Eiskeller (Berlin)

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Koordinaten: 52° 35′ 0″ N, 13° 8′ 0″ O

Reliefkarte: Berlin
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Eiskeller (Berlin)
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Berlin
Lage von Hakenfelde in Berlin, am westlichsten Zipfel liegt Eiskeller
Blick auf Eiskeller vom Mauerweg

Das Landschaftsschutzgebiet Eiskeller im Berliner Ortsteil Hakenfelde (Bezirk Spandau) liegt mit einer Fläche von 51,6 Hektar am westlichsten Zipfel des Spandauer Forstes. Unter besonderem Schutz steht die Wiese in Eiskeller als flächenhaftes Naturdenkmal.

Das Landschaftsschutzgebiet erhielt seinen Namen Eiskeller durch seine in den Wintermonaten regelmäßig deutlich niedrigeren Temperaturen als im sonstigen Berliner Stadtgebiet. Es können Temperaturunterschiede zwischen dem Zentrum Berlins und dem Gebiet Eiskeller von zehn Grad Celsius erreicht werden.[1] Die genaue Herkunft des Namens ist jedoch unklar, da die Bezeichnung wohl erst seit den 1960er-Jahren genutzt wird. Frühere Namen des Gebietes sind Kienhorst und Teufelsbruchwiese.[2]

Eiskeller gilt im Winter als der kälteste Ort Berlins. Diese frostigen Temperaturen wurden früher für die Eislagerung genutzt, das aus dem nahegelegenen Falkenhagener See geschlagen und nach der Zwischenlagerung im Eiskeller größtenteils an Brauereien und Krankenhäuser weiterverkauft wurde.[1][3]

Im Sommer kann es in dem steppenartigen Gebiet dagegen heißer als in der Umgebung werden.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße nach Eiskeller
(Blick Richtung Schönwalder Allee), 1988

Seit der Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 war Eiskeller zunächst fast eine Exklave Berlins im Umland, später West-Berlins in der DDR. Die Verbindung von Eiskeller, wo zu Zeiten des Mauerbaus rund 20 Einwohner auf drei Bauernhöfen lebten, mit dem übrigen Berlin war ein vier Meter breiter und 800 Meter langer Korridor.[5] Innerhalb des Gebietes gab es wiederum Enklaven verschiedener brandenburgischer Gemeinden und damit der DDR.

Südlich von Eiskeller lag – umschlossen von DDR-Gebiet – die West-Berliner Exklave Große Kuhlake. Bei einem Gebietsaustausch im Jahr 1972 wurde der Zugang nach Eiskeller verbreitert, die DDR-Enklaven in Eiskeller kamen zu West-Berlin und die Große Kuhlake sowie ein kleines Gebiet am Westrand von Eiskeller im Gegenzug zur DDR. In einem weiteren Gebietsaustausch zwischen der DDR und West-Berlin kamen 14 DDR-Gebiete im Jahr 1988 zu West-Berlin und vier West-Berliner Exklaven zur DDR. Im Rahmen dieses Austauschs wurde auch im Bereich von Eiskeller die Grenze zugunsten Berlins arrondiert, das Waldgebiet Große Kienhorst im Südosten von Eiskeller kam zu West-Berlin.[5]

Nach dem Jahr 2000 lebten drei Familien in Eiskeller.[4]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schuljunge mit Panzerspähwagen

Im Jahr 1961 behauptete ein Junge, dass er auf dem Weg von Eiskeller zur Schule in Berlin-Spandau von Volkspolizisten aufgehalten worden sei. Die Briten brachten das Kind nunmehr in einem Panzerspähwagen zur Schule. Erst 33 Jahre später gestand er, dass er sich die Geschichte nur ausgedacht hatte, um die Schule zu schwänzen.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eiskeller (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b T. Wiehle: Wanderung in den Eiskeller. In: berlin.de. September 2008, abgerufen am 17. Januar 2018.
  2. Norbert Heintze: Eiskeller und Eiswerke in Berlin und Brandenburg. 3. Auflage. Berlin 2014, S. 217 (http://opus.kobv.de/zlb/volltexte/2014/23802 zlb.de [PDF; 14,2 MB; abgerufen am 19. Januar 2018] Im Bestand der Zentral- und Landesbibliothek Berlin).
  3. Claudia Fuchs: In Eiskeller ist der Winter immer etwas frostiger als im Rest der Stadt: Berlins Nordpol. In: berliner-zeitung.de. 22. Dezember 2001, abgerufen am 19. Januar 2018.
  4. a b Wärmeinsel, Kälteloch: Ein Besuch in Eiskeller. In: Der Tagesspiegel, 4. März 2003, abgerufen am 9. November 2016.
  5. a b Christian Simon: Berlin Grotesk. Die Mauer im absurden Alltag einer Millionenstadt. Christian Simon Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-936242-14-0, S. 62–64.
  6. Schulschwänzer gesteht nach 33 Jahren seinen Streich. In: Berliner Zeitung, 9. Mai 1994, abgerufen am 14. Juli 2013.