Einkommensteuer (Österreich)

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Die Einkommensteuer (ESt.) in Österreich ist eine Steuer, die auf das Einkommen natürlicher Personen erhoben wird. Sie ist eine gemeinschaftliche Bundesabgabe, die am Einkommen anknüpft. Das Steueraufkommen wird zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt (Finanzausgleich).

Geschichte[Bearbeiten]

Historisch beruht das österreichische Einkommensteuerrecht auf dem Einkommensteuergesetz des Deutschen Reiches, dessen Geltungsbereich 1938 durch den Anschluss Österreichs ausgedehnt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gesetz wiederverlautbart und in den Jahren 1967, 1972 und 1988 neu gefasst. Die derzeit gültige Version ist das Einkommensteuergesetz 1988, das am 7. Juli 1988 kundgemacht wurde, mit zahlreichen Novellen.[1]

Einkunftsarten[Bearbeiten]

In Österreich setzt sich das Einkommen einer Person aus der Summe der einzelnen Einkünfte zusammen. Diese lassen sich, gemäß dem österreichischen Einkommensteuerrecht[2], in folgende sieben Einkunftsarten unterteilen:[3]

  1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
  2. Einkünfte aus selbständiger Arbeit
  3. Einkünfte aus Gewerbebetrieb
  4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (z. B. Angestellte, Arbeiterinnen/Arbeiter, Pensionistinnen/Pensionisten)
  5. Einkünfte aus Kapitalvermögen (z. B. Sparbücher, Wertpapiere – diese Erträge sind aber in der Regel mit der Kapitalertragsteuer endbesteuert und brauchen dann nicht in die Steuererklärung aufgenommen werden)
  6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
  7. Sonstige Einkünfte (z. B. bestimmte Leibrenten, Spekulationsgewinne, Einkünfte aus gelegentlichen Vermittlungen und anderen Leistungen, Funktionsgebühren)

Steuersätze[Bearbeiten]

Einkommensteuertarif 2009 in Österreich

Im Einkommensteuertarif Österreichs gibt es vier Tarifzonen (drei Progressionsstufen).

Von 2005 und bis 2009 galten folgende Grenzsteuersätze:

  • 0,00 % für Einkommensteile zwischen 0 und 10.000 Euro jährlich
  • 38,333 % für Einkommensteile zwischen 10.000 und 25.000 Euro jährlich
  • 43,596 % für Einkommensteile zwischen 25.000 und 51.000 Euro jährlich
  • 50 % für Einkommensteile über 51.000 Euro jährlich

Mit der Steuerreform 2009 wurde der Tarif ab dem Jahr 2009 abgesenkt:

  • 0,00 % für Einkommensteile zwischen 0 und 11.000 Euro jährlich
  • 36,5 % für Einkommensteile zwischen 11.000 und 25.000 Euro jährlich
  • 43,2143 % für Einkommensteile zwischen 25.000 und 60.000 Euro jährlich
  • 50 % für Einkommensteile über 60.000 Euro jährlich

Berechnung des individuellen Steuerbetrages[Bearbeiten]

Das zu versteuernde Einkommen[4] (zvE) wird zunächst einer Tarifzone zugeordnet. Sodann lässt sich der Steuerbetrag (StB) nach der entsprechenden Formel[5] berechnen. Danach sind noch die individuellen Absetzbeträge[6] vom errechneten Steuerbetrag zu subtrahieren.

Ab 1. Jänner 2009 gelten folgende Formeln:

Nullzone: Grundfreibetrag

Bis zu einem zvE von 11.000 € fällt keine Steuer an.

Einkommensteuertabelle Österreich ab 2009
Erste Stufe: zvE von 11.001 € bis 25.000 €

StB = \frac {\mathrm{zvE} - 11000} {14000}  \cdot 5110

Vom zvE muss der Eckwert, bei dem die Stufe beginnt, abgezogen werden, weil die Berechnung nur den darüber hinausgehenden zvE-Teil betrifft.

Dabei ist  \frac {5110} {14000} = 36,5 %, also der in der ersten Stufe gültige Grenzsteuersatz.

Zweite Stufe: zvE von 25.001 € bis 60.000 €

StB = \frac {\mathrm{zvE} - 25000} {35000}  \cdot 15125 + 5110

Dabei ist  \frac {15125} {35000} = 43,2143 %, also der in der zweiten Stufe gültige Grenzsteuersatz.

Die Zahl 5.110 entspricht dem Steuerbetrag der ersten Stufe, der zum Betrag dieser Stufe addiert wird.

