Elstermühle Postberga

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Die Elstermühle Postberga befand sich am ursprünglichen Verlauf der Schwarzen Elster zwischen Gräfendorf und Friedrichsluga. Sie war eine von drei Amtsmühlen des Amtes Liebenwerda, gehörte kirchlich aber in den Pfarrsprengel Kleinrössen.

Elstermühle Postberga um 1921

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wird im Jahre 1271 eine Mühle in Postberga erwähnt. Zugehörig zum Amt Schlieben und dem Rittergut Großrössen hat die Mühle zu dieser Zeit vier Mahlgänge. Conrad, Graf von Brehna schenkt im selben Jahr den Bürgern der Stadt Herzberg den Wald ab der Mühle bis zur Stadt, mit der Auflage, dass das nötige Bauholz für die Elstermühle aus diesem Bestand kostenfrei abzugeben ist.[1][2] 1379 bestätigt Wenzel, Herzog zu Sachsen und Lüneburg, Burggraf zu Magdeburg, in Postberga in der Mühle die Leibgedingeverschreibung, vermutlich einer Rente, des Cunz von Wyrtzburg zu Gunsten dessen ehelicher Wirtin. Aus dem Jahr 1504 wird erwähnt, dass das Amt Liebenwerda 71 Scheffel Korn mit der Mühle zu Poßberge verdient hat.[3] Nach einem Hochwasser 1538 wird im darauffolgenden Jahr ein Neubau der Mühle angeordnet.[4] Der Rat der Stadt Herzberg pachtet die Mühle 1558 für jährlich 120 Schock guter Groschen und 120 Scheffel Korn Liebenwerdaer Maß.

Lage der ehemaligen Elstermühle Postberga auf einer Karte von 1941

Eigentum und Besitzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1561 ist die Mühle Eigentum der Stadt Herzberg, aber dem Amt Liebenwerda lehn- und zinsbar. Sie wird mit fünf Mahlgängen und einem Walkrad beschrieben.[5] Nachdem die Mühle 1634 im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt wurde, wird 1653 ein gewisser Georg Müller als Müllermeister genannt.[6] In welchem Jahr ein Wiederaufbau der Mühle erfolgte ist nicht bekannt. Nach einer Bitte des Bürgermeisters und des Rates der Stadt Herzberg um Aufhebung des Pachtvertrages von 1558 an den Kurfürsten wird 1661 die Mühle dem Kammerherrn Rudolf Neitschütz aus Röhrsdorf „aus besonderen landesfürstlichen Gnaden ohne Entgelt“ erblich und als dessen Eigentum überlassen. Nach der Mühlenübersicht des Kurfürstentums Sachsen aus dem Jahr 1673 [7] ist Christian Schilling Besitzer der Mühle. 1690 wird ein gewisser Adam, Müller zu Postberga genannt. 1694 lässt Joh. Gottfried Liebe(zeit?), der Müller zu Postberga, einen Sohn taufen. 1698 heiratet Hans Christoph Wagner, Sohn des wohl vor 1684 verstorbenen Bartholomäus Wagner, Müllermeister in der Mühle, in Löben eine Maria Wagner, die Tochter von Hans Wagner, Gärtners und Gerichtsschöppens in Löben.[8] 1703 heiratet Johann Unger, Müller zu Postberga, und lässt hier in den Jahren 1705 bis 1714 seine Kinder taufen. Sein Antrag auf Errichtung einer Pulvermühle wird 1703 abgelehnt.[9] 1712 wird die Marktmühle Uebigau von Johann Unger käuflich erworben. Zwischen 1715 und 1724 wird Heinrich Köhler mehrfach als Pachtmüller zu Postberga in den Taufregistern erwähnt. Um 1730 ist ein Hans Müller Müllermeister in Postberga. Am 1. März 1733 heiratet Johann Christian Wagner in Postberga Johanna Erdmuthe Müller, Tochter des Hans Müller. Dessen gleichnamiger Sohn welcher im Januar oder Februar 1733 geboren wurde, stirbt im Juni desselben Jahres und wird am 15. Juni bestattet. Johann Christian Wagner[10] wird 1735 auch als Pachtmüller in Neudeck genannt. 1766 ist die Ehefrau des Erbmüllers Schultze zu Postberga Patin in Kleinrössen bei Wagner. Im Jahr 1775 streiten sich Müllermeister Fulte und die Gemeinden Gräfendorf und Kölsa wegen kostenlos zu leistender Mühlendienste. Dieser Streit wird erst 1793 mit einem Vergleich beendet. Johann Christian Fulte ist in den Jahren 1777 bis 1785 Erbeigentumsmüller in Postberga. In dieser Zeit wird die Mühle wieder mit vier Mahlgängen beschrieben. Johann Christian Fulte sen. ist 1797 Mühlenbesitzer. Im Jahr 1805 wird ein Müller Polster in der Mühle erwähnt. 1822 und 1836 wurden Hypotheken auf die Mühle angemeldet. Im September 1827 wird "die Elstermühle zu Postberga bei Herzberg mit 4 Mahlgängen, einer Schneide- und Ölmühle, 10 Hirsestampfern, Fischerei, Aalfang, Brennerei und Branntweinschank, Gebäuden, Garten, Ackerbau, Viehzucht und vollständigem Inventario, worauf nur wenig Abgaben haften, [...] auf Ansuchen des Eigenthümers" freiwillig subhastiert. Im Zusammenhang mit den Rezessionsverhandlungen werden 1840 als Besitzer der Mühle Christian Wilhelm Gottlob Richter und seine Ehefrau Christiane Sophie genannt. Diese werden vermutlich 1829 Eigentümer.[2]

