoffnung und meine Freude (katalanisch El Senyor, 17)
  • Nah ist der Herr (englisch Wait for the Lord, 2)
  • Preist den Herrn (französisch Bénissez le Seigneur 16)
  • Singt ein Danklied (französisch Rendez grâce au Seigneur, 102)
  • Vertraut dem Herrn (französisch Notre âme attend, 7)
  • Wach auf! (französisch C'est toi ma lampe, Seigneur, 8)
  • Wer Gott sucht (französisch Die ne peut que donner son amour, 51)

Inhaltlich werden verschiedene Bezüge hergestellt: Die Liebe Gottes („Ubi caritas“ oder „Gott ist nur Liebe“), der Friede Gottes / Jesu’ („Frieden, Frieden, hinterlasse ich euch“) und die Freude an Gott („Meine Hoffnung und meine Freude“). Zudem sind viele christologische Bezüge festzustellen, so z.B. in „Christus, dein Licht“ (Jésus le Christ), „Christus, dein Geist“. Auch der Heilige Geist als dritter Bestandteil der Trinität findet in den Texten der Lieder immer wieder Ansprache, so z.B. im Lied „Atme in uns, Heiliger Geist“ (das in der aktuellen Version des Liederheftes nicht aufgenommen ist) oder „Geist der Zuversicht“ („Vieni Spirito creatore“). In den Gottesdiensten (vor allem beim Lichtergottesdienst samstagabends, aber auch bei der Kreuzanbetung freitags) spielt die Licht- und Dunkel-Symbolik eine große Rolle: „Im Dunkeln unserer Nacht“ (De nos obscurités), „In dunkler Nacht“ (De noche), „Christus, dein Licht“. Schließlich lassen sich anthropologische Verweise feststellen, dabei geht es vor allem um die Hoffnung auf Gott („Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht“) und um Gott als Begleiter der Menschen („Aber du weißt den Weg für mich“) [30].

Ausstrahlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frère Roger während eines Gebets

Die Communauté ist eine stark besuchte Brudergemeinschaft. Der Verzicht auf alltägliche Dinge fällt den Besuchern meist nicht schwer. Viele, auch nicht-gläubige Menschen, kommen wiederholt nach Taizé. Die Brüder stehen überzeugend für das Grundprinzip, das von Frère Roger formuliert wurde: „Wir wollen vor allem Menschen sein, die anderen zuhören. Wir sind keine Lehrmeister.“ Mit diesem Prinzip gewinnt die Communauté an Bedeutung für die ökumenische Bewegung. Die Gemeinschaft legt Wert darauf, dass sie keine „eigene Theologie“ vertritt: „Es gibt keine Botschaft von Taizé“.[31]

Die Communauté will erklärtermaßen keine eigenständige Bewegung sein. Die Brüder sehen ihre Aufgabe darin, neue Horizonte für Kirchengemeinden zu eröffnen, und ermutigen die Menschen immer, sich auch in den Gemeinden vor Ort zu engagieren.

Anlagen und Gebäude in Taizé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftansicht des Dorfes und dem Klostergelände mit Umland

Die Versöhnungskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Versöhnungskirche (Taizé)

Die Kirche der Versöhnung ist die 1962 erbaute Hauptkirche in Taizé. Hier finden die drei Gebetszeiten statt. Die Anbauten im Westen lassen sich durch Rolltore vom Kirchenraum abtrennen und dienen dann als Gruppenräume für Workshops und Vorträge.

Der künstliche See an der Quelle St. Etienne
Eingang zum Tal der Stille
Steinzeug aus den Werkstätten der Brüder
Collage aus der Werkstatt der Brüder, hergestellt von Frère Stephen
Busse fahren von Taizé nach Chalon-sur-Saône, Cluny und zum TGV-Bahnhof Gare de Mâcon-Loché

El Abiodh[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

El Abiodh ist die 1965 erbaute Krankenstation mit kleinem Gästehaus der Communauté de Taizé. Der Name stammt von einer Stadt in der südalgerischen Wüste. Dort hat René Voillaume mit einigen Gefährten in der Nachfolge Charles de Foucaulds gelebt. Daraus entstanden die Kleinen Brüder Jesu. Die Stadt heißt heute El Abiodh Sidi Cheikh. Das Haus El Abiodh hat zwei angebaute Flügel, die Konstantinopel und Lambaréné genannt werden.

