Einschießen

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Einschießen ist ein Verfahren des indirekten Schießens, insbesondere der Artillerie, wenn keine Grundlagen für ein genaues Rechenverfahren vorhanden sind. Das Einschießen kann entweder unmittelbar auf das Ziel oder auf einen Einschießpunkt erfolgen.

Es sind verschiedene Verfahren im Einsatz:

Sehstreifenverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bundeswehr wird das Sehstreifenverfahren zum Leiten des Artilleriefeuers nur von der Kampftruppe angewandt, wenn kein VB Artillerie zur Verfügung steht, heute Joint Fire Support Team.

Das Kommando besteht aus der Angabe der Truppengattung Feind – Wahl der Munitionsart –, dem eigenen Standort nach MGRS, der Marschkompasszahl in Richtung Feind als Sehstreifen und der geschätzten oder gemessenen Entfernung zum Feind. Durch Gabeln davor – dahinter, links – rechts – zur Korrektur werden Korrekturkommandos gegeben mit „x Entfernung“ „Abbrechen“, wenn der letzte Schuss dahinter lag, „Zulegen“, wenn der letzte Schuss davor lag – wird das Leitgeschütz auf den Feind eingeschossen und dann das gesamte Feuer einer Artilleriebatterie oder eines Mörserzuges – mit dem letzten Korrekturkommando als Feuerkommando „ganze Batterie / ganzer Mörserzug“ – zum Feuer im Feuerschlag zusammengefasst.

In der Schweizer Armee wird dieses als Gabelverfahren bezeichnet und mit den vorhandenen Grundlagen ein Feuerkommando gebildet (Schuss 1). Zunächst werden die Schüsse in den Sehstreifen des Beobachters gebracht (Schuss 2), nur erfahrene Beobachter sollten hierbei bereits eine Entfernungskorrektur geben. Die Feuerleitstelle rechnet die Korrekturen entsprechend dem Sehstreifen (=Blickwinkel des Schießenden auf das Ziel) um. Dann wird so geschossen, dass die Schüsse abwechselnd hinter (Schuss 3) dem Ziel erscheinen (eingabeln). Dabei wird die Korrektur, beginnend mit einem geraden vielfachen von 100 m, jeweils halbiert, beim Erreichen der 50-m-Korrektur ist das Einschießen beendet (Schuss 4). Bei welligem Gelände kann über Doppelzünder (Zeitzünder) der Sprengpunkt so angehoben werden, dass der Beobachter den Schuss sieht.

Einschießen im Sehstreifenverfahren

In der Schweizer Armee wird für dieses Verfahren folgende „Eselsbrücke“ für die Reihenfolge der Kommandos verwendet:

„S–H–I–T“
    • S = Seite (z. B. nach rechts 100)
    • H = Höhe (z. B. tiefer 50)
    • I = Intervall (Entfernung, z. B. länger 50)
    • T = Tempierung (z. B. 50 weniger)

Die Korrekturen erfolgen immer aus der Sicht des Schiesskommandanten.

Im Deutschen nach Skizze – „100 rechts“ – „300 zulegen“ – „200 abbrechen“ – „ganze Batterie, x Gruppen, Feuer“

Heranschießen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie Eingabeln, jedoch wird nur von der Feindseite herangeschossen. Dieses Verfahren wird insbesondere bei Zielen nahe der eigenen Truppe angewandt.

Entfernungskoeffizienten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden drei Schüsse auf einen einwandfreien Kartenpunkt abgegeben, diese Schüsse werden mittels Laser oder Radar durch den Schießenden vermessen. Aus der mittleren Abweichung wird ein Entfernungskoeffizient gebildet, der im Übertragungsbereich zur Korrektur der berechneten Schusswerte verwendet wird.