Technische Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wassermühle Postberga wird im Lauf der Zeit mit einer sich immer wieder ändernden Anzahl an Mahlgängen beschrieben. Anfangs mit vier Mahlgängen ausgestattet, wechselte das Inventar der Mühle von diesen vier über zwei auf bis zu fünf Mahlgänge. Betrieben wurde die Mühle wie auch viele andere Mühlen an der Schwarzen Elster mit einem unterschlächtigem Wasserrad an einem Ziehpanster.[11][12][13]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Elsterregulierung wurde die Mühle 1854 außer Betrieb gesetzt. Die Mahl- und Schneidemühlengebäude wurden zum Abbruch vorgesehen und verkauft. Holz und Sandstein aus dem Abbruch der Mühle wurden 1862 von einem E. Langenbaum zur Versteigerung gegen bare Bezahlung in der Zeitung ausgeschrieben. Am ehemaligen Standort der Mühle, der alten Elsterbrücke an der Straße zwischen Gräfendorf und Friedrichsluga, waren im Jahr 1929 nur noch wenige Pfähle zu sehen.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Woitzik, Manfred: Wer zuerst kommt – mahlt zuerst
  • Förster, Eberhard: Mühlen zwischen Elbe und Schwarzer Elster
  • Böttcher/Wilde: Die Mühlen und Müller der Dübener Heide. Neustadt 2003
  • Hotzelt, Wilhelm: Die Familiengeschichte der Freiherren zu Würtzburg 1931
  • Heimatkalender Herzberg 1993
  • Unser Elsterland 1933 Nr. 177 und 178
  • Heimatkalender für den Kreis Schweinitz 1924 S. 32

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Pallas, Herzberg S. 16.
  2. a b Jürgen Wagner: Chronikalische Notizen zur Mühle Postberga
  3. Schweinitzer Heimatbote 1926 Nr. 8
  4. Schweinitzer Heimatbote 1927 Nr. 15
  5. Mühlordnung an der Schwarzen Elster 1561, zitiert nach Schweinitzer Heimatbote 1929 S. 58, vgl. auch Heimatkalender Schweinitz 1924 S. 32;
  6. Woitzik, Manfred: Wer zuerst kommt – mahlt zuerst, S. 202
  7. Hauptstaatsarchiv Dresden Loc 33803
  8. Trauregister Löben
  9. Woitzik, Manfred: Wer zuerst kommt – mahlt zuerst, S. 202
  10. http://www.von-bora.de:/ Suchliste Wagner
  11. Auszüge aus dem Schweitzer Kreisblatt von 1862–1870
  12. Heimatbuch des Kreises Schweinitz
  13. Akte der Mühlen und Mahlgänge nach denselben Besitzern im Kurfürstentum Sachsen 1673, im Staatsarchiv Dresden Loc 33803
  14. Eberhard Förster, Annaburger Hefte, Mühlen zwischen Elbe und Schwarzer Elster, 2006

Koordinaten: 51° 39′ 22″ N, 13° 15′ 36″ O