La Morada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(span. „der Wohnsitz“, „der Aufenthalt“) La Morada ist die Anlaufstelle der Communauté de Taizé, sie wird auch „Maison Jaune“ (gelbes Haus) genannt. Dort können Wertgegenstände abgegeben werden, aktuelle Tageszeitungen liegen aus und dringende Mitteilungen sowie Briefe können dort hinterlegt werden. Angrenzend an das Haus befinden sich ein Garten und Werkstätten der Brüder der Communauté. Morada ist spanisch und bedeutet so viel wie „die Heimat, die Wohnung“; La Morada ist außerdem eine Stadt in Chile.

Casa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Casa (span. „Haus“) ist die Anlaufstelle für die Jugendtreffen. Jeder, der nach Taizé kommt, meldet sich hier an und erhält alle wichtigen Informationen für die Zeit des Aufenthaltes. Außerdem ist es erste Kontaktstelle bei Problemen. Früher wurde dieses Haus „Tenietz“ (nach dem Kloster Mariánská Týnice) genannt.

Oyak[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Oyak ist ein kleiner Kiosk, in dem man zum Selbstkostenpreis Getränke, einen kleinen Imbiss und andere Artikel des täglichen Gebrauchs kaufen kann. Abends treffen sich hier viele der Jugendlichen, um zusammen Musik zu machen und sich zu unterhalten. Der Ausschank von Alkohol ist auf ein Getränk pro Person und Tag beschränkt. Oyak ist eine Stadt in der Provinz Douala, Kamerun.

Der Garten der Stille[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das parkähnliche Gelände in der Nähe der Unterkünfte ist ein Ort der Ruhe und Einkehr. Es führen mehrere Wege durch den Wald hinunter zum See an der Quelle St. Etienne, der biologisch (Klärteiche) angelegt ist. Es gibt mehrere Wege um den See sowie einige Wiesen. Hier befindet sich auch eine kleine Kapelle zur stillen Kontemplation.

Exposition des Ateliers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exposition des Ateliers (franz. „Ausstellung der Werkstätten“) an zentraler Stelle in Taizé, direkt neben der Kirche, ist der Ort, an dem die Brüder ihre selbstproduzierten Waren ausstellen und verkaufen. Dazu gehören u. a. Geschirr, Collagen, Grafiken, Bücher, CDs, DVDs, kleine Anhänger (Kreuz/Taube) und Postkarten. Weitaus am verbreitetsten ist das so genannte Taizé-Kreuz, das viele junge Menschen um den Hals tragen.

Olinda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olinda wurde ein Gelände für Familientreffen, der auch eine Kinderbetreuung vorsieht, im Nachbarort Ameugny getauft. Der Name ist eine Anlehnung an die brasilianische Küstenstadt Olinda in Gedenken an die Verbindung mit Bischof Dom Hélder Câmara und die erste Bruderschaft in dessen Diözese Recife-Olinda.[32]

Chittagong[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chittagong ist der Name des Campingplatzes in Taize. Er ist benannt nach der Stadt Chittagong in Bangladesch.

Anschluss an den Öffentlichen Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Taizé ist eine Bushaltestelle der lokalen Buslinie von Chalon-sur-Saône über Cluny und den TGV-Bahnhof Gare de Mâcon-Loché-TGV bis nach Macon. Sollte man die öffentliche Buslinie am Abreisesonntag für den Weg nach Macon nutzten, kann man sich in Taizé zuvor in eine Liste eintragen lassen, um auch einen Platz im Bus zu bekommen.

