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Eisenbahnunfall von Saltsjöbaden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Unfallstelle am 17. Januar 2013

Der Eisenbahnunfall von Saltsjöbaden geschah am 15. Januar 2013 auf der Saltsjöbana in Saltsjöbaden, Schweden. Ein Zug setzte sich von selbst in Bewegung. Eine im Zug befindliche Reinigungskraft konnte den Zug nicht stoppen, der am Ende der Strecke entgleiste und in einem Haus zum Stehen kann. Die im Zug befindliche Person überlebte schwer verletzt, im betroffenen Haus kam niemand zu Schaden.

Um 1:44 Uhr war der letzte Zug der Nacht im Depot in Neglinge angekommen. Ein Rangierer übernahm und die Verkehrsleitstelle beendete ihre Schicht, da sie üblicherweise bis zum Verkehrsstart am Morgen unbesetzt war.

Der Rangierer koppelte den Zug mit einem anderen Zug, der schon auf demselben Gleis stand. Dort sollten die Fahrzeuge für die Reinigung und eventuelle kleinere Wartungsarbeiten stehen bleiben. Die Gruppe aus Fahrzeugen bestand also aus zwei Triebwagen des Typs C10 sowie zwei Waggons des Typs C11. Der Rangierer stellte den Zug so ab, dass die Bremsen während der Reinigung nicht festfrieren konnten. Als die Reinigungskraft fast fertig war, begab er sich in das Büro des Depots, um dort einige Aufgaben zu erledigen.

Um 2:23:55 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Die Weichen waren von der vorherigen Einfahrt noch so gestellt, dass der Zug auf die Strecke Richtung Saltsjöbaden gelenkt wurde. Die Geschwindigkeit nahm permanent zu und erreichte ungefähr 80 km/h, als die Fahrzeuge mit dem Prellbock auf Gleis 1 in Saltsjöbaden zusammenstießen. Nach ungefähr 1:40 Minuten, also ca. 2:25:35 Uhr. kollidierte der vorderste Wagen nach einer Fahrstrecke von ca. 1,7 km mit einem Wohnhaus auf einer Anhöhe beim Bahnhof Saltsjöbaden und kam 5–7 Meter innerhalb des Erdgeschosses des Hauses zum Stehen.[1]

Im Zug befand sich nur eine 20-jährige Frau, die zum Reinigungspersonal der Züge gehörte. Sie überlebte den Aufprall mit schweren, nicht lebensbedrohlichen Verletzungen. Im Haus wurde niemand verletzt.[2][3]

Ereignisse direkt nach dem Unfall

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Die Frau wurde zunächst verdächtigt, den Zug gestohlen zu haben,[4] und wurde wegen des Verdachts auf gemeingefährliche Sachbeschädigung festgenommen.[5] Der Verdacht erhärtete sich nicht. Der Streckenbetreiber Arriva und der Nahverkehrsverbund entschuldigten sich bei der Betroffenen für die voreiligen Beschuldigungen.[6] Gegen den Pressesprecher der Polizei wurde wegen der schnellen fälschlichen Schuldzuweisung eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht.[7]

Die Bergung dauerte bis zum 28. Januar 2013, da Bedenken bestanden, das Haus könnte einstürzen, wenn der Zug geborgen werden würde. Die fünf Wohnungen im Haus wurden für unbewohnbar erklärt. Das schwer beschädigte Vorderteil des Zuges sollte nach der Untersuchung verschrottet werden.[8] Der Bahnverkehr zwischen Neglinge und Saltsjöbaden wurde eingestellt und erst am 16. September 2013 wieder aufgenommen.[9]

Die im Zug befindliche Frau konnte sich nach ihrem Erwachen an den Unfall zunächst nicht erinnern.[10] Im April 2013 gab sie ihr einziges Interview zu dem Unfall.[11]

Eine Untersuchung des Unfalls durch die staatliche Unfallkommission wurde veranlasst.[12] Die Sicherheit in den Zügen der Saltsjöbana wurde schon direkt nach dem Unglück kritisiert. So sind diese nicht mit dem Sicherheitssystem ATC ausgerüstet, das die Geschwindigkeit automatisch gesenkt hätte. Nach ersten Angaben von SL befand sich zudem der Fahrschlüssel im Zug.[13]

