Ehr is Dwang gnog

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Ehr is Dwang gnog, d. h. „Ehre ist Zwang genug“, ist ein geflügeltes Wort in Westfalen. Es steht über dem Kamin des Krameramtshauses in Münster und drückt das stolze Selbstverständnis der Westfalenmetropole aus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit wann dies das Motto der Kaufmannschaft zu Münster ist, kann nicht mehr festgestellt werden. Es war aber im Gildensaal des Krameramtshauses vorzufinden. Dieser wurde wahrscheinlich von Wilhelm Ferdinand Lipper im Jahre 1771 mit Stuck umgestaltet. Über der Ofennische im großen Saal war ein Stuckzier von Lorbeer- und Eichengeäst angebracht. Ein Kranz war in der Mitte gewunden, auf dem die Devise zu lesen war. Als das unverrückbare Inventar im Zweiten Weltkrieg verloren ging, wurde bei der Neugestaltung des Krameramtshauses dieser Spruch wieder über dem Kamin angebracht.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Münster ist eine Stadt in deren Wappen man die Worte schreiben möchte; die im Gildensaale des Krämeramtshauses über dem Kamine stehen: Ehr is dwang nog – Ehre ist Zwang genug. Der Freie, und das ist nach der damaligen Auffassung der Edle, erträgt keinen Zwang, aber er zwingt sich selbst.“

„In diesen vier Worten ist der Geist der alten deutschen Kaufmannschaft ausgedrückt, der das gewaltige Werk der deutschen Hanse geschaffen hat. Aus reinem Handelsgeist und aus Krämergesinnung wäre niemals ein Werk geschaffen worden, das zu seiner Zeit Deutschland und den deutschen Geist selbst darstellt; über eine Menge hadernder Kleinfürsten und ehrgeiziger Gewaltherrscher erhob sich damals der Geist und der Blick bürgerlicher Geschlechter, weiter reichend als der Gesichtskreis irgendeiner anderen Macht jener Zeit.“

„Damals reichte ein einziger Satz, eine Selbstverpflichtung zur ehrbaren Abwicklung der Geschäfte, um die Beziehung der Kaufleute untereinander und mit ihren Kunden zu regeln … Die Ehre scheint auf Dauer nicht genug Zwang gewesen zu sein, sonst gäbe es heute nicht so viele Gesetzbücher, die fast jedes Detail regeln. Die Frage ist nur, war es der Verfall der guten Sitten, der den Staat dazu gebracht hat, sich mit Gesetzen und Verordnungen in jede Geschäftsbeziehung einzumischen, um Unternehmen und Kunden Sicherheit zu geben? Oder hat der Staat gar mit seiner ungezügelten Regelungswut das ehrbare Handeln durch juristische Spitzfindigkeit verdrängt?“

„Dazwischen lesen wir von ‚Vorbildern‘, ‚Integrität‘, ‚sozialer Kompetenz‘, ‚Fairness‘, ‚Fleiß‘, ‚Zielstrebigkeit‘, ‚Gemeinwohl‘, schließlich sogar von ‚Glaubwürdigkeit‘. Das Ganze gipfelt in dem alten – natürlich westfälischen – Motto: ‚Ehr is Dwang gnog‘. Was soviel bedeutet wie: ‚Ehre ist Zwang genug‘. Ein toller Spruch! Er steht noch heute in großen Lettern auf goldgelben Grund in Münster – natürlich in Westfalen.“

Hans-Joachim Selenz 2006: In Bezug auf Wiedeking[4]

„… zu einer Zeit, als wir uns in der größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg befanden. Damals wurde nicht ohne Grund betont, welche Bedeutung die Ethik für die Wirtschaft hat. Für die Kaufleute Münsters gilt das aber seit mindestens 175 Jahren – schließlich heißt unser Wahlspruch ‚Ehr is Dwang gnog‘.“

Hugo Fiege 2011[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wendelin Wiedeking: Anders ist besser: Ein Versuch über neue Wege in Wirtschaft und Politik. München 2008, ISBN 3-492-25114-5.
  • Joseph Otto Plassmann: Ehre ist Zwang genug, Gedanken zum deutschen Ahnenerbe. Berlin-Dahlem 1941.
  • Franz-Josef Jakobi: Das Krameramtshaus zu Münster 1589–1989. Zeugnis für 400 Jahre Stadtgeschichte. Münster 1989, ISBN 3792305852.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ricarda Huch: Im alten Reich; Lebensbilder deutscher Städte. Berlin 1967, ISBN 3-548-37008-X, S. 84–85.
  2. Ehre ist Zwang genug, Gedanken zum deutschen Ahnenerbe. Berlin-Dahlem 1941, S. 11.
  3. Anders ist besser: Ein Versuch über neue Wege in Wirtschaft und Politik. München 2008, ISBN 3-492-25114-5, S. 35 f.
  4. Freie Welt (Memento des Originals vom 5. Juni 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.freiewelt.net
  5. Westfälische Nachrichten, 11. Februar 2011