Codex Iuris Canonici

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Der Codex Iuris Canonici (CIC, lateinisch für Kodex des kanonischen Rechtes) ist das Gesetzbuch des Kirchenrechts der römisch-katholischen Kirche für die lateinische Kirche. Die aktuelle Fassung ist der von Papst Johannes Paul II. promulgierte Codex Iuris Canonici 1983.

Für die katholischen Ostkirchen existiert ein eigenes Gesetzbuch, der Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO).

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ersten Jahrtausend bestand kein einheitliches Kirchenrecht, sondern nur die lokalen kirchenrechtlichen Regelungen der Ortskirchen, ergänzt durch die Dekrete des Papstes. Sie wurden erst im Mittelalter nach und nach in Sammlungen wie Liber Extra (1234), Liber Sextus (1298) und Clementinae (Anfang 14. Jahrhundert) zusammengefasst. Die meisten Regelungen lehnten sich an die römische Rechtsprechungspraxis des Corpus Iuris Civilis von Kaiser Justinian I. aus dem Jahr 533 an. Sie führten zur Schaffung entsprechender Gerichtsverfahren in Form der Inquisition mit kollegial arbeitenden Kirchengerichten.

Die sechs wichtigsten so entstandenen Kompilationen bildeten zusammen das Corpus Iuris Canonici und in dessen überarbeiteter Fassung von 1582 somit bis 1917 das in der katholischen Kirche geltende Kirchenrecht.

Codex Iuris Canonici 1917[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Ausgabe des CIC/1917

Das Erste Vatikanische Konzil regte die Schaffung eines einzigen, einheitlichen katholischen Gesetzbuches an, welches von Papst Pius X. bei der durch ihn gebildeten Päpstlichen Kommission für Kodifizierung des Kanonischen Rechts in Auftrag gegeben und maßgeblich von Pietro Gasparri erarbeitet wurde. Papst Benedikt XV. setzte dieses zentralisierende Rechtsbuch mit der ersten Kodifikation des lateinischen Kirchenrechts am 27. Mai 1917 in Kraft. Die als Römischer Zentralismus kritisierte Stärkung der päpstlichen Rechtszuständigkeiten wurde vom Vatikan auch aus den niederschmetternden Erfahrungen päpstlicher Ohnmacht angesichts des Ersten Weltkriegs vorangetrieben. Bischofsweihen beispielsweise dürfen seither nicht mehr unter die Kontrolle nationaler Politik fallen.

Codex Iuris Canonici 1983[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuelle Fassung wurde am 25. Januar 1983 von Papst Johannes Paul II. mit der Apostolischen Konstitution Sacrae Disciplinae Leges promulgiert und ist seit dem ersten Adventssonntag desselben Jahres in Kraft. Der Codex von 1983 löste damit den Vorgänger von 1917 ab.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der CIC gliedert sich in sieben Bücher:

  1. Allgemeine Normen: Grundlegende Definitionen, ohne die ein Rechtswerk nicht auskommt, so etwa die Gesetzesdefinition oder die Vorschriften für die Übertragung von Kirchenämtern.
  2. Volk Gottes: Rechte und Pflichten aller Gläubigen, die Kirchenverfassung, Aufgaben und Rechte des Papstes, der Diözesanbischöfe, die innere Ordnung der Teilkirchen z. B. die Aufteilung in Pfarreien und Dekanate, die Rechtsstellung der Ordensgemeinschaften und der anderen Formen des geweihten Lebens.
  3. Verkündigungsdienst der Kirche: Hierunter fallen Predigt und Katechese, katholisches Schul- und Hochschulwesen, Religionsunterricht und Bücherzensur.
  4. Heiligungsdienst der Kirche: Sakramente und Sakramentalien.
  5. Kirchenvermögen: Verwaltungsvorschriften zu Geld- und Sachwerten der Kirche.
  6. Strafbestimmungen in der Kirche: Insbesondere „kirchenspezifische“ Straftaten wie etwa Sakramentensimulation oder Gehorsamsverweigerung werden hier behandelt.
  7. Prozesse: Neben den Bestimmungen zum kirchlichen Gerichtswesen im Allgemeinen finden sich hier Regelungen sowohl für das reguläre (und fast nie vorkommende) Streitverfahren über besondere Arten von Verfahren, wie z. B. das Ehenichtigkeitsverfahren (in Deutschland das häufigste Verfahren an kirchlichen Gerichten) bis hin zum Verfahren zur Amtsenthebung oder Versetzung von Pfarrern.

Änderungen seit 1983[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit seiner Inkraftsetzung haben drei Päpste Änderungen am Codex Iuris Canonici erlassen.