Nacht der Lichter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Nacht der Lichter" beim 99. Katholikentag in Regensburg

Mit Nacht der Lichter werden Gebete mit Gesängen aus Taizé bezeichnet, die im Herbst und Winter in vielen Gemeinden stattfinden und auf die Europäischen Jugendtreffen über den Jahreswechsel einstimmen und zur Vorbereitung auf diese Treffen dienen. Es wird jährlich ein Text-Vorschlag für die Gestaltung einer solchen „Nacht der Lichter“ herausgegeben. Die Bezeichnung bezieht sich auf die in Taizé jeden Samstagabend stattfindende Lichterfeier, in der der Auferstehung Jesu Christi gedacht wird. Dabei erhält jeder Besucher am Eingang eine Kerze. Diese werden im Verlauf des Gebets während des Gesangs der Reihe nach, ausgehend von einem Kind, entzündet.

Die Lichterfeier in Taizé nimmt der Radiosender domradio jeden Samstagabend auf und sendet diese dann von 22 bis 23 Uhr und stellt die Gottesdienste als Podcast zur Verfügung. Zeitgleich wird sie auch von Radio Horeb ausgestrahlt.[33]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen für die Gemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frère Roger bei der Verleihung des Friedenspreises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit dem damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Helmut Kohl und Bundestagsvizepräsident Hermann Schmitt-Vockenhausen
„Das Kuratorium ist der Überzeugung, dass die Communauté de Taizé ein Engagement für Freiheit der Religion und des Gewissens vorlebt, wie es Präsident Roosevelt als eine Voraussetzung für eine bessere Welt bezeichnet hatte.“

Auszeichnungen für Frère Roger als Prior von Taizé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher von Frère Roger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aus der Stille des Herzens – Gebete. Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 3-451-29039-1.
  • Eine Ahnung von Glück – Erfahrungen und Begegnungen. Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 3-451-28977-6.
  • Die Quellen von Taizé – Gott will, dass wir glücklich sind. Herder, Freiburg im B. 2004, ISBN 3-451-28408-1.
  • In allem ein innerer Friede. Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 3-451-28346-8. (Ein Jahresbegleitbuch mit kurzen Meditationen für jeden Tag)
  • Einfach vertrauen – Gedanken und Begegnungen. Herder, Freiburg im Br. 2006, ISBN 3-451-28832-X.
  • Gott kann nur lieben. Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 3-451-27936-3.

Gesänge und Gebete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gesänge aus Taizé. Herder, Freiburg im B. 2014, ISBN 978-3-451-33460-3 (Gesangsheft aus der Kirche von Taizé, alle aktuellen Gesänge in vielen Sprachen)
  • Gemeinsame Gebete für das ganze Jahr. Herder, Freiburg im B. 2007, ISBN 978-3-451-29571-3 (Gebetbuch für den gemeinschaftlichen und persönlichen Gebrauch, dem Stundengebet der Kirche nachempfunden)