Untersuchungsbericht

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Der Untersuchungsbericht der Staatlichen Havariekommission SHK,[14] die mit der Untersuchung des Unglücks beauftragt war, erschien am 5. Mai 2014 und kam zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Der Zug wurde auf einem Gleis abgestellt, bei dem die Anlage nicht funktionierte, die das Festfrieren der Bremsen verhindern sollte. Der Fehler bestand seit etwa einem Monat, war gemeldet, jedoch nicht behoben worden. Unter anderem war unklar, ob der Betreiber Arriva oder die regionale Verkehrsbehörde für die Reparatur zuständig war. Eine klare Regelung zur Handhabung dieser Situation gab es nicht. Stattdessen oblag es dem Rangierer, dies nach eigenem Ermessen zu entscheiden.
  • Der Rangierer war der Ansicht, dass eine Überführung des Zuges zu einem Gleis mit einer funktionierenden Anlage eine rechtzeitige Reinigung des Zuges und Bereitstellung zum Beginn des Verkehrs im Morgen verhindert hätte. Eine Beurteilung der Situation durch dessen Vorgesetzte fand nicht statt. Der Rangierer fürchtete, die Bremsen könnten wegen der winterlichen Verhältnisse und der nicht funktionierenden Anlage festfrieren, weswegen er die Bremsen geöffnet lassen wollte. Da dies nicht vorgesehen war, wurde eine Methode verwendet, bei der die Sicherung außer Funktion gesetzt wurde. Aus Sicht des Rangierers bestand dennoch keine Gefahr eines unbeabsichtigten Abfahrens des Zuges, weil mehrere Schritte notwendig gewesen seien, um dies zu bewerkstelligen. Diese Methode sei bekannt, jedoch nicht üblich gewesen. Der Rangierer habe unzureichende Kenntnis der Risiken gehabt.
  • Das Fahrzeug wurde in der Endphase der Reinigung unbeaufsichtigt gelassen. Die zwingend vorgeschriebenen Vorkehrungen hierfür wurden nicht angewandt.
  • Die Gründe dafür, dass der Zug sich in Bewegung setzte, waren nicht eindeutig zu klären. Eine Verursachung lediglich durch die alleine im Zug befindliche Frau vom Reinigungspersonal z. B. im Rahmen ihrer Tätigkeit erscheint unwahrscheinlich. Ein eventueller technischer Fehler im Zug war aufgrund der starken Beschädigung nicht feststellbar. Die Untersuchung kam zum Schluss, dass der Zug sich in einer Einstellung befunden haben muss, bei der schon das Schließen der Türen die Abfahrt verursachte. Das Schließen der Türen sei zum Ende der Reinigung üblich gewesen.
  • Die Weichen waren so gestellt, dass der Zug auf die Strecke hinausfahren konnte. Die Vorschriften seien in Bezug auf die korrekte Weichenstellung in der betreffenden Situation mehrdeutig.
  • Der Zug fuhr ungebremst bis zum Aufprall. Die im Zug mitfahrende Frau nahm möglicherweise zunächst an, es handele sich um das Rangieren des Zuges. Sie versuchte, den Schlüssel zu entfernen, was nicht zur Bremsung führte. Andere Möglichkeiten zum Stoppen des Zuges wie das Betätigen der Notbremse oder die Aktivierung der Sicherung hätten bestanden. Es sei verständlich, dass diese in dieser Stresssituation nicht ergriffen wurden. Die Fahrt dauerte ungefähr 1:40 Minuten. Die Frau suchte Schutz im Passagierraum.
  • Der Prellbock konnte den Zug nicht aufhalten. Er wurde nicht als unzureichend beurteilt, da ein stärkerer Prellbock zwar vielleicht das Gebäude hätte schützen können, dies für die Person im Zug jedoch schwerwiegendere Folgen gehabt hätte.

Arriva und SL änderten ihre Vorschriften und Arbeitsabläufe so ab, dass sich ein derartiges Unglück nicht wiederholen kann.

Der Betreiber Arriva musste 500.000 Schwedische Kronen Strafe (ca. 53.000 €) bezahlen. Weiterhin erhielt die verletzte Reinigungskraft 20.000 Kronen Schadenersatz von Arriva für die durch die fälschliche Verdächtigung erlittene Beleidigung. Arriva hat den Strafbefehl akzeptiert und wird keine weiteren Rechtsmittel einlegen.[15]

Einzelnachweise

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  1. Bericht der staatlichen Unfallkommission
  2. Schweden: Putzfrau klaut Zug und kracht in ein Wohnhaus
  3. Tåg kraschade in i bostadshuset
  4. spiegel.de: Vermeintlicher Zugdiebstahl: Bahnbetreiber entschuldigt sich bei 22-Jähriger
  5. Maria Bjaring, Ulf Bungerfeldt: Olyckståget i Saltsjöbaden nu ute ur huset. sverigesradio.se, 28. Januar 2013, abgerufen am 9. Februar 2017 (schwedisch).
  6. Aftonbladet, SL och Arriva gör en pudel: Skulle inte ha anklagat städerskan, 18. Januar 2013 (schwedisch)
  7. Dagens Nyheter, Tågkraschen: Polisen anmäld för tjänstefel, 29. Januar 2013 (schwedisch)
  8. Svenska Dagbladet, Tåget i Saltsjöbaden är bärgat, 28. Januar 2013 (schwedisch)
  9. Pressemeldung des Nahverkehrsverbundes SL vom 13. September 2013 (schwedisch). Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. September 2013; abgerufen am 22. Dezember 2015.
  10. Aftonbladet, Städerskan i förhör: ”Minns inte kraschen”,23. Januar 2013 (schwedisch)
  11. Sekotidningen, Förstår att det kommer gå åt helvete, 10. April 2013 (schwedisch)
  12. Svenska Dagbladet, Haverikommissionen utreder olyckan, 21. Januar 2013 (schwedisch)
  13. Nyckeln fanns i tåget. In: Dagens Nyheter. 16. Januar 2013, abgerufen am 22. Dezember 2015 (schwedisch).
  14. Bericht der Havariekommission (PDF, schwedisch, Zusammenfassung auf Englisch)
  15. Anders Gustafsson: Tågkraschen 2013 – städare får skadestånd. Dagens Nyheter, 9. Februar 2017, abgerufen am 9. Februar 2017 (schwedisch).