Ehevorbereitung

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Unter Ehevorbereitung (auch Eheseminar, früher Brautseminar) versteht man einen Beratungsprozess, der Brautpaare auf die Herausforderungen einer Ehe vorbereiten oder dabei unterstützen soll.

Dabei werden zumeist partnerschaftliche Erfahrungen und Methoden vermittelt (unter anderem im Bereich Kommunikation und Körpersprache, Konfliktlösung, Finanzen) und ggf. an kleinen Beispielen eingeübt. Oft wird auch ein Meinungsaustausch, etwa zur ehelichen Sexualität, angeregt, die eigene Herkunftsfamilie reflektiert oder relevante Rechtsfragen behandelt. Gegebenenfalls werden die Modalitäten der Trauung und das theologische Verständnis des Ehesakraments besprochen. Ehevorbereitungsseminare werden sowohl mit einzelnen Paaren als auch in Kleingruppen (oft in Form von Wochenendseminaren) angeboten.

In den deutschsprachigen Ländern ist die Ehevorbereitung ein optionales Angebot und wird staatlich nicht gefördert oder reguliert. So sind es vor allem kirchliche Einrichtungen und Anbieter, die Paare in dieser Lebensphase mit unterschiedlichen Angeboten zur Seite stehen.

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die römisch-katholische Kirche hat die kirchenrechtliche Ehevorbereitung in Form von sogenannten Brautexamen als lange Tradition gepflegt und als Voraussetzung zur kirchlichen Trauung vorgesehen. Dies war und ist notwendig, da die katholische Kirche hierüber ein Eigenrecht hat, das lange vor staatlicher Eheschließung existierte und darüber Bücher führt, die sogenannten Matrikel. Die Brautseminare dienten dabei nicht der persönlichen Vorbereitung der Brautleute, sondern der Abfrage von Ehehindernissen, Ledigenstand und Herkunft usw., damit die Ehe gültig und erlaubt geschlossen werden konnte.[1] Dazu wurde und wird ein amtlich vorgeschriebenes Ehevorbereitungsprotokoll ausgefüllt.[2]

Lehramtliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst mit dem Schreiben Arcanum divinae sapientiae 1880 von Papst Leo XIII. trat eine Betrachtung des persönlichen Verhältnisses der Brautleute zueinander in den Vordergrund. Dort wird erstmals über die Ehe als Beziehung gesprochen. Weitere 50 Jahre später, 1930 beschrieb Papst Pius XII. ausführlich in Casti connubii, dass es eine personale Vorbereitung in neuer Form geben muss. Man kann sagen, dass manche Forderungen und Ideen seit damals in Deutschland (immer noch) nicht umgesetzt wurden.[3] Danach folgte das Dokument Familiaris consortio von Papst Johannes Paul II., das eine dreistufige Form der Ehevorbereitung vorsieht, beginnend mit christlicher Erziehung in der Kindheit über eine angemessene Sakramentenkatechese, die auch die Werte von katholischer Ehe vermittelt, bis hin zur konkreten Vorbereitung der Brautleute auf die Eheschließung (Trauung) und die Ehe. Der CIC schreibt in Can. 1063 darüber hinaus vor, dass die Brautleute auch nach der Eheschließung in der Ehe begleitet werden sollen. So wird im aktuell letzten Schreiben zum Thema Amoris laetitia von Papst Franziskus auch noch einmal eindringlich gefordert, dass Ehevorbereitung eben nicht Vorbereitung auf die Eheschließung (wie im Kirchenrecht vorgeschrieben), sondern pastorale Vorbereitung und Begleitung in der Ehe sein muss.

Aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuell gibt es eine unüberschaubare Fülle von Programmen und jedes Bistum bietet verschiedene Möglichkeiten zur Ehevorbereitung auf seinen Webseiten an.[4] Die Deutsche Bischofskonferenz bietet mittlerweile u. a. eine App für Brautpaare unter https://www.ehe-wir-heiraten.de/ an.

Durch die neue lehramtliche Entwicklung haben viele Bistümer begonnen, ihre Ehevorbereitung sowohl strukturell, als auch inhaltlich umzugestalten, um mehr junge Paare anzusprechen und ihnen die kirchliche Trauung leichter und schöner zu machen. Mehrere Bistümer, wie z. B. das Bistum Essen haben ein spezielles Team für Hochzeitsvorbereitung in die bischöfliche Verwaltung eingegliedert.[5] Es gibt in vielen Bistümern kleine Heftchen, ähnlich denen in Hochzeitszeitschriften "Hochzeitsplaner" in denen die Brautleute ihre kirchliche Trauung planen und Vorbereitungen notieren können.

Bei der Schönstatt-Bewegung haben die seit 1988 in Österreich und Süddeutschland durchgeführten sechsteiligen Ehevorbereitungskurse „TRaut EUch“[6] das Ziel, den Interessenten zu helfen, sich für einen bestimmten Partner sowie das Sakrament der Ehe zu entscheiden und „ehepädagogische Kompetenz“ zu erwerben.[7] Die Methode ist paar-zentriert, d. h. „die Paare selbst bereiten ihre Ehe vor“.[8] Die Schönstatt Ehevorbereitung basiert auf der Wachstums-Pädagogik von P. Josef Kentenich. Referenten sind Familientrainer-Ehepaare der Akademie für Familienpädagogik und katholische Familien-SeelsorgerInnen. Eine Begleitfamilie führt durch die sechs Abende. Der Teilnehmerkreis beträgt etwa 10–15 Paare.