Johannes Paul II.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papst Johannes Paul II. änderte mit dem Motu proprio Ad tuendam fidem von 1998 zwei Canones des CIC und entsprechende Stellen im orientalischen Kirchenrecht. Neu eingefügt wurde can. 750 § 2:

„Fest anzuerkennen und zu halten ist auch alles und jedes, was vom Lehramt der Kirche bezüglich des Glaubens und der Sitten endgültig vorgelegt wird, das also, was zur unversehrten Bewahrung und zur getreuen Darlegung des Glaubensgutes erforderlich ist; daher widersetzt sich der Lehre der katholischen Kirche, wer diese als endgültig zu haltenden Sätze ablehnt.“

In Can. 1371 § 1 wurde außerdem ein Verweis auf den neuen Paragraphen eingefügt.

Benedikt XVI.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Oktober 2009 änderte Papst Benedikt XVI. in dem Motu proprio Omnium in Mentem in zwei Bereichen einige Formulierungen im CIC. Im Weiherecht wird deutlicher zwischen dem allgemeinen Priestertum aller Gläubigen und dem Amtspriestertum unterschieden. Die Änderungen sind hier kursiv gedruckt:

„Can. 1008 – Durch das Sakrament der Weihe werden kraft göttlicher Weisung aus dem Kreis der Gläubigen einige mittels eines untilgbaren Prägemals, mit dem sie gezeichnet werden, zu geistlichen Amtsträgern bestellt; sie werden ja dazu geweiht und bestimmt, entsprechend ihrer jeweiligen Weihestufe unter einem neuen und besonderen Titel dem Volk Gottes zu dienen.

Can. 1009 – § 1. Die Weihen sind Episkopat, Presbyterat und Diakonat.
§ 2. Sie werden erteilt durch die Handauflegung und das Weihegebet, welches die liturgischen Bücher für die einzelnen Weihestufen vorschreiben.
§ 3. Die die Bischofsweihe oder die Priesterweihe empfangen haben, erhalten die Sendung und die Vollmacht, in der Person Christi, des Hauptes, zu handeln; die Diakone hingegen die Kraft, dem Volk Gottes in der Diakonie der Liturgie, des Wortes und der Liebe zu dienen.

Im Eherecht wurde der in drei Canones vorkommende Zusatz „und nicht durch einen formalen Akt von ihr [der Kirche] abgefallen ist“ gestrichen. Hintergrund ist die (umstrittene) Deutung, dass der standesamtliche Kirchenaustritt in Deutschland ein Abfallen actu formali von der Kirche darstellt. In diesem Fall wiederum ist ein Katholik von der sogenannten Formpflicht entbunden, was implizierte, dass einer standesamtlichen Ehe sakramentaler Charakter zugekommen wäre und bei einem Wiedereintritt in die Kirche ein Ehehindernis für eine kirchliche Trauung darstellt.

„Can. 1086 – § 1. Ungültig ist eine Ehe zwischen zwei Personen, von denen eine in der katholischen Kirche getauft oder in sie aufgenommen wurde [gestrichen: ‚und nicht durch einen formalen Akt von ihr abgefallen ist‘], die andere aber ungetauft ist.

Can. 1117 – Die oben vorgeschriebene Eheschließungsform muss unbeschadet der Vorschriften des can. 1127 § 2 eingehalten werden, wenn wenigstens einer der Eheschließenden in der katholischen Kirche getauft oder in sie aufgenommen wurde [gestrichen: ‚und nicht durch einen formalen Akt von ihr abgefallen ist‘].

Can. 1124 – Die Eheschließung zwischen zwei Getauften, von denen der eine in der katholischen Kirche getauft oder nach der Taufe in sie aufgenommen worden ist [gestrichen: ‚und nicht durch einen formalen Akt von ihr abgefallen ist‘], der andere Partner aber einer Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft zugezählt wird, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche steht, ist ohne ausdrückliche Erlaubnis der zuständigen Autorität verboten.“

Franziskus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bislang größte Änderung des CICs erfolgte 2015 durch Papst Franziskus in dem Motu proprio Mitis Iudex Dominus Jesus. Mit diesem wurden Ehenichtigkeitsverfahren vereinfacht.

Canon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein einzelner Rechtssatz des CIC ist ein „Canon“, Abkürzung: Can., Mehrzahl: Canones, Abkürzung: Cann. Ein Canon kann in Paragraphen untergliedert werden. Beispiel, entnommen der deutschen Fassung des CIC 1983[1]

  • Cann. 145–196: Kirchenämter
  • Can. 146: Ein Kirchenamt kann ohne kanonische Amtsübertragung nicht gültig erlangt werden.
  • Can. 153:
§ 1. Die Übertragung eines Amtes …
§ 2. Handelt es sich um ein Amt …
§ 3. Das Versprechen eines Amtes …
  • Can. 154: …

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Text des CIC 1983

Text des CIC 1917 – wird nur mehr für die Auslegung des CIC 1983 verwendet, sonst nicht mehr geltendes Kirchenrecht

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Canones 145–196
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