Dritte Stufe: zvE ab 60.001 €

\mathrm{StB} = (\mathrm{zvE} - 60000) \cdot 0,5 + 20235

Die Zahl 20.235 entspricht dem Steuerbetrag der ersten beiden Stufen, der zum Betrag der dritten Stufe addiert wird.

Formel zur Berechnung des individuellen Steuerbetrages in Spreadsheet

IF(AND(F9>11000;F9 \le 25000);(F9-11000)*5110/14000;IF(AND(F9>25000;F9 \le 60000); ((F9-25000)*15125/35000)+5110;IF(F9>60000;(F9-60000)/2+20235;0)))

Nach dieser Berechnung müssen noch die Absetzbeträge subtrahiert werden!

Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Besteuerung von Sonderzahlungen (das sind im Wesentlichen Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie regelmäßig wiederkehrende Prämien) wird im § 67 des Einkommensteuergesetzes geregelt. Die ersten 620 Euro im Jahr sind steuerfrei. Darüber hinaus werden Sonderzahlungen bis zu einem Sechstel der jährlichen lohnsteuerpflichtigen Bezüge (Jahressechstel) mit festen Steuersätzen verrechnet. Für den über den Freibetrag hinausgehenden, jedoch 24.380 Euro nicht übersteigenden Teil werden 6 % an Steuern abgezogen. Die nächsten 25.000 Euro werden mit 27 % versteuert, von den nächsten 33.333 Euro werden 35,75 % an das Finanzamt abgeführt. Für Abfertigungen, auf die der Arbeitnehmer Anspruch hat, freiwillig gewährte Abfertigungen oder einmalige Prämien gelten jeweils gesonderte Regelungen.[7]

Von Kapitalerträgen werden (im Regelfall) 25 % als Quellensteuer (Kapitalertragsteuer) von den Banken einbehalten. Dies stellt eine Endbesteuerung mit Abgeltungswirkung dar. Auf Antrag können Kapitaleinkünfte auch mit einem niedrigeren Tarifsteuersatz besteuert werden. Ausländische Kapitaleinkünfte ohne KESt-Abzug sind ebenfalls nur mit 25 % steuerpflichtig. Dividenden unterliegen unter bestimmten Voraussetzungen dem Halbsatzverfahren, bei dem nur der halbe Steuersatz angewandt wird.

Im Zuge der Familienrechtsreform von 1973 wurde die Individualbesteuerung anstelle der bis dahin geltenden Familienbesteuerung eingeführt.[8] Die steuerliche Unterstützung von Familien erfolgt über den Alleinverdienerabsetzbetrag von jährlich 494 Euro bei einem Kind bzw. 669 Euro bei zwei Kindern. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um 220 Euro. Alleinerziehern steht ein Alleinerzieherabsetzbetrag in derselben Höhe zu; der unterhaltspflichtige, getrennt lebende Elternteil hat Anspruch auf einen Unterhaltsabsetzbetrag in Höhe von 29,20 Euro monatlich. Zusätzlich gebührt pro Kind ein Kinderabsetzbetrag in Höhe von 58,40 Euro monatlich, der gemeinsam mit der Familienbeihilfe ausbezahlt wird.[9]

Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sind bei einer Entfernung bis 20 km für nichtselbständig Beschäftigte im Regelfall nicht abzugsfähig, sondern werden durch einen pauschalen „Verkehrsabsetzbetrag“ steuerlich berücksichtigt.

Spenden an gemeinnützige Organisationen sind bis zur Höhe von zehn Prozent des Vorjahreseinkommens abzugsfähig. Eine Liste von Organisationen, die als gemeinnützig eingestuft werden, wird jährlich vom Finanzministerium veröffentlicht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetzestext EStG Österreich
  2. Vgl. § 2 Abs. 3 EStG
  3. Information auf HELP.gv.at
  4. Vgl. § 2 Abs. 2 EStG
  5. Vgl. § 33 Abs. 1 EStG
  6. Vgl. § 33 Abs. 2 EStG
  7. § 67 EStG Sonstige Bezüge. Abgerufen am 25. Dezember 2012.
  8.  Doris Kapeller, Dirk Raith: Texte zur Gleichstellung: Theorie, rechtlicher Rahmen & politisches Gewicht. 2003, S. 8 (pdf).
  9. § 33 EStG Steuersätze und Steuerabsetzbeträge. Abgerufen am 25. Dezember 2012.
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