Dunkle Jahrhunderte

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dunkle Jahrhunderte (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Dunkle Jahrhunderte oder Dunkle Zeitalter (engl. Dark Ages) werden Zeiträume bezeichnet, in denen die Geschichte einer bestimmten Region mangels Schriftquellen oder archäologischer Funde wenig bis gar nicht erforscht ist. Oft gehen diesen Dunklen Jahrhunderten Zeitabschnitte voraus, die besser bekannt sind. Der Begriff wurde bzw. wird teilweise allerdings auch überspitzt gebraucht (siehe unten).

Begriff und Problematik[Bearbeiten]

Im übertragenen Sinn bezeichnet man teilweise auch Zeiten, in denen das zivilisatorische Niveau (z. B. durch Kriege, Verfolgungen, Seuchen) als relativ niedrig eingeschätzt wird, als dunkel bzw. dunkle Jahrhunderte. In diesen Zeiten kann auch ein Rückgang des Kulturschaffens und damit auch der Schriftproduktion zu verzeichnen sein, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass informative Schriftquellen überliefert wurden, reduziert wird. Ein etwa durch Seuchen oder Kriege verursachter Rückgang der menschlichen Besiedlungsdichte verringert auch die Möglichkeit archäologischer Funde.

Allerdings ist der Begriff „dunkles Zeitalter“ an sich durchaus problematisch. In der Renaissance prägten Humanisten den Topos vom „dunklen“ oder „finsteren Mittelalter“, das ihrer eigenen, nun „erleuchteten Zeit“ voran ging und in dem religiös begründeter Dogmatismus den Geist verfinstert habe. In der modernen Forschung wird hingegen wesentlich differenzierter geurteilt.[1]

Im englischsprachigen Raum wurde der Begriff Dark Ages teils auch auf das gesamte Mittelalter negativ wertend angewandt. Aaron J. Gurjewitsch schreibt dazu:

Das „Mittelalter“ gilt fast als synonym für alles Dunkle und Reaktionäre. Seine frühe Periode bezeichnet man als „düstere Jahrhunderte“. Das Oxforder Wörterbuch der englischen Sprache dehnt den Ausdruck Dark Ages sogar auf das gesamte Mittelalter aus. Ein solches Verhältnis zum Mittelalter, das im 17. und 18. Jahrhundert in bestimmtem Maße erklärlich ist, [...], hat längst jegliche Legitimation verloren.[2]

In der Altertumsforschung wird der Ausdruck vor allem für die anatolischen, griechischen und die britischen „dunklen Jahrhunderte“ angewendet. Landsberger postulierte ein babylonisches/assyrisches Dunkles Zeitalter zwischen Samsu-ditana und Gandaš bzw. Adasi, was er auf größere Migrationen in Babylonien und Assyrien zurückführte[3].

Antike[Bearbeiten]

Altes Ägypten[Bearbeiten]

Europäisches Mittelalter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Orsolya Heinrich-Tamaska / Niklot Krohn / Sebastian Ristow (Hrsg.): Dunkle Jahrhunderte in Mitteleuropa? Tagungsbeiträge der Arbeitsgemeinschaft Spätantike und Frühmittelalter 1. Rituale und Moden (Xanten, 8. Juni 2006) 2. Möglichkeiten und Probleme archäologisch-naturwissenschaftlicher Zusammenarbeit (Schleswig, 9.-10. Oktober 2007). Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4175-7, (Studien zu Spätantike und Frühmittelalter 1, ISSN 1867-5425).
  • Chris Wickham: The Inheritance of Rome. Allen Lane, London 2009, ISBN 978-0-7139-9429-2, (The Penguin history of Europe 2).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Wickham, The Inheritance of Rome
  2. Aaron J. Gurjewitsch: Das Weltbild des mittelalterlichen Menschen, übersetzt von Gabriele Loßack, VEB Verlag der Kunst Dresden, 1978, S. 6 und 7.
  3. Benno Landsberger, Assyrische Königsliste und "Dunkles Zeitalter" (Continued). Journal of Cuneiform Studies 8/2, 1954, 47-73