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Nientiedt (Hrsg.): Taizé – Weltdorf für innere Abenteuer. Herder, Freiburg im B., 2006, ISBN 3-451-05715-8. (Reportagen, Aussagen, Analysen und Hintergrundberichte)
  • Kathryn Spink: Frère Roger, Gründer von Taizé – Leben für die Versöhnung. Herder, Freiburg im B. 2007, ISBN 978-3-451-29397-9. (Die Geschichte der Communauté von Taizé und ihres Gründers. Aktualisierte Neuausgabe 2007)
  • Verschiedene: Frère Roger, Taizé. Ein Bildband – Herausgegeben von der Communauté de Taizé. Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 3-451-29187-8.
  • Marc Dannlowski: Taizé – Pilgerweg zur Ökumene. Logos Verlag, 2004, ISBN 3-933828-98-8. (Informationen zur Gründung und Theologie von Taizé)
  • Jean-Claude Escaffit und Moiz Rasiwala: Die Geschichte von Taizé. Herder, Freiburg im B. 2009, ISBN 978-3-451-29959-9.
  • Andreas Stökl: Taizé – Geschichte und Leben der Brüder von Taizé, Gütersloh 1978, ISBN 3-579-03861-3.
  • Michael Albus: Taizé, Die Einfachheit des Herzens, Das Vermächtnis von Frère Roger. 2. Auflage. Gütersloher Verlagshaus, 2006, ISBN 3-579-06931-4.
  • Communauté de Taizé: La louange des jours. („das Tageslob“) 466 S. zzgl. angehängtem liturgischen Psalter, 6. Aufl., Les Presses de Taizé, Taizé 1971, ISBN 978-2-02-003315-2. (Stundengebetbuch der Brüder von Taizé)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.domradio.de/radio/sendungen/menschen/die-brueder-von-taize-die-brueder-von-taize
  2. Roger Schutz: Dynamique du provisoire: À l’écoute des nouvelles générations 1962–1968, S. 73 (online).
  3. Taizé (Hrsg.): Wege des Vertrauens, Bilder mit Gedanken von Frère Roger. Taizé 2003.
  4. vgl. Christine Hober: Taizé. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 3. Auflage. Band 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000, Sp. 1244.
  5. vgl. [[Christian Feldmann (Schriftsteller)|]]: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen. 2005, S. 64.
  6. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen. 2005, S. 42f.
  7. a b Die Communauté heute – Taizé. In: taize.fr. 28. März 2008; abgerufen am 17. Mai 2015.
  8. vgl. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen, 2005, S. 43.
  9. vgl. Josef Höglauer: Der Einfluss von Taizé auf die Spiritualität Jugendlicher
  10. vgl. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen, 2005, S. 50f.
  11. Regel von Taizé von 1953 (PDF; 168 kB)
  12. Bärbel Fleer: Taizé, eine Herausforderung: der Anspruch christlicher Orden in Theorie und Praxis scheint in den „Regeln“
  13. https://www.taize.fr/de_article6320.html
  14. Stück, Andreas: Taizé
  15. https://www.zdf.de/nachrichten/heute-in-europa/heute---in-europa-vom-26-oktober-2017-100.html
  16. Rex Brico: Taizé – Frère Roger und die Gemeinschaft. Freiburg im B. 1979, S. 195.
  17. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen. Freiburg u. a. 2005, S. 38.
  18. Frère Émile im Interview mit France 3
  19. https://www.taize.fr/de_article21423.html
  20. https://www.taize.fr/de_article6599.html
  21. https://www.taize.fr/de_article16677.html
  22. https://www.taize.fr/de_article16975.html
  23. Josef Höglauer: Der Einfluss von Taizé auf die Spiritualität Jugendlicher
  24. https://www.taize.fr/de_rubrique2653.html
  25. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen. u. a. 2005, S. 36f.
  26. Josef Höglauer: Der Einfluss von Taizé auf die Spiritualität Jugendlicher
  27. https://taizeangebote.kibac.de/europaeisches-jugendtreffen
  28. Die Gesänge aus Taizé 2017-2018
  29. Die Gesänge aus Taizé 2017-2018
  30. Josef Höglauer: Der Einfluss von Taizé auf die Spiritualität Jugendlicher
  31. Rex Brico: Taizé – Frère Roger und die Gemeinschaft. Freiburg im B. 1979, S. 202.
  32. Jean-Claude Escaffit und Moiz Rasiwala: Die Geschichte von Taizé. op. cit.
  33. Programmschema von Radio Horeb auf www.horeb.org, abgerufen am 18. Dezember 2015.
  34. Friedenspreis des deutschen Friedenspreis 1974 Frère Roger. Abgerufen am 21. Mai 2017.
  • é.f.: Frère Roger, de Taizé: Les écrits fondateurs, Dieu nous veut heureux, Taizé 2011.
  1. Vgl. S. 119, Endnote 5.
  2. Vgl. S. 51.
  3. S. 79: „l’essentiel permettant la vie commune.“
  4. Vgl. S. 80.
  5. Vgl. S. 113.
  6. S. 155: „Elle n’a rien d’une règle au sens habituel, elle indique un simple chemin pour vivre une parabole de communion.“ Zitat aus Vivre l’inespéré 1976.
  7. Vgl. S. 9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Communauté de Taizé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 46° 30′ 49″ N, 4° 40′ 37″ O