Einen rechtlichen Sonderweg hat das Bistum Augsburg eingeschlagen: Es verpflichtet Paare, sich mindestens vier Monate vor der kirchlichen Trauung anzumelden und an mehreren Terminen zur Ehe-Vorbereitung (im Unterschied zur bisher vorgeschriebenen Hochzeits-Vorbereitung) teilzunehmen.[9]

Protestantische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die evangelische Kirche sind Traugespräche zwar die Regel, konzentrieren sich aber häufig nur auf die Vorbereitung des Traugottesdienstes und nicht auf die Ehe insgesamt. Hier wird zunehmend von einigen Theologen mehr Initiative von der Kirche gefordert. Bei Freikirchen gibt es häufig ein ausgeprägteres, aber eher uneinheitlich gestaltetes Engagement für Ehevorbereitung.

Bei TEAM.F dienen die Eheseminare zur Ehevorbereitung, zur Vertiefung der Ehe oder als Hilfe zum Familienleben und bei der Erziehung.[10]

Überkonfessionelle Angebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt verschiedene Ehevorbereitungstools, die das Schwergewicht auf die Paarberatung legen. Diese können von Beratenden aller Konfessionen eingesetzt werden und auch Paare damit begleiten, die keinen kirchlichen Hintergrund haben. Dazu zählen der Ehe- und Beziehungskurs (EBK)[11], der von Elfie und Ruedi Mösch erarbeitet und verbreitet wurde, aber auch PREPARE/ENRICH[12], das vor allem von professionellen Beratern genutzt wird. Auch zum interaktiven Paar- und Ehevorbereitungskurs 'Ernsthaft verliebt'[13] steht ein Beraterleitfaden zur Verfügung. Dieser Kurs kann aber von Paaren auch selbstständig genutzt werden. Bei all diesen Angeboten steht das gegenseitige Kennenlernen des Paares im Mittelpunkt. Dazu werden auch Tipps zu Beziehungsthemen gegeben, wie Kommunikationstipps usw.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Aebi: Streiflichter zur kirchlichen Ehevorbereitung. Bern 1997 (Unveröffentlichte Akzessarbeit im Fach Seelsorge, Evangelisch-theologische Prüfungskommission des Kantons Bern).
  • Tilmann Beller: Wir gehören zusammen. Wege zur Partnerschaft vor und in der Ehe. 4. Auflage. Patris Verlag, Vallendar-Schönstatt 1988, ISBN 3-87620-072-5.
  • Andreas Bochmann: Praxisbuch Ehevorbereitung. Anregungen für Seelsorge und Beratung. Brunnen-Verlag, Gießen 2004, ISBN 3-7655-1331-8.
  • Herbert Breuer: Ehevorbereitung mit einem Tag des Nachdenkens über Leben und Glauben. Narrative Arbeit in der theologischen Erwachsenenbildung (= Dissertationen. Theologische Reihe, Bd. 74), EOS-Verlag, St. Ottilien 1995, ISBN 3-88096-774-1 (Zugleich: Vallendar, Theologische Hochschule, Dissertation, 1994).
  • Ulf Harder: Prävention in der Seelsorge. Vorgestellt am Beispiel der Eheseelsorge. Neukirchener Theologie, Neukirchen-Vluyn 2012, ISBN 978-3-7887-2568-6.
  • Lutz Schwäbisch, Martin Siems: Anleitung zum sozialen Lernen für Paare, Gruppen und Erzieher. Kommunikations- und Verhaltenstraining (= rororo. rororo-Sachbuch 16846). 29. Auflage. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-16846-4, S. 50 ff.
  • Claudia Stein: Lässt sich Eheglück vorhersagen? Eine empirische Studie zu Ehestabilität und Ehezufriedenheit (= Prepare-Enrich-Bibliothek.). CAB-Service, Neuenhagen bei Berlin 2005, ISBN 3-937306-01-3 (Zugleich: Jena, Universität, Diplomarbeit, 2005).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. CIC/ 1917 Cann. 1019-1034 bzw. aktuell CIC/ 1983 Cann.1063-1072
  2. https://recht.drs.de/fileadmin/user_files/117/Dokumente/Rechtsdokumentation/4/2/8/09_01_03a.pdf
  3. Vgl. GROARKE, THOMAS J. CSSR: Marriage preparation in contemporary theology and canon law. Rom 1991, 11.
  4. Vgl. z. B. http://www.eintagfueruns.de/ https://www.ehebriefe.de/kirchlich-heiraten/kirchlich-heiraten.html
  5. vgl. https://www.bistum-essen.de/presse/artikel/neues-team-hilft-paaren-auf-dem-weg-zur-hochzeit/
  6. Die Schönstatt Ehevorbereitung - Eine Ehevorbereitung mit Tiefgang. Abgerufen am 6. Juli 2017.
  7. Die Schönstatt Ehevorbereitung Story. Abgerufen am 6. Juli 2017.
  8. So war unser Ehevorbereitungskurs - Wir haben uns für die „TRaut EUch“-Ehevorbereitung bei Schönstatt entschieden. Abgerufen am 29. April 2016.
  9. Vgl. Amtsblatt der Diözese Augsburg 2016, 139 f: Direktorium für die Ehevorbereitung im Bistum Augsburg.
  10. Seminare. Archiviert vom Original am 6. Juli 2009; abgerufen am 6. Juli 2010. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ehevorbereitung.de
  11. Ehe- und Beziehungskurs (EBK). Abgerufen am 13. August 2013.
  12. PREPARE/ENRICH. Abgerufen am 13. August 2013.
  13. Ehevorbereitung im Internet. Abgerufen am 13. August 2013.