Einschießen Handfeuerwaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Einschießen wird ebenfalls für die Korrektur der Zielhilfen wie unter anderem der Offenen Visierung, des Zielfernrohrs oder des Reflexvisiers auf die Waffe, die verwandte Munition und das Auge des Schützen verstanden. Ein Einschießen erfolgt nach der Montage von Zielhilfen und dem ersten Gebrauch durch einen Schützen oder nach Beschädigung oder Anstoßen von Zielhilfen an Gegenstände. Da die Treffpunktlage von Schütze zu Schütze sowie der Munition eines Herstellers von Herstellungslos zu Herstellungslos teilweise erheblich variieren kann, ebenso von Hersteller zu Hersteller, muss die Waffe auf den jeweiligen Schützen und das jeweilige Munitionslos eingeschossen werden.

Die Zielhilfe wird nach dem Trefferergebnis der ersten drei Schüsse so eingestellt, dass diese sich dem Zielmittelpunkt einer Anschussscheibe nähert – mit weiteren Schüssen werden dann weitere Korrekturen durchgeführt.

Bei einer (auf einem Zielbock oder einem Sandsack) aufgelegten Waffe kann mit weniger Munitionsaufwand – Schießposition sitzend aufgelegt – durch einen Helfer die Zielhilfe nach Ansage des Schützen so verstellt werden, dass diese und die ersten Schüsse deckungsgleich sind. Der Schütze muss dabei die Waffe unverändert auf den Punkt des ersten Abkommens halten. Mit dem nächsten Schuss, der auf den Zielmittelpunkt abgegeben wird, ist die Waffe zumeist bereits eingeschossen.

Zu Problemen kann es kommen, wenn an der Zielhilfe der Waffe oder deren Montage technische Mängel vorliegen, die im ersten Augenblick nicht erkannt werden. Kommt es zu unvorhergesehenen Trefferlagen, ist meist ein technisches Problem wie eine beschädigte Zielhilfe zu vermuten, selten Fehlschüsse des Anschussschützen.

Die Handfeuerwaffe, die Munition, die Auflage und der Schütze sind als Gesamtsystem anzusehen. Das bedeutet: Nur der Schütze einer Waffe kann diese für sich einschießen. Der Lauf der Waffe darf nicht auf- oder anliegen (damit er frei schwingen kann). Ein Gewehr soll „von der Schulter“, eine Pistole/ein Revolver „aus den Händen“ geschossen werden. Einspannvorrichtungen und Laserprüfhilfen können den Schützen und dessen Auge (oder Augen bei einem Reflexvisier) nicht nachbilden. Idealerweise liegen für ein „weiches“ Aufliegen beim Gewehr der Vorderschaft und das Ende des Hinterschaftes auf einem Sandsack, bei Pistole oder Revolver die Unterseite des Griffstücks und die Unterseite des Griffs; der Anschlag ist derjenige, der bei Gebrauch üblicherweise angewendet wird.

Zur groben Einstellung der Zielhilfe vor dem Einschießen kann man einen Boresighter verwendet. So lassen sich viele Probeschüsse einsparen. Das traditionelle Vorgehen ohne einen Boresighter ist es durch den Lauf schauen, auf ein Ziel anvisieren und das gleiche Ziel mit der Zielhilfe anvisieren. Dieses Vorgehen ist vor allem für Kipplaufwaffen geeignet; für viele anderen Waffentypen ist es jedoch aufwändig, da dafür erst der Verschluss entfernt werden muss.[1][2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Schmalenbach: Die Geschichte der deutschen Schiffsartillerie. 3. überarbeitete Auflage, Koehler Verlagsgesellschaft mbH, Herford 1993, ISBN 3-7822-0577-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jim Casada: The Marksmanship Primer: The Experts' Guide to Shooting Handguns and Rifles, Verlag Skyhorse Publishing, 2013, ISBN 9781510720374, S. 73 [1]
  2. David Watson: ABCs of Rifle Shooting, Verlag Gun Digest Books, 2013, ISBN 9781440239038, S. 192–193 [2]