ESP-Disk

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ESP-Disk[1] ist ein US-amerikanisches unabhängiges Label, das in der Frühzeit des Free Jazz wichtige Aufnahmen dokumentierte.

ESP-Disk ist ein 1964 von dem Juristen Bernard Stollman (1929–2015)[2] in New York City gegründetes Plattenlabel. Ursprünglich war es geschaffen worden, um auf der Kunstsprache Esperanto basierende Lieder zu veröffentlichen. Die zweite ESP-Veröffentlichung war jedoch Albert Aylers Spiritual Unity, das ebenso wie seine New York Eye and Ear Control ein einflussreiches Album des freien Jazz werden sollte. Auf ESP erschienen außerdem Alben von Ornette Coleman („The Town Hall Concert“), Pharoah Sanders (der sein Plattendebut bei ESP hatte), Giuseppi Logan, Sun Ra, Ronnie Boykins, Marion Brown, Sonny Simmons, Paul Bley, Ran Blake, Patty Waters oder Gato Barbieri.

Weiterhin erschienen auf ESP auch nicht am Musikmarkt ausgerichtete Aufnahmen des Underground Rock, wie Platten von Jimi La Lumia & the Psychotic Frogs, The Fugs, The Godz und Pearls Before Swine.

ESP kämpfte ständig mit finanziellen Schwierigkeiten. Einerseits postulierte Stollman das Motto des Labels, die Künstler allein entschieden, was man auf ihrer Esp Platte höre. Er wurde dem nicht gerecht. Er soll keine Tantiemen an seine Musiker bezahlt haben, ja teils hätten die erfolgreichen Musiker überhaupt kein Geld gesehen. Viele Künstler waren nicht glücklich mit ihren Abmachungen mit Stollman.

Der spätere Manager Tom Abbs versuchte die Tantiemen bis in die 1960er hinein den Musikern später nachzuzahlen.

Verschiedene Gerüchte, warum Stollman so geizig war, folgen darauf natürlich, bis auf Anschuldigungen, er sei von Marsmännchen eingesetzt, was auch Verschwörungstheorien Anschub gab, da sich ein Begriff ESP bei Aktionen (der Zersetzung) der CIA wiederfindet. Das Startkapital stamme aus einer Erbschaft, so Stollman, er solle aber auch geheimdienstlich finanziert gewesen sein, jedenfalls war unklar wohin die Einnahmen gingen und wer was finanzierte.

Stollman selbst behauptet die rechtliche Lage in den USA sei für sein Label ungünstig gewesen, was zu Raubkopien seiner besten Schallplatten geführt hätte, und nicht nachprüfbar ist. [3]

Der komplette Label-Katalog ist heute wieder erhältlich.[4] Auf ESP erschienen auch Wieder- und Neuveröffentlichungen historischer Aufnahmen von Billie Holiday, Charlie Parker und Bud Powell.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Schmidt-Joos & Barry Graves: Rock-Lexikon. Reinbek (Rowohlt) 1977 (aktualisierte Auflage).
  • Jason Weiss: Always In Trouble : An Oral History of ESP-Disk ', the Most Outrageous Record Label in America. Wesleyan University Press, 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Nachweise[Bearbeiten]

  1. ESP ist eigentlich die Abkürzung für „Außersinnliche Wahrnehmung“, im englischen „extrasensory perception“. Tatsächlich war der Label-Gründer aber Anhänger des Esperanto und wollte das Label zunächst „Esperanto-Disk“ nennen, bevor er sich für den abgekürzten Namen entschied. Independent 11. Februar 2000
  2. Stollman starb am 19. April 2015 im Alter von 85 Jahren. Vgl. Nachruf (englisch)
  3. Kelley, Frannie. "Legendary Record Label Loses Staff In Split ". NPR. vom 29. November 2013.
  4. Die komplette Diskographie der verschiedenen Serien von ESP (ESP 1000 series, ESP 2000 series, ESP 3000 series) ist auf der englischen Wikipedia unter en:ESP-Disk discography einsehbar