Barry Graves

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Barry Graves (* 26. Juli 1942 in Jeßnitz (Anhalt) als Hans-Jürgen Deutschmann; † 8. September 1994 in Berlin) war ein deutscher Journalist, Autor und Hörfunkmoderator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 22 Jahren kam Jürgen Deutschmann als Stipendiat nach West-Berlin, um an der FU Soziologie, Betriebswirtschaft und Publizistik zu studieren. Ab Mitte der 1960er Jahre arbeitete er unter dem Namen Barry Graves – und der Geburtsortangabe White Plains (New York) – als Musikjournalist für RIAS Berlin. 1966/67 inszenierte er mit Studentengruppen die ersten psychedelischen Rock-Shows im deutschsprachigen Raum. Ab 1968 betreute er als freier Autor und Produzent für den RIAS in Berlin das Programm-Angebot Progressive Rock-Musik.[1] 1969 schuf er die experimentellen Radioserien „Zero Cool“ und „Brainstorm“, in denen Avantgarde-Literatur, Rock, Soundeffekte und elektronische Manipulation kombiniert wurden. Graves bezeichnete das Konzept selbst als „multimedial“.

Von etwa 1971 bis etwa 1984 arbeitete er unter anderen bei der Berliner Mittagszeitung Der Abend als kritischer, wortgewandter und anerkannter Kolumnist. Seit 1973 gab er zusammen mit Siegfried Schmidt-Joos das erste deutschsprachige Rocklexikon heraus, das zum Standardwerk avancierte. Im Jahr 1975 moderierte er die lose Sendereihe „Rock over RIAS“ sowie die monatliche Musik-Talkshow „Musik Extra 3“ im WDR. Später produzierte und moderierte er für den RIAS die Themennächte „Graves bei Nacht“ (später „Graves: Space“). Weitere von ihm moderierte Sendungen waren: „See you later, Alligator“, „RIAS Country“, „California“, „Manhattan“, „Kudamm“, „RIAS Discothek“, „RIAS Discodrom“ und das legendäre „Studio 89“, das jeden Samstag um 23:35 Uhr im RIAS-Sendegebiet zu empfangen war. In der Sendung stellte der homosexuelle Graves vor allem die neuesten Disco & Gay-Disco Neuerscheinungen vom Plattenlabel Disconet vor.

Danach war Graves beim ersten Berliner Kabelsender B1, später bei SFB 2. Auch in New York verbrachte er sehr viel Zeit. Doch Anfang der 1990er Jahre fand er eine neue Station. Bei der Gründung des Jugendprogramms des SFB, Radio 4U, am 30. April 1990, gehörte Graves sogleich zu den Stamm-Moderatoren. Er setzte das Konzept von „Studio 89“ beim neuen Sender unter dem Namen „Big Beat“ fort und hatte Sendereihen wie „Vier nach Elf“, „Vier nach Zwölf“ und „Kaminsky4“.

Anfang 1990 war Graves der erste, der in seiner Radiosendung „Tekkno“ präsentierte. Ohne seine speziellen Features hätte es die von Berlin ausgehende „Technobewegung“ möglicherweise gar nicht gegeben. Seine anfängliche Begeisterung schlug jedoch bei der zunehmenden Kommerzialisierung der Szene in Empörung und Ablehnung um.

Ab 1992 moderierte Graves bei Radio B Zwei das „Radio Rock'n Roll“ und den „Nachtclub“. Im März 1993 schließlich wechselte er zu Radio Fritz. Der beliebte, aber auch umstrittene Moderator erkrankte an AIDS. Am 8. Juni 1994 brach er während der Moderation einer Sendung zusammen und verstarb am 8. September 1994. Sein Zuhause waren stets Berlin und New York.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegfried Schmidt-Joos, Barry Graves: Rock-Lexikon. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1973, 2. Auflage 1975, Neudruck 1978, ISBN 3-499-16177-X, S. 2 (Verlagstext Zu diesem Buch).